blindguardian3Sie sind schon ein Phänomen, die Mannen aus Krefeld. Als einzige der dritten Generation deutscher Metalbands, die Ende der Achtziger auf der Bildfläche erschienen, überlebten sie die große Rezession zu Beginn der Neunziger. Und nicht nur das, in einer Zeit in der etablierte Bands wie HELLOWEEN oder RUNNING WILD Einbußen hinnehmen mussten, steigerten BLIND GUARDIAN ihre Popularität weiterhin. Als dann der Powermetal seine Hochphase hatte, setzten sie sich mit "Nightfall On Middle Earth" an die Spitze der Szene, wo sie bis heute stehen. Dabei zählen sie vor allem auf ihre treuen Anhänger, die ihnen auch mal Wartezeiten von bis zu vier Jahren für ein neues Album verzeihen. Derzeit sind sie mit dem Metalfest-Tourtross unterwegs, finden aber dazwischen immer noch Zeit ein paar Headliner-Shows einzubauen. Bei denen führte sie der Weg auch erstmals in die Saarbrücker Garage, der erste Auftritt seit langem im Saarland.

 

Dabei schien die Location vielleicht nicht die allerbeste Wahl zu sein, denn BLIND GUARDIAN sind größere Venues gewohnt. Man hat allerdings schon bedacht, dass viele Fans auf dem Allerweltsfest sind. Gerade den typischen Metalfan zog es an dem Wochenende an die Loreley, und so gab es sogar noch Restkarten an der Abendkasse. Viele waren aber doch zuhause geblieben und warteten lieber bis die Bands vor ihre Haustür kommen. Worauf man nicht allzu lange warten muss, KREATOR und MOONSPELL sind schon für Herbst an gleicher Stätte bestätigt. An der Halle angekommen bot sich ein ungewohntes Bild: die traditionellen schwarzen Leibchen, möglichst bis zum letzen Eck bedruckt, bevölkerten den Bürgersteig rechts und links vom Eingang bis hin zur nächsten Kreuzung.

INFINIGHT
So waren noch nicht alle Zuschauer in der Halle angekommen, als die Lokalmatadoren loslegten. Das bekamen auch manche Fotografen zu spüren, die erst zum dritten Song rein kamen. Für die Band war der Umstand ebenfalls suboptimal, denn wenn man einmal vor einem so großen Publikum spielen kann, dann möchte man nicht als Beschaller der Warteschlange durchgehen. Dazu war der Gig ziemlich kurzfristig zustande gekommen, so dass die einheimischen Fans nicht alle davon Wind bekommen haben dürften. Ich habe auch erst davon erfahren als ich auf dem Weg zur Halle Sänger Martin Klein hinterm Backstagebereich traf.

 

Und der trat von Beginn an mit viel Engagement in Erscheinung, schritt ständig den kompletten Bühnenrand ab und warf sich in gekonnte Posen. Auch stimmlich wie immer in Hochform ist der Hüne der Mittelpunkt einer jeden INFINIGHT-Show. Da standen seine Nebenleute ein wenig nach, hier hätte ich mir ein wenig mehr Bewegung gewünscht, aber vielleicht waren sie doch ob der großen Chance ein wenig nervös. Überhaupt scheint die Formation in den letzten Jahren ins Stocken gekommen zu sein, es gab Zeiten, da war man präsenter.
Dabei verfügt man über genügend musikalische Klasse, was ihnen schon einige Erfolge einbrachte. Das Zusammenspiel war tadellos und sehr tight, auch wenn gerade das Material des neuen Albums wie "Saviour Demon" etwas komplexer ist. Vor allem das Gitarrenduo Marco "Grewe" Grewening und Dominique Raber harmonierte sehr gut. Hinten gab Drummer Hendrik "Harry" Reimann druckvoll den Takt vor, obwohl mir seine Schlagzeugkonfiguration mal größer vorkam. Hat er in der Eile nur das Proberaumkit auf die Bühne schaffen können?

