roa.jpgNECKBREAKER betritt Neuland: Zum ersten Mal ist die Redaktion mit zwei Schreiberlingen beim ROCK OF AGES – Festival in Seebronn inmitten vom Ländle vertreten. Die kleine, brave Schwester des BANG YOUR HEAD feierte in diesem Jahr schon ihre vierte Auflage. Bisher machte man sich mit einem stilistisch breitgefächerten Programm durch alle Epochen der Rockmusik einen Namen. Weiterhin verspricht der Veranstalter eine entspannte, familiäre Atmosphäre und klassisches Festivalfeeling. Zeit also dort dieses relativ neue Event mitzuerleben.
Von unserer Seite aus stand die Sache unter keinem so günstigen Stern, kurzfristig musste ein Redakteur aus beruflichen Gründen passen, zum Glück konnte der Kollege David auf die Schnelle einspringen. Nach ein paar kleineren, leicht chaotischen Hindernissen bei der Anreise stand man also nun vor der Bühne, die irgendwo mitten in Feldern lag. Auch wenn die Umgebung nicht nach der großen, weiten Welt aussah, da oben sollten an den beiden Tagen einige Weltstars aufspielen.

(Freitag, 31.07.2008)
EPITAPH

Wegen des Anreisestresses verpassten wir die Youngsters von CHUCKS. Schade, hätte ich gerne gesehen, wie sich die grünen Bengel schlagen. Schön, dass solche Bands eine Chance haben sich hier zu zeigen. Die erste Band die wir uns zu Gemüte führten, war die einstige Kraut/Progressive-Rock Legende EPITAPH. Gerade noch rechtzeitig schafften wir es vor Beginn einzutreffen und waren sofort von dem mehr als ordentlichen Sound geplättet, der uns entgegenschlug. Die beiden Leadsänger Bassist Bernd Kolbe und Gitarrist Heinz Glass wollten von Anfang an das Publikum auf ihre Seite ziehen, weshalb sie dieses auch stets mittels klatschen und Zurufen animierten.
Die Bewegungslethargie, die sich durch das gesamte Set der Band zog wurde durch die überzeugenden Soli und der gezeigten Virtuosität an ihren Instrumenten wettgemacht. Allen voran Bandgründer Cliff Jackson, der sich am meisten ins Zeug legte und gegen Ende sogar auf dem Boden kniete und seinen Sechssaiter nach allen Regeln der Kunst singen ließ. Das Stück „Fresh Air“ von 1972 wurde den Zuschauern unter schallendem Gelächter als „etwas älterer Song“ vorgestellt und zeigte, wie gut die Gruppe den mehrstimmigen Gesang beherrscht.

Es folgten weitere Highlights und als ein Track von 1975 angekündigt wurde rief unser Rainer in ohrenbetäubender Lautstärke rein, dass das doch „schon zu neu sei“, mit einem kleinen Augenzwinkern versteht sich. Bei „Crossroads“ übernahm Jackson dann persönlich den Gesang und spätestens von diesem Zeitpunkt an war jeder in EPITAPHs Bann. Es wurde schön soliert und improvisiert, was bei zwei Gitarristen die sich blind verstehen auch super hingehauen hat, unweigerlich musste man da an WISHBONE ASH denken. Als dann die Band nach einer Stunde die Bretter verließ ernteten sie verdientermaßen viel Applaus, idealer Sound für die Abendsonne. (David)

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THUNDER
Und in die Abendsonne folgte das Herzblut, die Wehmut, welche der Gig von THUNDER voraus warf. Eigentlich waren deren Konzerte große Partys, aber dieses hier hatte einen traurigen Hintergrund, es war ihr unwiderruflich letztes. Aber sie gingen nicht alleine, anhand der Shirts konnte man sehen, dass viele ihrer Anhänger gekommen waren, ihnen die letzte Ehre zu erweisen. Nach zwanzig Jahren und zehn Alben sollte dann Schluss sein, aber sie gehen mit einem Knall, wie der Titel des letzten Studioalbums andeutet.

