styx themissionNeben ein paar Tourneen in den USA hat man auf der anderen Seite des großen Teichs seit mehr als zehn Jahren nichts mehr von der AOR-Legende wahrgenommen. Das letzte Studiowerk "Cyclorama" liegt schon vierzehn Jahre zurück, das merkwürdige Coveralbum "Big Bang Theory" zwölf. Eigentlich hat jeder damit gerechnet, dass die Herren ihre Karriere auslaufen lassen, doch weit gefehlt. Mit "The Mission" packen STYX sogar eine Konzeptscheibe an, die von einer fiktiven Marsmission im Jahr 2033 handelt. Da horcht doch die Rockwelt auf und schaut, was es damit auf sich hat und der Band heute noch einfällt, die immerhin seit dem letzten Longplayer mit der selben Besetzung unterwegs ist.

Unterwegs ist auch die Raumfähre Khedive zur ersten Marsmission, für die aber schon im Vorfeld einige Hindernisse überwunden werden wollen. Im ausführlichen Booklet ist die Geschichte grob angerissen, dazu gibt es Erklärungen zu jedem einzelnen Song sowie die Lyrics. Wohin die Reise der realen Raumfahrt aber geht, wissen wir leider nicht, nur wohin die Amerikaner musikalisch steuern. Zuletzt schlingerte man zwischen Mainstreambedienung und vielen Gesangsarrangements, die kunstvoll sein wollten, dabei am Ende nur einen wirklich einprägsamen Refrain in "These Are The Times" zuließen.

Schon die schlicht "Overture" betitelte Eröffnungsfanfare bringt analoge Synthesizer, klanglich sehr warm abgemischt und mit massenhaft Siebzigerappeal zwischen "Equinox" und "The Grand Illusion". Was die angenehme Soundfärbung noch hervor hebt ist der prägnante Bass von Glen Burtnik und streckenweise auch von Gründungsmitglied Chuck Panozzo. Der hilft die Strophe des rockigen "Gone Gone Gone" so richtig nach vorne zu treiben, den Rest erledigen die Gitarren von Tommy Shaw und James Young. So direkt gingen STYX seit den Siebzigern nicht mehr zu Werke, dazu gesellen sich noch tolle Harmonien.

Jene gibt es noch viel stärker in "Hundred Million Miles From Home", dessen schmissiger Chorus sich aus dem lässig rockenden Stück nur so heran pirscht. Dieses knallige Element gerät auch in "The Outpost" zu voller Blüte, wenn sich hochmelodische Gesangsharmonien aus den schweren Synths heraus schälen, das Händchen für Hits hat die Truppe wahrlich nicht verloren. Gerade zu Beginn rockt "The Mission" verhältnismäßig drauf los, "Trouble At The Big Show" glänzt sogar mit Anleihen bei JIMI HENDRIX und schweren Riffs, die von den Wodden Nickel-Alben stammen könnten.

Doch genau hier beginnen die Probleme der Scheibe, denn irgendwie endet das Stück nach gut zwei Minuten, ohne dass es eine Struktur hinterlassen hätte. Klar, einige Titel sind lediglich Intros wie "All Sytems Stable", während das pianogetragene "Ten Thousand Ways" ein Reprise der weiten Chöre von "Time May Bend" darstellt, in dem auch mal die Sequenzer blubbern dürfen. Doch bei der arg knappen Spielzeit hat man irgendwie vergessen, einige Lieder richtig auszukomponieren. Trotz seiner Gesangsarrangements, einer QUEEN-verwandten Leadgitarre und klassisch angehauchtem Piano kommt "Khedive" wie eine unfertige Songskizze rüber.

"Locomotive" setzt noch mehr auf sphärische Klänge, und hat mit seinen Satzgesängen sowie dem Synthsolo starke Elemente, die aber nicht zum Vorschein kommen. Das wirkt alles ineinander gepresst, und lässt der Spannung, welche sich aufbauen könnte, keine Chance sich zu entfalten. Hat man auf den letzten beiden Scheiben allzu oft die Refrains wiederholt und sie Songs unnötig in die Länge gezogen, so verfällt man hier ins Gegenteil, indem man so manches im Ansatz erstickt.
Das man es besser zu machen vermag, beweist man in "Radio Silence", welches nach bombastischen Beginn erst einmal ruhig weiter geht, dabei die analogen Tasten in Stellung bringt. Nach großen Melodiebogen steigert sich die Dynamik wieder in einen rockigen Ausbruch, der wunderbar an "Suite Madame Blue" denken lässt. Den gibt es auch in "Red Storm", welches akustisch beginnt, um dann mittels Pianotupfern und Keyboardflächen in floydige Sphären abzuheben.

Vielleicht hätte man auf das Konzept verzichten und stattdessen die acht oder neun richtigen Songs bis ins Detail durcharrangieren sollen. Dann wäre das Werk zwar noch kürzer, doch der Schritt in die Siebziger damit auch noch konsequenter. Hier wurde eine Riesenchance vertan, den Namen STYX wieder mit altem Glanz zu füllen, denn streckenweise ist das ganz große Klasse. Die Formation knüpft stilistisch an die Hochzeit an, ohne dass man ihr vorwerfen könnte, das verkrampft durchgezogen zu haben. Doch wenn man die Fans vierzehn Jahre auf "The Mission" warten lässt, angibt zwei Jahre daran gearbeitet zu haben, muss da unterm Strich einfach noch mehr raus kommen, sehr schade. (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer6,5 6,5 / 10


Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 42:08 min
Label: Alpha Dog 2T/Universal
Veröffentlichungstermin: 16.06.2017

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