Doch so sehr man sich bemühte, der Funke wollte nicht überspringen, da nutzten auch die sehr gut vorgetragenen Coverversionen nichts. Ein Kracher wie "Burning Times" von ICED EARTH sollte in der Form mehr bewegen können, was auch Klein mit Verwunderung zur Kenntnis nahm. Recht hat er, denn es waren wirklich Zuschauer im Shirt der US-Formation anwesend, die kaum Regung zeigten; war die Fokussierung auf den Hauptact so groß?
Auch der Bandhit "Goodbye, Cruel World" vom Debüt "Sea Of Knowledge" wurde schon mehr abgefeiert, obwohl sich das Publikum mit nun größerer Mannstärke bemerkbarer machte. Daher gab es auch die ersten, die sich endlich mal zum Mitsingen animieren ließen. Wenigstens IRON MAIDEN funktioniert zum Abschluss immer, das kennt dann auch jeder, so durften sich die Local Heroes am Ende über verdienten Beifall freuen.

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BLIND GUARDIAN

Richtig kuschelig war es geworden in der Umbaupause, die man ein wenig kürzer hätte gestalten können, denn für ihre Verhältnisse haben die Bombast-Powermetaller an der Produktion gespart. Lediglich ein Backdrop, mehr war nicht, da hat man von kleineren Combos schon mehr gesehen. Die Garage präsentierte sich voll wie schon lange nicht mehr und dementsprechend war auch die Stimmung. Schon als das Licht ausging und die Musiker auf die Bühne kamen war der Lautstärkepegel recht hoch. Dabei war mit dem Computerspielsong als Eröffnung nicht unbedingt zu rechnen. Ich muss ganz ehrlich sein, die Frage bei unserem Gewinnspiel hätte ich nicht gewusst, dazu spielt sich meine Welt zu sehr draußen ab.

Nach der Begrüßung gab es dann gleich einen Klassiker als weiteren Willkommensgruß, der mächtig abgefeiert wurde und die ersten "Guardian, Guardian"-Chöre nach sich zog. Die sollten noch öfter erschallen, hier waren fast nur gestandene Fans anwesend, die das Material durch und durch kennen. Und da stehen immer wieder zwei Alben im Fokus, mit denen die Jungs den großen Durchbruch schafften, vor allem das an "Silmarillion" angelehnte Opus wurde zum Auftakt mit ein paar Songs bedacht. Bands die bereits so einen großen Fundus an Liedern haben, können es nur schwer jedem Fan recht zu machen. Aber BLIND GUARDIAN-Anhänger sehen oft großzügig darüber hinweg, wenn ihr Favorit mal nicht dran ist, überhaupt haben sie nur wenige Pflichtsongs. Das eröffnet natürlich die Möglichkeiten immer mal wieder die Setlist zu variieren und selten gespieltes Material einzubauen. So wie an dem Abend, als ein Titel des aktuellen Albums sein Deutschland-Debüt feiern konnte.

Einen Kritikpunkt werden sie aber wohl nie los, und der bezieht sich auf ihre Liveshows. So sehr sie bejubelt werden und die Bude kocht, es überträgt sich nur bedingt auf den Enthusiasmus der Musiker, auch wenn ihnen der Spaß anzusehen war. Aber die strikte Aufteilung in zwei Reihen von alten und neuen Mitgliedern würde ich mal überdenken, und stattdessen auch mal die Positionen wechseln, was noch nicht mal die Gitarristen taten. Dabei störe ich mich noch nicht mal an der Garderobe, die oft bemängelt wird, hier bringt man ein einheitliches Bild herein. Gut, das kann man in Sachen Stageacting auch sagen, denn da hakte es bei jedem außer Hansi Kürsch.