Vollkommen überraschend zog die Band ihr bekanntes „You want my…....“- Singalong-Spielchen schon zu Beginn ab. Und was wollten sie, richtig „Dirty Love“, der bekannte Rausschmeißer wurde bereits vorneweg von der Rampe gehauen, danach gab es kein Halten mehr. Die Band ist wie immer top aufgelegt, von Wehmut keine Spur, es krachten die trockenen Riffs, es regiert der sexy Groove, das Blues-Feeling. Die Fans, die sich schon vorm Konzert lautstark bemerkbar gemacht hatten gingen von Sekunde Eins an voll mit.

Basser Chris Childs und Gitarrist Ben Matthews beackerten die rechte Seite, während sich Hauptsongschreiber Luke Morley auf der anderen in alle erdenklichen Rockstarposen wirft. Das Zusammenspiel zwischen ihnen und dem kraftvollen Drumming von Harry James sitzt wie ein Uhrwerk und zauberte einen knackigen Sound aus den Boxen. Manchmal nahm Matthews auch hinter der Orgel Platz wie etwa bei „Low Life In High Places“.
Und in der Mitte turnte Frontmann Danny Bowes wie immer etwas befremdend herum, seine Gestik hatte schon etwas Eigenes. Seine Stimme indes auch, sie ist absolut genial und unvergleichlich. Ich wiederhole mich mal wieder, mittlerweile dürfte ohnehin jeder unserer Leser mitbekommen haben, dass THUNDER sich auflösen: Aber er traf wieder jeden Ton, interpretierte ihn mit einer Inbrunst und einem Gefühl, dass es eine Wonne war. Den Entertainer beherrscht er auch, oder besser den Antreiber, ihm reichten frenetische Publikumsovationen nicht, er wollte eine Stufe vorm Ausrasten.

Den Gefallen taten sie ihm vor allem bei ihrem größten Hit, immer wieder der Tränendrücker vor dem Herrn. Der Schreiber dieser Zeilen reiste zwar ohne bessere Hälfte an, die vollständige Contenance konnte er trotzdem nicht bewahren. Das erste Album stand natürlich klar im Mittelpunkt, alleine sechs Songs stammten vom legendären „Back Street Symphony“.
Nach „You Can´t Keep A Good Man Down“, das ich lieber in einen Titel von URIAH HEEP umwandeln würde, hieß es dann Taschentücher raus, Abschied nehmen. Wir standen eher fassungslos da, als die Fünf von Veranstalterseite noch eine Erinnerung geschenkt bekamen. Nein, so richtig glauben können wir es noch nicht. (Pfälzer)

Setlist THUNDER:
Dirty Love
On The Radio
Higher Ground
Low Life In High Places
Gimme Some Lovin'
She's So Fine
The Devil Made Me Do It
Backstreet Symphony
Love Walked In
You Can't Keep A Good Man Down

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AXEL RUDI PELL
Nach den überragenden THUNDER war es nun die Aufgabe des blonden Bochumers diese kochende Stimmung am Leben zu halten oder, im Idealfall, sogar noch zu überbieten. Und was soll man sagen, schon beim typischen Band-Intro brach das ROA-Publikum in helle Freude aus. Als dann noch der Hammer „Tear down the Walls" vom 2000-er Album „The Masquerade Ball“ als Opener herausgehauen wurde, ging gleich die Post ab.
Um die überragenden Reaktionen der Zuschauer auch beizubehalten wurde direkt der nächste Kracher „Strong as a Rock“ angestimmt. Von nun an hatte das deutsch-amerikanische Quintett Seebronn komplett in der Hand. Während der gute Axel wie üblich mit einem Designer-Hemd fast regungslos und vollkommen auf sein Gitarrenspiel bedacht dastand, raste der schöne Johnny von einem Bühnenrand zum anderen und war motiviert bis in die Haarspitzen. Manchmal sogar ein wenig übermotiviert, vergaß er doch später bei „Rock The Nations“ eine Textzeile.

