enslaved roadburnliveMittlerweile haben die norwegischen Pagan Metal-Erneuerer dreizehn Alben auf der Habenseite, Nummer vierzehn steht schon in der Startlöchern, doch eine offizielle Liveveröffentlichung war bislang nicht zu haben. Das liegt vor allem daran, dass die Band kein Freund von Konzertscheiben ist, weil ihrer Meinung nach die Atmosphäre und Energie zwischen Bühne und Publikum nicht wirklich eingefangen werden kann. Dabei zählen ENSLAVED zu den besten Liveformationen ihres Genres, gerade weil sie mit steter Entwicklung immer authentisch waren. Eines ihrer Lieblingsfestivals ist das Roadburn in Holland, welches sie auch schon kuratiert haben. Gerne ließen die Musiker verlauten, dass sie nur hier einen Gig für die Konserve festhalten würden. Da sie Stammgast sind, boten sich einige Auftritte an, letzten Endes wurde der von 2015 auf "Roadburn Live" festgehalten.

Dabei fällt zuerst einmal auf, dass die Scheibe nicht vom derzeitigen Label, dem Branchenriesen Nuclear Blast veröffentlicht wurde, sondern von Roadburn selbst, was die Freundschaft und das Vertrauen zwischen Band und Machern belegt. Die verschiedenen Versionen kommen mit allerhand Extras wie Stickern oder Postern daher, was sie für den Fan noch interessanter machen. Haben die Bergener heuer auf dem Kultevent eine Show abgeliefert, bei der ihr härteres Frühwerk im Mittelpunkt stand, so konzentrierte man sich an dem Abend in Tilburg auf die aktuelleren Werke. Doch auch in dieser guten Stunde wurde das Set in zwei Teile gegliedert.

Zuerst einmal nimmt man sich die jüngsten Stücke vor, wobei der Fokus mit drei Liedern klar auf dem aktuellen sowie großartigen "In Times" liegt. Die sehr voluminös abgemischten Tracks des Longplayers kommen hier ein wenig rauer rüber, vor allem die Rhythmusfraktion ist wesentlich dominanter und kann einige Akzente setzen. Das zeigt einerseits die rohen Wurzeln der Formation, dennoch wurde alles sehr sauber und differenziert eingefangen. Verantwortlich dafür Ivar Sandoy, der "Roadburn Live" im Solslottet Studio mischte und Jens Bogren, der im Fascination Street Studio für das Mastering zuständig war.

Trotz oder gerade wegen der direkteren Herangehensweise kommt "Death In The Eyes Of Dawn", der Beitrag vom "Riittiir"-Album nicht so sperrig rüber wie auf der im Studio etwas schwierigen Scheibe. Hier schlagen die Wogen, die in "Building With Fire" aufbranden, eher weichere Wellen, ziehen sich flächiger auseinander. Der Einstieg ging ohne nennenswerte Reaktion vonstatten, das Publikum hätte etwas lauter sein dürfen und auf Ansagen verzichtete die Band weitestgehend. Nur vor "Daylight" erhebt Sänger Grutle Kjellson das Wort, um die Gäste von SOLSTAFIR oder WARDRUNA vorzustellen, die sie bei den Chören unterstützen.

Leider fehlen Beiträge von den stärksten Alben "Ruun", Vertebrae" und "Axioma Ethica Odini", mit denen ENSLAVED ihren Stil definierten, dafür gibt es von den Vorgängeralben der Übergangszeit je eine Nummer. Die Kompositionen zeigen sich noch nicht ganz so fein ausbalanciert, die Einflüsse sind offensichtlicher und noch nicht so gut ins Gesamtbild eingefügt. Klassische Progzitate treffen auf derbe Schwärze, die orientalischen Skalen sind ebenso Zukunftsmusik wie die jazzigen Anklänge. Dennoch wird der Unterschied auf der Bühne nicht so deutlich wie auf den jeweiligen Tonträgern, die Handschrift ist auch hier klar erkennbar.

Zu den angesprochenen Referenzen zählen sicher PINK FLOYD, welche in "Conyoys To Nothingness" und "As Fire Swept Clean The Earth" zum Vorschein kommen. Ersteres ist sehr schwelgerisch und psychedelisch, wenn auch immer wieder von harten Passagen unterbrochen, in denen sich auch Cato Bekkevold bei Blasts austoben darf. In zweitgenanntem Stück klingen die Keyboardflächen recht konventionell und sind nicht so in den eigenständigen Kontext eingearbeitet wie zuletzt. Wie sich das Tastenspiel bei der Band entwickelt, bleibt abzuwarten, Herbrand Larsen ist ja ausgestiegen, das vorliegende Dokument ist die letzte Aufnahme mit ihm.

Gänzlich ohne Tasten kommt der Titeltrack von "Isa" daher, hier liefert man Black´n´Roll wie man ihn ähnlich zuletzt von den Kollegen von SATYRICON zu hören bekam. Rockig wird es auch bei der ersten Coverversion, welche die Herren aufgenommen haben, und bei der sie von Menno Gootjes der Niederländer FOCUS unterstützt werden. Mit "Immigrant Song" von LED ZEPPELIN war die Wahl eher überraschend, doch nicht nur wegen der psychedelischen Coda machen sie daraus etwas völlig Eigenständiges.
Nicht nur hier zeigt sich das großartige Zusammenspiel einer Formation, die dort in einer bestechenden Form, vielleicht auf dem Zenit war. Mühelos gleitet man durch sämtliche Stilistiken und präsentiert das Gebräu unglaublich tight und versiert. Trotz wenig Kommunikation ist auch die Energie hinter dem Gig zu spüren, ENSLAVED vereinen Kraft und Musikalität wie sonst kaum jemand. Es wurde Zeit, dass dies für die Nachwelt festgehalten wurde, das steigert die Vorfreude auf das kommende Output. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer8,0 8 / 10


Anzahl der Songs:8
Spielzeit: 64:44 min
Label: Norse Records/Roadburn Music
Veröffentlichungstermin: 19.05.2017

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