Und jener wird in seinem Leben kein großartiger Frontmann mehr, dazu fehlt ihm einfach die Präsenz. Diese Biederkeit hat der Mann aber nicht erst, seit er sich von seinem Haupthaar getrennt hat. Er ist kein Entertainer oder Zampano, der die große Geste beherrscht, der Glanz verstrahlt, das einzig Pompöse kommt von der Musik. Er ist aber ehrlich und authentisch, einer von uns sozusagen, das macht ihn so sympathisch. Irgendwie der nette Märchenonkel von nebenan, der uns nach Mittelerde entführt. Seine Ansagen und seine Anfeuerungen wirkten manchmal etwas ungelenk, aber die Zuschauer ließen sich von ihm dennoch nach Belieben dirigieren. Eben weil er irgendwie einer von ihnen ist.

Musikalisch hingegen ließ die Truppe nichts anbrennen, Olbrich und Siepen sind ein perfekt eingespieltes Team, ihre Harmonien vom Feinsten. Zu Beginn waren die Rhythmusgitarren ein wenig zu leise, das besserte sich schnell und der Sound wusste voll zu überzeugen. Da war jedes Detail hörbar und das in ordentlicher Lautstärke. Ein weiteres Plus ist, dass mit Michael Schüren ein fähiger Mann die Orchestrationen jetzt auf seinen Synths wiedergibt, statt diese wie früher vom DAT einspielen zu lassen. Frederik Ehmke ballerte ein Break nach dem anderen aus seiner Schießbude und feuert so die Kompositionen nach vorne. Und live hat die charakteristische Stimme von Kürsch noch einen zusätzlichen Tick mehr Aggressivität, was ihm gut stand.

Was ich vermisse ist, dass vielleicht mal ein Song abgewandelt, umarrangiert oder improvisiert wird. Man spielte die Versionen von Konserve eins zu eins nach, manchmal etwas unspannend. Öfter fällt im Zusammenhang mit ihrem Namen der Begriff Prog, doch auch wenn sie musikalisch sehr aufwendig produzieren, zeigt eben jenes Interpretationsverhalten, dass der Begriff hier nur bedingt anwendbar ist. Die einzige Gemeinsamkeit ist vielleicht jener Eskapismus, der bei den großen Acts der Siebziger allgegenwärtig war, den BLIND GUARDIAN in ihren Phantasiewelten transportieren. Dafür baute man geschickt das Publikum ein und ließ es immer wieder ganze Songpassagen alleine singen. Gerade diese oft langen Parts brachten richtig Stimmung unter das Volk, weil so ein jeder zum Teil der Show wurde. Das Paradebeispiel hat mittlerweile auch zwanzig Jahre auf dem Buckel, genug Zeit um sich zu einem echten Klassiker zu meistern. Die Band zeigte sich immer wieder beeindruckt von der Textsicherheit im Auditorium, vielleicht der schönste Beweis von Begeisterung.

Eine Schrecksekunde gab es, als der Sänger nach gerade mal einer Stunde den letzten Song ankündigte. Da die Festivalshow am Vorabend nur 75 Minuten war, befürchteten einige, dass man heute auch nicht länger spielen wird. Doch mit zwei Zugabeblocks von je drei Stücken wurde die Spielzeit am Ende mit 105 Minuten doch amtlich. Der traditionelle Showstopper beendete dann die erste Zugabe, was man auch hätte als reguläres Set spielen können. Denn sich extra abfeiern lassen haben die Sechs angesichts des Zuspruchs gar nicht nötig, der Beifall war ihnen stets gewiss. So endete ein sehr solider Gig, der keinen enttäuscht haben dürfte und er zeigte, dass die Formation nicht zu unrecht in dieser Liga spielt. (Pfälzer)

Setlist BLIND GUARDIAN:
Sacred Worlds
Welcome To Dying
Nightfall
Fly
Time Stands Still (At The Iron Hill)
Ride To Obsession
The Last Candle
Valhalla
Past And Future Secret
And The Story Ends
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War Of Wrath/Into The Storm
Lord Of The Rings
Imaginations From The Other Side
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Wheel Of Time
The Bard´s Song - In The Forest
Mirror Mirror

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