Beim ersten Medley der Band wurden „The Masquerade Ball“, „Casbah“, einer der Axel Songs überhaupt, und, als einziges vom aktuellen Album, „Tales Of The Crown“ geschickt verknüpft. Aufgrund der gleich bleibenden Klasse der Scheiben ist es zwar verständlich, dass, um wenigstens einen Großteil des bisherigen musikalischen Schaffens abzudecken, solche Zusammenschnitte nichts Neues mehr sind, so bleibt doch die Frage, ob es wirklich nötig ist bei nur 70 Minuten ein Drumsolo ins Set aufzunehmen.
Zwar spricht es für den ehemaligen STEELER-Klampfer, dass er kein charakterlicher MALMSTEEN ist und seinen Kollegen auch die Möglichkeit bietet sich hervorzutun, bleibt für mich die Frage nach dem Sinn dennoch unbeantwortet. Dafür verdrosch Mike „The Spike“ Terrana seine Felle wieder einmal nach allen Regeln der Kunst und stellte somit erneut seine Klasse unter Beweis.

Beim letzten Song des Abends, „Fool, Fool“/ „Eternal Prisoner“ wurde von Zuschauern und Fans gleichermaßen Gas gegeben. Volker und Axel duellierten sich mit Bass und Gitarre und Ferdy Doernberg grinste permanent und spielte sein Keyboard auf seiner Schulter. Nun war jeder gut eingeheizt für die Rock-Institution STATUS QUO. (David)

Setlist AXEL RUDI PELL:
Intro/Tear Down The Walls
Strong As A Rock
The Masquerade Ball / Casbah / Tales Of The Crown
-Drumsolo-
Rock The Nations
Temple Of The King
Mystica
Fool Fool / Eternal Prisoner

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STATUS QUO
Mit STATUS QUO folgte nicht nur der Headliner des ersten Tages, sondern gleichzeitig die Herren der drei Akkorde, die sich vor zwei Jahren, mit ihrem Albumtitel „In Search Of The Fourth Chord“ ein wenig selbst auf den Arm genommen hatten. Doch hier in Seebronn versammelte sich eine gierige Meute, die schon seit Beginn des Festivals ganz heiß auf die englischen Rockstars war. So verwunderte es kaum, dass schon beim Eröffnungslied „Caroline“, eine ungeheuer gute Stimmungswelle vorhanden war, die auch bis in die hinteren Reihen schwappte.
Nach zwei weiteren Songs begrüßte Frontmann Francis Rossi erstmals das Publikum. Natürlich viel zu schnell und natürlich habe ich nichts verstanden, was bei der Power die diese Band auf die Bühne brachte aber sowieso eher sekundär war. Ob nun das bluesige „Don’t drive my Car“, bei dem Rick Parfitt den Gesang übernahm, oder „Mean Girl“, bei dem die vier Saitenzupfer zum ersten Mal synchron nebeneinander spielten und ihre Fans somit in Ekstase versetzten.
Es schien auch so, als ob sich einige der Besucher wohl in ihre Teenager-Tage zurück versetzt fühlten, nahm man doch den dezenten Geruch der würzigen Tütchen wahr, für die man ganz gern mal ins Land der Tulpen und Grachten fährt.

Auf das traumhaft schöne „Living on an Island“ folgte dann einer der Klassiker schlechthin: „In the Army Now“, welches aus voller Brust mitgesungen wurde, und nahtlos in ein Drumsolo überging. Am Ende des Sets kamen dann natürlich die QUO-Hymnen, die ein Rockfan jeden Alters im Schlaf mitsingen kann, „Whatever You Want“ und „Rockin’ All Over The World“ bildeten den Schlusspunkt.
Dachte ich zumindest. Denn dies gehörte noch alles zum regulären Set und während das Publikum nach einer Zugabe lechzte, überlegte ich fieberhaft, was denn nun noch kommen könnte oder ob sie überhaupt noch mal auf die Stage zurückkommen würden. Das taten sie und zockten als endgültig letzte Nummer das CHUCK BERRY-Cover „Rock And Roll Music“. Man kann wohl über Anspruch und musikalische Qualität der STATUS QUO-Melodien streiten, nicht jedoch über ihre Magie Euphorie zu verbreiten. Oder um es in den Worten des netten Kerls, der neben mir stand zu sagen: „Die senn zwar oid, aba die kennet’s immer no“. (David)

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(Samstag, 01.08.2009)
VENGEANCE

