Abyzz_EmpusaThüringen ist keineswegs ein unbeschriebenes Blatt was guten, teils auch legendären, extremen Metal anbelangt. Schon in den frühen Neunzigern, der weltweiten Blütezeit dieses Genres, tummelten sich zahlreiche talentierte Bands in diesem Gefilde herum.
Fast jedes Genre ist irgendwie vertreten, denn von EISREGEN über MENHIR bis hin zu HEAVEN SHALL BURN wird alles abgedeckt, was sich zwischen traditionellem Black Metal und modernem Metalcore aufhält.
Auch der melodische Death Metal hat bereits seit 1994 eine feste Institution in Thüringen, die sich seither jedoch überwiegend im Underground gehalten hat: ABYZZ.
In dieser Zeit konnte diese Kombo zwar Live für einige Begeisterung sorgen, doch bewegten sich die bisherigen zwei Alben nur im besseren Mittelfeld.
Besserung verspricht ihr nun drittes Werk „Empusa“, das bereits jetzt auf zahlreiche positive Kritiken zurückblicken kann.

Geboten wird vielseitiger Death Metal, der gespickt mit Doom Elementen und einer gehörigen Portion Eigenständigkeit begeistert. Es ist nicht das konventionelle Standartprogramm, sondern tatsächlich ein technisch sehr ausgefeiltes Kompositionstalent, welches den Ohren des Hörers schmeichelt. Auf dem ganzen Album kommen immer wieder Passagen vor, die durch ihre Ausdruckskraft beweisen, dass die fünf Jungs keine grünohrigen Neulinge mehr sind, sondern eingefleischte Musiker. Dafür spricht auch die reife Strukturierung des Werkes, welches durchweg wie aus einem Guss wirkt, dennoch keinerlei Platz für Einheitsbrei oder langweilige Songs opfern musste.  

Musikalisch ist „Empusa“ eine Sammlung von verschiedensten Songs, die alle unterschiedlich wirken, dennoch einen deutlichen roten Faden erkennen lassen. In erster Linie ist dafür der Sänger verantwortlich. Dieser growlt nämlich von thrashig-aggressiv bis hin zu doomig-verzweifelt in allen möglichen Emotionalitätsstufen, ohne dabei die typische Klangfarbe seiner Stimme abzuändern.  
Sehr passend dazu sind die vielseitigen Talente des Schlagzeugers. Ohne hörbare Probleme bewerkstelligt dieser nicht nur furiose Wechsel der Rhythmen und Geschwindigkeit, sondern auch interessante Übergangseinlagen. Dadurch fließen viele unterschiedliche Passagen förmlich ineinander über, wodurch wiederum die Musik durch und durch flüssig wirkt.
Ein wahres Highlight bieten zudem die Gitarristen. Wie auch der Schlagzeuger verstehen sie sich darauf, der Musik ordentlich Pfeffer zu verpassen. Egal ob schöne Melodien, abgehackte, kurze Riffs oder ausgedehnte Doom-Passagen, immer scheinen sie den rechten Ton zu treffen. Das begeistert nicht nur im rabiaten Spiel der Death Metal Knüppeltracks, sondern auch in den ausführliche Klangslandschaften der Balladenartigen Songs.

Damit dürfte „Empusa“ ein echter Knaller sein. Nicht nur in Sachen Eigenständigkeit und Facettenreichtum, sondern auch bezüglich der musikalischen Reife kann dieses Album punkten.
Trotz eigener Produktion besticht diese Album zudem durch einen vollmundigen Sound.
Diese Scheibe ist ein wahrer Underground-Tipp, der dem Hörer förmlich ins Gesicht schreit, dass gut Ding Weile haben will. (Jannick)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 45:52
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichungstermin: 30.12.2009

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