Kiske/Somerville - Kiske - SomervilleSerafino Perugino, der Chef des italienischen Labels Frontiers Records, hat scheinbar ein Händchen für „Projekte“ mit Sängern. Schon die ersten beiden Alben von Russell Allen und Jorn Lande („The Battle“ und „The Revenge“) waren unbestrittene Highlights des melodischen Heavy Metals und sozusagen zur Überbrückung bis demnächst der dritte Teil der Allen/Lande Reihe erscheinen wird, wurde ein weiteres Projekt aus der Taufe gehoben. Die beteiligten Namen sind dabei nicht weniger bekannt – MICHAEL KISKE, der der mal bei HELLOWEEN gesungen hat (wem sage ich das eigentlich) und der sich in den letzten Jahren in der Metalszene nicht gerade beliebt gemacht hat, und die amerikanische Sängerin AMANDA SOMERVILLE, die bislang eher im Hintergrund bei Projekten wie AINA, AVANTASIA oder auch bei KAMELOT und EPICA gearbeitet hat. Der verbindende Teil zwischen diesen beiden Projekten ist der Schwede Magnus Karlsson (inzwischen bei PRIMAL FEAR), der zusammen mit Mat Sinner (auch PRIMAL FEAR, SINNER) für einen Großteil des Songwritings verantwortlich war, und dass gerade Karlsson das perfekt kann, hat er inzwischen schon zur Genüge unter Beweis stellen können. Was soll da also bei „Kiske – Somerville“ schief gehen?

Nix natürlich! Genau genommen ist sogar das Gegenteil der Fall, dieses erste Album dieser beiden Protagonisten entfaltet auf mich in einem etwas anderen Genre (Melodic Rock/Hardrock) fast die gleiche Begeisterung wie „The Battle“ damals. Da ändert nach inzwischen über 20 Umläufen auch die natürlich vorhandene Skepsis nichts mehr daran, die solch inszenierten Projekten per se innewohnt. Wenn das Resultat so ausfällt wie hier, dann können alle Seiten zufrieden sein!

Der Auftakt in 12 allesamt überzeugende Songs macht das treibende „Nothing Left To Say“, die einzige Nummer, mit der man auch den durchschnittlichen Metaller noch begeistern kann. Direkt im Anschluss zeigt „Silence“ mit seinen über 6 Minuten und seinem symphonischen Rockcharakter eine andere Facette dieser Zusammenarbeit. Nicht nur aufgrund der Länge wundert man sich, dass man gerade dazu ein Video abgedreht hat; auf der anderen Seite, bei so einem eingängigen Chorus dann doch keine Überraschung. Damit stehen die beiden Extreme in Sachen Härte auf der einen und in Sachen Komplexität auf der anderen Seite direkt am Anfang, der Rest des Materials bewegt sich erwartungsgemäß zwischen diesen beiden Polen und kann gut mit dem Melodic Rock à la PLACE VENDOME verglichen werden.

Herausragend unter den 12 Songs sind überraschenderweise nicht nur die rockigen Stücke, sondern es sind in ganz besonderem Maße auch die vier balladesk gehaltenen Nummern „End Of The Road“, „A Thousand Suns“ , “One Night Burning” und “Second Chance”, die Klasse haben! Bei zwei so gefühlvollen Stimmen eigentlich auch kein Wunder.
Extrem sinnlos an „Kiske – Somerville“ erscheint nur, dass der wegen seines vergleichsweise düsteren Flairs vielleicht beste Song dieser Compilation „Set A Fire“ nur als Bonus enthalten ist. Wenn man so eine starke Nummer als Bonustrack verschwenden kann, dann hat man wirklich ein Luxusproblem und auch das charakterisiert die Stärke von diesem Projekt ziemlich gut.

Sicherlich wirkt die ganze Chose gerade am Anfang etwas konstruiert, mal singt MICHAEL KISKE die Strophe und AMANDA SOMERVILLE den Chorus, beim nächsten Song ist es umgekehrt und mal duellieren sich beide auch gleichzeitig mit ihren Stimmen. In welcher Kombination sie es auch immer tun, es will wie Arsch auf Eimer passen und vor allem fragt man sich, warum AMANDA SOMERVILLE bislang fast ausschließlich im Hintergrund agierte, mit dieser Stimme steckt sie mal locker 90% aller Gothictussen in die Tasche.

Einigen wird das hier zu glattgebügelt sein und das ist wahrscheinlich auch der einzige Kritikpunkt, der sich finden lässt. Von daher wird „Kiske – Somerville“ sicherlich nicht jedem gefallen und ich kann einen gewissen Anflug von Subjektivität in diesem Review nicht leugnen, aber was soll ich machen, ich finde die Platte von vorne bis hinten saugeil! Bitte bringt das Ganze auch auf die Bühnen der Nation! (Maik)


Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 53:44 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 24.09.2010
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