Was soll man bloß über die vergnügungssüchtigen Partykönige von VENGEANCE schreiben? Dass sie wieder mal eine geniale Party gefeiert haben? Aber hallo, natürlich, und zwar genauso wie es ein jeder von ihnen gewöhnt ist. Mutig alleine schon einmal der Anfang, da die fünf Mannen aus Tilburg gleich mit zwei Stücken ihres aktuellen Werks „Soul Collector“ begannen und die Zuschauer nichtsdestotrotz auf heiße 50 Minuten einschworen und somit von Beginn an überzeugend agierten.
Nach dem ersten Klassiker „Take It Or Leave It“ bedankte sich Gitarrist Jan Somers artig beim Publikum und freute sich, dass schon so viele so früh anwesend seien und noch bevor die Band zu „May Heaven Strike Me Down“ anstimmen konnte, stellte Sänger und Rampensau par excellence, Leon Goewie, den neuen, blutjungen zweiten Gitarristen namens Timo vor, welcher sich als Sohn des Herrn Somers entpuppte.

Die Jungs aus den Niederlanden schafften es durch ihre lockere und dennoch energiegeladene Performance jeden Einzelnen auf dem Gelände restlos zu überzeugen und nachdem „Rock’n’Roll Shower“ und das endgeile „Arabia“ verstummten, setzte Goewie, unter großem Beifall der Fans, zur obligatorischen Bierdusche an.
Es blieb noch Zeit für ein weiteres Stück und Jan Somers verkündete in gebrochenem Deutsch, dass sie jetzt nicht hinter der Bühne verschwinden werden um dann doch wieder zu kommen, es sei ja alles schon eingeplant und es wurde noch der Titelsong des neuen Albums auf die Meute losgelassen. Mr. Leon Goewie, ein Entertainer vor dem Herrn, überbot sich noch mal selbst und schüttete sich eine riesige Jack Daniel’s Flasche auf die schon nasse Rübe. Genial und schade für die, die dieses Spektakel nicht miterlebten. (David)

Und schade um das gute Zeug! (Pfälzer)

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BIRTH CONTROL
Als die Kölner von BIRTH CONTROL loslegten, musste ich mir die Frage stellen, ob die Veranstalter nicht besser die Spielzeiten von ihnen und den Partykrachern VENGEANCE getauscht hätten, denn zu Beginn ihres Auftritts waren im Vergleich doch nur wenige Zuschauer gekommen, die zudem sehr verhalten schienen, die vier Bandmitglieder dafür aber freundlich und entspannt begrüßten.
Doch die anfängliche Scheu löste sich spätestens bei „Trial Trip“ vom 75-er Album „Plastic People“, da das deutsche Quartett den Besuchern genau das gab, was sie wollten. Geile und gekonnte Improvisierungen die sich über Minuten hinzogen und somit immer mehr Leute magisch anzogen.

Bernd Noske, seines Zeichens Schlagzeuger und Sänger, war richtig gut drauf und kündigte DIE Bandhymne „Gamma Ray“ als „Song den ihr alle kennt aber den wir noch nie live gespielt haben“ an, was einerseits für große Freude als auch für große Belustigung sorgte. Auch hier improvisierte die Geburtenkontrolle mal wieder was das Zeug hielt. So zog der gute Bernd es bei diesem Track auch vor lieber mit Rasseln auf sein Kit einzutrommeln, statt mit den gewöhnlichen Drumsticks. Beim Solo bestieg er sein Spielgerät dann noch witzigerweise von der anderen Seite.
Die Gruppe konnte eine konstante Steigerung verzeichnen und somit waren meine anfänglichen Bedenken vollkommen hinfällig. Die Krautrocker bekamen viel Applaus, den sie sich vornehmlich durch ihr professionelles und vollkommen verwinkeltes Spielen erworben hatten. Sechs Lieder innerhalb von 70 Minuten sprechen da für sich, es durfte geschwebt und an Woodstock gedacht werden. (David)

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MOTHER´S FINEST
Gespannt sein durfte man auf den Auftritt der oft unterschätzten Funkrock-Gruppe aus Atlanta, Georgia, da wohl nicht wenige sehen wollten, ob die Band noch das Potential der 70-er Jahre hatte oder ob eine müde abgehalfterte Truppe erscheinen würde. Glücklicherweise geschah ersteres und als die noch immer taufrische Joyce Kennedy die Bühne betrat, brach die Menschenmenge unter ihr in frenetischen Jubel aus. Mit dem JEFFERSON AIRPLANE-Cover „Somebody to Love“ stiegen die Sieben ins Set ein und es schien, als ob sie nie weg gewesen wären, konnte man doch wahrnehmen, dass das Publikum abging wie Schmidts Katze.

