chuckberry chuckHätte mir vor einigen Jahren jemand erzählt, dass ich einmal ein Album von CHUCK BERRY besprechen würde, dann hätte ich diese Person mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgelacht. Ging ich doch als der Rock ’n’ Roll Pionier 1979 mit „Rock It“, welches übrigens ein ziemlicher Flop war, sein bisher letztes Album veröffentlichte, noch in den Kindergarten. Als Berry 1957 mit „After School Session“ sein Debüt rausbrachte, waren meine Eltern noch Kinder. Seit dieser Zeit legte der Musiker eine schier unglaubliche Karriere hin, die erst mit seinem Tod, im Alter von 90 Jahren, am 18. März diesen Jahres, endete. Während seiner 65 Jahre andauernden Karriere veröffentlichte der Künstler unzählige Singles und Alben. Auf ein neues Album mussten die Fans jedoch ganze 38 Jahre warten, obwohl die bereits hochbetagte Ikone des Rock 'n' Roll immer noch zahlreiche Konzerte absolvierte.

Mit „Chuck“ erscheint nun am 16. Juni posthum das letzte Album von CHUCK BERRY, welches gleichzeitig das musikalische Vermächtnis des Mannes ist, der mit seinem Auftreten und seinem Gitarrenspiel so unterschiedliche Künstler wie ELVIS PRESLEY, THE BEATLES, KEITH RICHARDS, ANGUS YOUNG, LEMMY KILMISTER oder auch VOLBEAT beeinflusste.

Und wie bei jedem Album, das erst nach dem Tod seines Erschaffers veröffentlicht wird, werden auch bei „Chuck“ schon wieder die ersten Rufe von wegen Leichenfledderei und Fanabzocke laut. Dem kann man jedoch entgegenhalten, dass Berry noch zu seinen Lebzeiten ein neues Album angekündigt hatte und bereits seit den Achtzigern immer wieder an neuen Songs arbeitete. Er arbeitete das ganze Jahr 2014 über an dem Album und musste aus gesundheitlichen Gründen 2015 die Aufnahmen sowie seine Tournee unterbrechen. Danach überschaute er weiterhin die Produktion und Planung der Scheibe. Sein letzter Wunsch war, dass „Chuck“ fertiggestellt und veröffentlicht wird.

Und ja es ist keine Seltenheit, dass Labels nach dem Tod eines Musikers schnell noch bisher unveröffentlichtes Material auf den Markt werfen, um damit einen schnellen Euro zu machen. Beispiele dafür gibt es weiß Gott genug.
Doch „Chuck“ ist definitiv anders. Hier handelt es sich nicht um irgendwelche Restposten, sondern um 10 Stücke, die wohl durchdacht und über einen langen Zeitraum gereift sind. Los geht es mit der typischen Berry-Nummer „Wonderful Woman“, die purer Rock ’n’ Roll ist und den Hörer in eine Zeit entführt, als Musik noch von Menschen und nicht von Maschinen gemacht wurde. Auf dem folgenden „Big Boys“ gibt sich dann mit Tom Morello (PROPHETS OF RAGE, RAGE AGAINST THE MACHINE) ein recht ungewöhnlicher Gast die Ehre. Doch diese Kombination passt wider Erwarten perfekt. Bei der wirklich gelungenen Country Nummer „Darlin‘“ erhält Berry Unterstützung von seiner Tochter Ingrid. Mit „Lady B. Goode“ gibt es dann ein Wiederhören mit einem guten alten Bekannten. Hier wird die bereits aus „Johnny B. Goode“ und „Bye, Bye Johnny“ bekannte Geschichte des übrigens fiktiven Gitarristen weitererzählt. In diesem Fall aus der Sicht der Ehefrau. „Jamaica Moon“ ist dann ein Upgrade des wenig erfolgreichen „Havanna Moon“. Auch die Bluesnummer „Dutchman“ überzeugt.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass man mit „Chuck“ genau das erhält, was man von CHUCK BERRY erwartet. Der alte Herr ist sich und seiner Musik bis zu Letzt treu geblieben. Als er in den Fünfzigern anfing, waren digitale Aufnahmetechnik oder Dinge wie Pro Tools noch Science-Fiction. Und auch „Chuck“ klingt bei weitem nicht so steril wie die Masse heutiger Produktionen. Irgendwie mag das für manchen überholt oder wie ein Relikt klingen. Aber hey genau das war Berry auch. Ein Relikt aus einer Zeit, in der Können wichtiger als Image war. Und das ist gut so.

In diesem Sinne: Ruhe in Frieden Chuck. Grüße Elvis, Jimi, Bon und Lemmy und „Hail, Hail Rock 'n' Roll”. (Matthias)


Bewertung:

Matthias8,5 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 34:51 min
Label: Decca Records
Veröffentlichungstermin: 16.06.2017

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