forallweknoe takemehomeDass ein Soloprojekt eines durchaus bekannten Musikers nicht automatisch große öffentliche Beachtung bekommt, darüber kann Ruud Jolie, einer der Gitarristen von WITHIN TEMPTATION, ein Lied singen. Vor inzwischen sechs Jahren veröffentlichte er unter dem Banner FOR ALL WE KNOW sein Solodebütalbum, welches ich seither vermutlich gar nicht mehr gehört habe, das sich aber trotzdem einen bleibenden Platz in meinem Gedächtnis erwerben konnte. „For All We Know“ hatte damals alles, was ein spannendes und künstlerisch wertvolles Album haben muss und so sehr ich auch WITHIN TEMPTATION, die Band mit der Ruud seinen Lebensunterhalt verdient, so dass er sich locker auch ein solches Projekt leisten kann, mag, da wo Sharon Den Adel und Robert Westerholt halt Popmusik sind, da tendiert Ruud ins progressive, ins anspruchsvolle Metier.

Das alleine ist bereits Grund genug, sich auch intensiver mit seinem zweiten Soloalbum zu beschäftigen, das mir, Ruud sei Dank, auch bereits seit vielen Wochen zur Verfügung steht, so dass ich es hören, und hören und hören konnte, wann immer ich wollte. Solche Soloprojekte sind ja meistens eher unnötig und gehen oft in Richtung Selbstdarstellung oder dienen dem Zeitvertreib von Künstlern, bei FOR ALL WE KNOW sieht die Sache anders aus, weil Ruud etwas völlig anderes macht als mit WITHIN TEMPTATION und bei diesem Projekt auch eher den anderen beteiligten Musikern den Vortritt lässt.

Interessanterweise ist die Band, bestehend aus Leo Margarit (PAIN OF SALVATION), Kristoffer Gildenlöw (Ex-PAIN OF SALVATION), Marco Kuypers, Thijs Schrijnemakers und Sänger Wudstick die gleiche wie beim Debüt, für sein Zweitwerk „Take Me Home“ hat sich Ruud Jolie aber deutlich weniger Gäste ins Studio geholt, lediglich Anneke van Giersbergen ist beim Song „We Are The Light“ zu hören, auf Leute wie Richie Faulkner, Damian Wilson, Sharon Den Adel oder Daniel Gildenlöw muss man dieses Mal verzichten und das ist eine gute Sache, denn so kommt der eigentliche Charakter dieser Band noch deutlich besser zum Vorschein.

In meinem Text zum ersten Album habe ich Vergleiche zu Bands wie ANATHEMA, PAIN OF SALVATION und RIVERSIDE gezogen und diese sind auch heute noch gültig. „Take Me Home“ fällt im direkten Vergleich stimmungsmäßig etwas positiver aus als das 2011er Album, verfügt aber immer noch über eine ordentliche Portion Melancholie und Nachdenklichkeit. Fröhliche Songs würden zu einem Sänger wie Wudstick vermutlich auch gar nicht passen, dessen leidenschaftlicher und klarer Gesang ein ganz wesentlicher Baustein für die Klasse (auch) dieses Albums ist. Ein großartiger Sänger, das kann man gar nicht oft genug wiederholen.

Das Songwriting bewegt sich bei „Take Me Home“ durchweg auf einem sehr ordentlichen Niveau, hatte man beim Debüt mit „Blind Me“ und „Keep Breathing“ noch zwei alles überragende Songs dabei, so ist dieses Mal alles etwas ausgeglichener. Am nächsten kommt diesem Level noch das bereits erwähnte Duett „We Are The Light“, einer der härteren Songs des Albums, ich will aber eigentlich gar nicht einzelne Stücke großartig separieren, weil „Take Me Home“ einen als Hörer im Grunde genommen von Anfang bis Ende begeistern kann und das sind die perfekten Schlussworte für diese Rezension. (Maik)

Bewertung: 

Maik 20168,5 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 53:29 min
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichungstermin: 08.09.2017

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