Die gute Joyce war mit blondierten Haaren und engem Lederoutfit erschienen und ließ so ganz schnell vergessen, dass sie schon an der 60 kratzt, von der Power-Röhre ganz zu schweigen. Aber auch ihr gleichberechtigter Sangeskollege Glen Murdock konnte durchaus überzeugen, da seine Stimme ebenfalls voll auf dem Damm war. Die komplette Formation wirkt ungemein frisch und unverbraucht und lieferte einen mörderischen Groove.
Allen voran Basser Jerry „Wyzard“ Seay, der mit seiner guten Laune, seinem schrillen Kleidungsstil und den Rastalocken wirkte, als hätte man ihn frisch von einem jamaikanischen Strand nach Südwürttemberg geflogen. Die Band rockte ohne Unterlass durch Songs wie „Mickey´s Monkey“, die Spielfreude entlud sich beispielsweise darin, dass „Moses Mo“ bei den langen Soli seine Zähne zum Spielen verwendete.

Das Publikum wurde die ganze Zeit mitgerissen, tanzte ausgelassen und bekam zwei Zugaben obendrauf. Auch die Huldigung von Nelson Mandela kam nicht aufgesetzt oder deplaziert rüber, „Love & Peace“ hätten es auf einem reinen Metalfestival schwerer gehabt. Überflüssig zu erwähnen, dass bei der Über-Hymne „Baby Love“ alle total aus dem Häuschen waren. In der Form muss man mit dieser bunten Truppe immer noch rechnen. (David)

Für mich die Überraschung des Festivals! (Pfälzer)

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10 CC
Nachdem wir ROGER CHAPMAN zugunsten eines ausgiebigen Boxenstopps mit Feuertopf und Würstchen aus dem Glas ausfallen ließen waren wir bereit für die Art-Rock Legende 10 CC, die mit einer fünfminütigen Verspätung die ROA-Bühne enterten und sogleich mit einem ihrer größten Hits, „Wall Street Shuffle“ begannen und Sänger Graham Gouldman beweisen konnte, dass er mit seinen 63 Jahren noch immer eine gute und weiche Stimme besitzt.
Die Zuschauerreaktionen bei der ruhigsten Band des Festivals waren anfangs sehr verhalten, ähnlich EPITAPH gestern bot man einen guten Soundtrack für die hochsommerliche Wetterlage. Aber man ging noch etwas seichter zu Werke als die Hannoveraner, dennoch konnte man eine Steigerung verzeichnen, je länger der Gig andauerte. Dies lag wohl auch daran, dass in dieser Band trotz neuer Besetzung einfach jegliches Zusammenspiel funktionierte, als hätten diese schon immer miteinander musiziert. Wirklich beachtlich dafür, dass nur noch der Sänger und Frontmann als einziges Ur-Mitglied verblieben ist. Besonders bei „Good Morning, Judge“ und „Life Is A Minestrone“, die durch ausgedehnte Soli in einem ganz anderen Licht erschienen.

Auch den (inoffiziellen) Titel für das Rock of Ages wurde abgeliefert: „Old Wild Man“. Dies ist keineswegs mit Häme zu verstehen, sondern zeigt nur wie viele Fans älteren Semesters hier in Seebronn noch einmal die Helden ihrer Jugend amtlich abfeierten. Während der Spielzeit kam es auch vor, dass die Musiker ihrer Instrumente untereinander wechselten und ihre Virtuosität so unter Beweis stellten. Den Schluss markierten die beiden Klassiker „I’m Not In Love“ und, wie sollte es anders sein, „Dreadlock Holiday“, bevor die Band zufrieden, und mit zehnminütigem Überziehen, den Platz räumte. (David)

