Nothgard - Warhorns Of MidgardWenn ich etwas liebe, dann ist es Gradlinigkeit. Mixturen können zwar auch ganz reizvoll sein, werden aber in den seltensten Fällen harmonisch. Daher freute es mich um so mehr, als ich die aktuelle Veröffentlichung der Deggendorfer Wikinger NOTHGARD in den Händen hielt. Der Name verspricht, was der Schriftzug perfekt untermauert. Denn hier prangt die Weltesche Yggdrasil als der größte und prächtigste Baum der Erdengeschichte hinter den altertümlichen Buchstaben, seine Zweige überschatten die kriegerische Szene unter sich und Odins Raben Hugin und Munin krächzen aus seinem Geäst. Wenn man dann noch die Kriegshörner aus Midgard hört, sollte doch spätestens alles klar sein – oder???

NOTHGARD, eine noch recht frische Truppe, welche sich um Dom (Ragnar von Wolfchant) scharen, haben sich einem paganen Death-Black Metal mit skandinavischen Folk-Elementen verschrieben. Man könnte es aber auch einfach als Viking Metal mit symphonischer Schlagseite beschreiben, welcher sich durchwegs auf gehobenem Niveau bewegt. Die Herren wissen ganz genau wie sie die Axt zu schwingen, die Felle zu gerben und die Stimmbänder zu reizen haben. Ob man mit animalischer Vehemenz über das Schlachtfeld jagt oder aber sich der hymnischen Getragenheit hingibt, man beschreitet stets den richtigen Weg. Vor allem gefällt mir die opak-heroische Stimmung, welche sich über das ganze Album legt wie Odins Hand über sein Gefolge. Einfach nur genial, vor allem weil die Produktion von Andy Classen natürlich einsame spitze ist und dieses Debüt gleich noch einmal aufwertet.

Wenn man sich gleich etwas mit der textlichen Seite beschäftigt, erfährt man, dass das fröhlich anmutende „Lex Talionis“ eine Ode an Mutter Natur ist, welche zum feiern einlädt. Ein wahrlich sehr abwechslungsreicher Start in ein Album, welches Lust auf mehr macht. Von einem Folk-Chorus wird das folgende „Arminius“ untermauert und mündet folkig in „Under The Serpent Sky“. Hier dominiert die Maultrommel, aber auch Keyboarduntermalungen im Besonderen lassen dieses Stück glänzen. Wie eine althergebrachte Geschichte dringt dringt „Shadows Arise“ orchestral in mein Unterbewußtsein vor und verschmilzt letztendlich fast gänzlich mit dem rasanten, zielstrebigen und mit technischem Können, sowie paganen Sonderleistungen ausgestatteten „Blackened Sky" zu einem Kunstwerk aus einem glanzvollen Guss. Hier entladen sich die Emotionen auf ganz hohem Niveau und der Hörer wird wahrhaftig gefesselt und das passiert heutzutage ja leider eher selten.
Der Titelsong „Warhorns of Midgard“ kann mit einem eingängigen Refrain punkten und danach folgt leider der einzig wirklich schwächelnde Song auf diesem Schlachtenteller. „Spirit“ ist das obligatorische Trinklied, allerdings mit einem marginalen Text der eher zum schmunzeln als zum prosten einlädt. Der Song mündet letztendlich in einem zünftigen Rülpser...Kann man hören, muss man(n) aber nicht!
„Ragnarök” hypnotisiert einen dann regelrecht mit den mesmerisierenden Klaviermelodieläufen und verabschieden einen von einem gut gelungenen Album.  

Eine Idee toll, wenn auch nicht überragend umgesetzt! Für alle Wikinger und die, die es noch werden wollen eine runde Sache, die man einmal antesten sollte. Da die Band ja noch jung ist, wird der Nachfolger von „Warhorns Of Midgard“ bestimmt ausgereifter und mit mehr „Aha“-Momenten versehen! Eine Folk-/Pagan-Band, welche ihre Stärke eher im metallischen Sound hat, als im filigranen Folk.... 


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 57:52 Min
Label: Black Bards Entertainment
Veröffentlichungstermin: 01.04.2011

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