Eternity Magazin

live_20081127_00.jpgSeit einiger Zeit tummeln sich verschiedene "Feste" im jährlichen Konzertkalender, die alle ein spezielles Publikum bedienen: das Heidenfest, Paganfest und nicht zuletzt das Metalfest. Letzteres mag zwar sehr allgemein klingen, doch richtet sich das Metalfest auch in seiner 2008er Ausgabe wieder an die Fans der extremeren Gangart. Die US-Death-Metal Größe MORBID ANGEL tingelt derzeit mit anderen Großkalibern wie KATAKLYSM, MARDUK und KEEP OF KALESSIN durch die deutschen Lande und startete die Tour in unserem nasskalten Saarbrücken.

Mit fünf Bands kratzt die Tour allerdings wieder an der Schmerzgrenze, was Spielzeiten der Bands und Gesamtdauer des Events angeht. So entern pünktlich um 18 Uhr die US-Deather ARSIS die Bühne, um ihren Auftritt vor leider noch stark gelichteten Reihen zu beginnen. Dennoch Überraschung Nr. 1 des Abends: Der moderne Death Metal der Amerikaner geht unheimlich gut ins Ohr, technisch über jeden Zweifel erhaben und immer mal wieder mit ein wenig Frickelei an der Gitarre gewürzt. Zwar braucht das Publikum erst eine ganze Weile, bis es mit der noch unbekannten Band warm wird, aber schon nach einer Weile erntet die ausgewogene Mischung aus Technik und brachialer Härte lauten Applaus, worüber die Band sich selbst bei ihrem Deutschland Debüt sichtlich freut. Sehr sympathischer Haufen, der sich auch im weiteren Verlauf des Abends unter das Volk gemischt hat.

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Danach folgen mit KEEP OF KALESSIN die ersten Skandinavier in dem doch Nord-Amerika-lastigen Package. Die Norweger haben (zumindest in der Garage) scheinbar ständig unter einem unfähigen Soundmann zu leiden, so dass der komplexere Black Metal der Truppe um SATYRICON-Gitarristen Obsidian C. nicht die volle Wirkung entfalten kann. Trotzdem sorgt die Band reihenweise für offene Münder: Technisch perfekt, agil und hochmotiviert feuert die Band ein progressives Black Metal Feuerwerk ab, das sich über die komplette Schaffenszeit der Band bis hin zum aktuellen Album "Kolossus" erstreckt. Tolle Band, die in Zukunft einen wesentlich höheren Platz im Billing mit längerer Spielzeit verdient hat!

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Die Schweden von MARDUK spielen danach ihre zwei Songs im scheinbar zufälligen Wechsel: den schnellen und den langsamen. Ja, der Gag ist wahrhaft ein Klassiker, bei MARDUK aber immer wieder angebracht. Die Band ist live eigentlich eine Dampfwalze und Sänger Mortuus ist auch ein größerer Hassbolzen als der doch sehr bewegungsfreudige Legion und bringt den hasserfüllten Black Metal der Schweden noch besser rüber. Dennoch: Der Gitarrensound gleicht einem statischen Störgeräusch und der tierische Hall auf Mortuus Stimme klingt, als würde der Sänger aus dem Jenseits zu uns rüberkreischen. Cooler Effekt, geht mir nach einer Weile aber gehörig auf die Nüsse, so dass sich der Auftritt von MARDUK nach und nach wie Kaugummi zieht. Cool ist dagegen das stellenweise Rock'n'Roll-lastige Posing von Gitarrist Morgan. Der reisst es aber leider auch nicht raus...

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Ganz anders dann KATAKLYSM: Der "Northern Hyperblast" der Kanadier kursiert von Platte in Sachen Kopfweh-Faktor dicht hinter KRISIUN, womit wir aber auch bei Überraschung 2 des Abends wären: Live fetzt der Sound dagegen wie Sau und bläst nicht zuletzt auch durch die perfekt abgestimmte Lightshow alles weg - inkl. der Erinnerungen an den Grottensound von MARDUK zuvor. Hölle was ein Brett! Routiniert zocken sich die Kanadier durch ihr Programm und sorgen neben den Songs vom aktuellen Album "Prevail" besonders mit Hämmern wie "In Shadows And Dust" oder "As I Slither" für mächtig Reaktionen vom Publikum bzw. Bewegung im Pit. Super Sache und zu keinem Moment langweilig, was auch ein großer Verdienst von Fronter Maurizio ist, der neben seiner Präsenz auch ein unheimlicher Sympathieträger ist und das Publikum auch während den Songs unaufhörlich anfeuert. Kein Wunder, dass sich KATAKLYSM so zum heimlichen Headliner der Tour entwickeln.

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Die Umbaupause vor MORBID ANGEL entwickelt sich dann zur unerträglichen Hardcore-Techno-Party: Keine Ahnung, wer den Mist zu verantworten hat, nicht wenige im Raum atmen aber sichtlich erleichtert auf, als MORBID ANGEL dann endlich mit dem Doppelpack "Dawn Of The Angry" und "Where The Slime Live" loslegen. Fronter David Vincent im obligatorischen und zu engen Lack-Leibchen führt wieder charismatisch wie eh und je durch die Songs und zieht neben Gitarrenheld Trey ausnahmslos die meisten Blicke auf sich. Im Gegensatz zu den Sommerfestivals hat es inzwischen mit "Bil Ur-sag" auch ein Song der Non-Vincent-Ära in die Setlist geschafft, ansonsten beglückt man das Volk aber mit dem Programm bis einschließlich "Domination" und auch dem neuen Song "Nevermore" der auf ein baldiges neues Album hoffen lässt. Gewohnt starke Show der Amis, leider etwas zu kurz geraten, so dass MORBID ANGEL trotz Überziehen der 23:00 Uhr-Deadline nicht das volle Programm spielen können. Schade, aber insgesamt ein klasse Abend! (Mika)

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Weitere Bilder findet Ihr wie immer in unserer Galerie. Alle Bilder von Ryka.

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