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DORO (mit Orchester)
Uns’ Doro hatte sich mit viel Tamtam auf dem Rock of Ages angekündigt, nämlich mit einem Orchester. Immerhin waren zwischen 10 CC und DORO 40 (!) Minuten Umbaupause (ursprünglich waren gar 50 veranschlagt) und es wurde auch ordentlich Material aufgefahren. Angefangen mit dem riesigen Banner, der den des Festival-Namens komplett überdeckte, bis hin zu den klassischen Instrumenten, die sich aus Pauken, sechs Geigen und vier Celli zusammensetzten. Es hatten sich verdammt viele Besucher auf dem Platz versammelt und nachdem das Orchester, nebst vier Mönchen, von denen zwei die Pauke schlugen und die anderen beiden für die Backing Vocals zuständig waren, auf Position gegangen war wurde die wilde Meute immer unruhiger.

Diese geballte Euphorie schlug sich in kompletter Form nieder, als die sehnsüchtig erwartete Band endlich die Bühne betrat und furios mit „Celebrate“, der Hymne des neuen Albums begann, um direkt in den ersten WARLOCK-Klassiker „I Rule The Ruins“ überzugehen. Die Wahl-New Yorkerin zeigt sich wie immer von ihrer besten Seite, ordentliche Power, ihre immer noch geniale Stimme, dafür mieses Englisch und die einzige Pose die sie gefühlte 431 Mal aufzeigte. Geile Songs am Fließband sorgten für eine verdammt mächtige Stimmung, welche sich wie ein roter Faden durch den gesamten Auftritt zog.

Und dann war da ja noch das Orchester. Genau, wo war es eigentlich? Während des kompletten Sets war es, zumindest akustisch, kaum wahrzunehmen. Zwischenzeitlich, und das ist jetzt keine anschauliche Übertreibung, hatte ich sogar vergessen, dass es anwesend ist. Lediglich bei „Für Immer“ und „She’s Like Thunder“ konnte man es eindeutig heraushören, was für jemanden der einen Gig im Stile der „Classic Diamonds“-Scheiblette erwartete dann doch etwas befremdlich war.
Es mag sich zwar nach verbissenem, konservativem Metalhead anhören, doch auch visuell waren die 14 Gastmusiker nicht unbedingt nötig, da es einfach schwer ist auf sie zu achten, wenn der Hauptact aus fünf Derwischen besteht, die herumwirbeln, als gäbe es keinen Morgen mehr. Es spricht für sich selbst, wenn man gesehen hat, dass die beiden Neuzugänge Luca Pacchioni (Keyboards, Gitarre) und Bas Maas (Gitarre) perfekt mit Douglas, Dee und der kleinen blonden mit der großen Stimme harmonierten und eine homogenen Einheit bildeten.
Wie auch immer, die Band lieferte ein großartiges Konzert ab und hatte „Love Me In Black“, „Burn It Up“ oder natürlich „All We Are“ die richtige Munition dafür. Etwas anders als sonst war dann noch, dass nur drei Lieder von WARLOCK gespielt wurden, doch auch so überzeugte die gut gelaunte Truppe überzeugend. (David)

Setlist DORO:
Celebrate
I Rule the Ruins
You’re My Family
White Wedding
Für Immer
She’s Like Thunder
Above The Ashes
Love Me In Black
On The Run
-Drum Solo-
Burn It Up
Night of the Warlock
All we Are
---------------------
Breaking The Law

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GARY MOORE
Nun nahte auch schon wieder der Schlusspunkt des Wochenendes, in dem Jahr war es GARY MOORE vorbehalten diesen zu setzen. Dessen Karriere lässt sich in vier Phasen einteilen, von der man die Elektronik-Ära Ende der 90er besser verschweigen würde. Heuer bringt der Ire nur noch seine seit 20 Jahren (mit Unterbrechungen) ausgelebte Liebe zum Blues zum Besten. Keine Erinnerungen an die Siebziger, als es der Sturkopf noch versuchte sich in einem Bandgefüge unterzuordnen oder seinen Hardrock der 80er. Mittlerweile hat er als Bluessolist auch schon sieben Alben auf dem Markt, das Programm sollte also gut gefüllt sein.

Gut gefüllt war auch der Rasen vor der Bühne, an das Energieniveau der Vorgänger konnte er indes nicht herankommen, aber das war zu erwarten. GARY MOORE setzte beileibe nicht auf ruhige Songs, ließ gleich zu Beginn mit „Oh Pretty Woman“ einen Hit vom Stapel und vor allem „Down The Line“ hat mächtig Dampf. Doch insgesamt ist Blues eher Musik zum Genießen, und auch die Bühnenperformance war sehr verhalten.
Der Meister ist bis auf einen kleinen Bauchansatz für sein Alter noch fit, trug etwas unpassende, helle Turnschuhe versank aber dennoch lieber in seinen Songs, auch wenn sie nicht immer aus seiner Feder stammen. Seltsam war vor allem die Anordnung auf den Brettern, die Backingband stand hinten rechts zusammen, der Meister meist am vorderen linken Rand.
Musikalisch bestand aber zum Glück keine Distanz zwischen den Akteuren, hier rückte man sehr tight zusammen. Pete Rees und Steve Dixon zelebrierten den trockenen Rhythmus und das klassische Blues-Schema, während Organist Vic Martin für die warmen Töne zuständig war.

Weniger warm waren die Töne von MOORE selbst, sein Blues ist ein lauter, er hat ihn sicherlich, aber er hat den Gitarrenhelden der vorletzten Dekade auch nicht endgültig hinter sich gelassen. Bei „Too Tired“ kam er nach vorne an den Rand des Stegs und ließ das Publikum lange Zeuge seiner Fingerfertigkeiten werden. Selbst bei den ruhigen Nummern holte er einen satten Sound aus seiner Gibson-Sammlung heraus, die Rotweinatmosphäre musste daheim am Kamin bleiben, nur bei „Parisienne Walkways“ durfte die Gitarre wirklich singen, dafür umso brillanter.
Die meisten Reaktionen förderten dann doch die rockigen Hits am Ende hervor, als die Leute noch ein letztes Mal aus sich heraus gingen und die geforderten Singalongs annahmen. Seinen größten Erfolg ließ er unverständlicherweise im Koffer, überhaupt beschränkte sich das Programm auf drei Alben, wobei sein starkes neues Werk „Bad For You Baby“ ordentlich beworben wurde. Musikalisch ein würdiger Schlusspunkt, auch wenn er die von der Sonne ausgelaugten Menschen nicht mehr zu Begeisterungsstürmen hinreißen konnte. (Pfälzer)

Setlist GARY MOORE:
Oh Pretty Woman
Bad For You Baby
Down The Line
Since I Met You Baby
All Your Love
Mojo Boogie
I Love You More Than You´ll Ever Know
Too Tired
Walking By Myself
----------------------------------------------------
The Blues Is Alright
----------------------------------------------------
Parisienne Walkways

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Fazit:
Neben dem BANG YOUR HEAD ist es den Veranstaltern um Horst E. Franz gelungen ein weiteres großartiges Festival auf die Beine zu stellen. Nicht nur in Sachen Bandauswahl weiß man die Erfahrungen zu nutzen, gerade im Bereich Logistik und Organisation ist vieles lobenswert. Auf dem Gelände selbst gab es Container mit Spültoiletten und auch die Dixies waren sehr sauber und vor allem ausreichend. Die Duschen wurden zwar wieder improvisiert und kaltes Wasser ist nicht das Ideale, aber bei den Temperaturen verschmerzbar, eigentlich sogar angenehm.

Auch die Essenssituation war sehr gut, das Angebot vielfältig, von der normalen Grillwurst bis zum Mexikaner wurde einiges geboten. Die Preise blieben auf vernünftigem Niveau und geschmacklich gab es auch nichts einzuwenden. Ebenso gut aufgestellt waren die Leute hinter der Getränkekasse, lange Wartezeiten waren auch hier nicht zu vermelden, obwohl ich nie ein Freund von Bon-Systemen werde.
Das Gelände selbst liegt offen in den Feldern, war in einem idealem Zustand, das Gras noch saftig, aber kein Matsch, so dass man sich oft den Weg durch zahlreiche Decken und Teppiche bahnen musste. Ein weiterer Vorteil ist das leicht abfallende Niveau zur Bühne hin, so dass man von überall gut sehen kann. Diese ist auch nicht allzu hoch und recht nah beim Publikum, was der Kommunikation zwischen Künstler und Fans zugute kommt. Besonders erwähnen muss man vor allem den durchweg guten und klaren Sound, den die Mixer hinbekamen, ein Extralob hierfür.
Auf dem Campinggelände waren viele schattenspendende Bäume, und als die Kapazität zu Ende war schuf man schnell eine Erweiterung. Diese hing zwar ein wenig ab, was durch noch besseren Schatten und hohes, weiches Gras ausgeglichen wurde. Am Eingang gab es ein Partyzelt, in dem man neben Konservenmucke auch mit Essen und Trinken versorgt wurde.

Gut, für den geneigten Metalhead hatte die Bandauswahl eher wenig zu bieten, bis auf AXEL RUDI PELL und DORO war kaum Headbangerfutter dabei. THUNDER, STATUS QUO und VENGEANCE dürften jene mit einer Vorliebe für Hardrock begeistert haben. Doch das ist ja auch nicht der Sinn des ROCK OF AGES, genauso wenig, wie das BANG YOUR HEAD eine reines Metalfestival ist. Davon gibt es genug und Abwechslung bereichert immer die Szene.
Die beiden Tage standen ganz im Zeichen von ruhigeren Rockklängen, die teilweise auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Aber genau deswegen sind sie auch der Grundstein für das was heutzutage viele hören, auch wenn man es nicht mehr so direkt hört. Gerade in Zeiten der Globalisierung und dem Verschwinden der Kulturunterschiede ist es auch im Rock – Metalbereich wichtig seine Geschichte zu bewahren.

Beim ROCK OF AGES, man könnte auch sagen, der Rock der Generationen denkt man auch aus gutem Grunde familienfreundlich. Irgendwo muss ja auch der Nachwuchs herkommen, den es in ein paar Jahren vor oder auf die Bühne zieht. Neben der Ausgabe von Ohrenschützern für die Kleinsten wurde auch ein Unterhaltungsprogramm für die Kids eingerichtet, das sich dann um diese sorgt, wenn die Eltern mal wieder ihre Jugend feiern wollen.
Der 10CC-Titel „Old Wild Man“ wurde so zum Festivalmotto, denn auch ältere Semester können abgehen wenn sie mal wieder losgelassen. Es muss auch nicht immer ein Moshpit sein, um die Stimmung zu pushen. Vielmehr stand das miteinander Party machen, das ursprüngliche und auch unverfälschte Festivalfeeling im Vordergrund. Hier war es egal, wer auf dem Campingplatz die lauteste Musik, das kälteste Bier, das schönste Zelt oder auch die größte Müllhalde hat. Dieses ganze „höher, weiter, schneller“, das zurzeit, die Metal – und Festivalszene beherrscht, könnte bald zum Bumerang werden. Jede Schraube lässt sich nur bedingt andrehen.
Da ist mir die entspannte Atmosphäre fast schon lieber, das Ganze hatte fast so etwas von Woodstock. Alles war zwangloser, Klischees wurden keine breit getreten. Hier wird jeder Metaller mit einer Affinität zum traditionellen Rocksound oder mit entsprechendem Blick über den Tellerrand fündig. Und sind wir ehrlich, nach dem einen oder anderen relaxten Musikwochenende im Sommer schmecken die für den Herbst angekündigten Schlachtplatten umso besser.

Der verdiente Erfolg des Festivals mit geschätzten 5-6000 Besuchern bestärkt die Macher in ihrem Konzept. So sehr, dass der Vorverkauf für die nächstjährige Ausgabe schon läuft, NECKBREAKER hält euch auf dem laufenden und wird wohl wieder vor Ort sein!
Bedanken will ich mich zum Schluß noch bei Horst, Jagger und Biggi sowie gesamten ROCK OF AGES Team! (Pfälzer)

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Photos von Pfälzer, weitere Photos demnächst in unserer Galerie!

Hier noch ein besonderes Dankeschön an Rebecca Haar, die mir bei meinem Fauxpass mit dem nicht ausreichenden Akku mit ein paar Bildern ausgeholfen hat! 

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