live 20170920 edguy tourplakat„25 Years The Best Of The Best“, unter diesem Motto tourten EDGUY im September und Oktober durch die Lande, um nicht nur ihr silbernes Jubiläum zu feiern, sondern auch um nach einer längeren Pause wieder den Namen EDGUY ins Bewusstsein der Metalheads zu rücken, der zunehmend dem Projekt und der Marke AVANTASIA Platz zu machen hat; aber das ist eine andere Geschichte. 25 Jahre EDGUY bedeutet für mich persönlich dann in etwa 20 Jahre Heavy Metal, im Sommer 1997 ging’s los und „Vain Glory Opera“ (1998) und „Theater Of Salvation“ (1999) sollten Alben sein, die mich fortan über Jahre begleitet haben.

So eine „Best Of“-Tour kann auch eine schöne Sache sein, da die spielende Band niemandem etwas beweisen oder zwanghaft versuchen muss, neue Stücke in ein Liveprogramm zu integrieren, beim Support THE UNITY sieht das etwas anders aus, der GAMMA RAY Ableger hat seit ein paar Monaten sein Debütwerk draußen und versucht nun hierfür die Werbetrommel zu rühren, was passt da besser als einige Supportshows für EDGUY!?

THE UNITY
Auf die Band aus Norddeutschland habe ich mich dann tatsächlich auch gefreut, denn dieses schlicht „The Unity“ benannte Album ist echt ein Highlight des melodischen Heavy Metals geworden, aber wie das eben so ist, wenn man sich freut, kann man auch enttäuscht werden.
Ok, den ersten Song habe ich verpasst, aber die gut 30 Minuten, die ich mitbekommen habe, haben ausgereicht, um zu erkennen, dass THE UNITY live noch nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellt. Klar, es gab nach den Songs Applaus, das war’s dann aber auch schon wieder, den meisten Zuspruch gab es dann auch für das GAMMA RAY Cover „Send Me A Sign“, das aber auch nicht ganz rund klang.

Dabei haben die beteiligten Musiker sicherlich einiges drauf, negativ fielen vor allem diese Dinge auf. Der Sound war zu leise und das ist normalerweise etwas, was ich so gut wie nie zu bemängeln habe, das nahm etwas den Druck aus den Songs, die sowieso recht steril wirkten, weil der Keyboarder nicht mit an Bord war. Auffallend war aber vor allem, dass die Songs live nicht die gleiche Wirkung entfalten können wie auf Platte, weil Sänger Giamba Manenti einen gebrauchten Tag erwischt hatte. Das hoffe ich zumindest für ihn, denn wenn der Gesang von ihm live immer so klingt wie an diesem Mittwoch Abend, dann muss ich wohl sagen: Gute Nacht für diese Band.
„God Of Temptation“ ist zum Beispiel ein richtig geiles Stück, enorm kraftvoll, episch, Giamba versucht hier wie eine Mischung aus Jorn Lande (Ex-MASTERPLAN) und Russell Allen (SYMPHONY X) zu klingen, live ging das aber total in die Hose, weil er hier maximal nur 50 Prozent von beiden erreichte.
Wenn man die Studioversionen der Songs im Kopf hat, war das wirklich ein Trauerspiel, wenn man von der Band bis dato noch nichts gehört hatte, wird man zumindest anerkennen können, dass die Songs echt in Ordnung sind, auch wenn ich gerne noch „Killer Instinct“ gehört hätte. Und warum der Sänger bei einem überwiegend deutschen Publikum auf englische Ansagen setzte, muss man auch nicht verstehen. Wie auch immer, in der Theorie schienen THE UNITY ein super Support zu sein, in der Praxis waren sie es dann doch nicht, auch die Tatsache, dass man gerade einmal nur 7 Songs spielen durfte, wirkt etwas befremdlich.

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EDGUY
Etwas anders liegen da schon die Dinge bei den Hessen, die ihre Fans im Anschluss erst einmal 45 Minuten warten ließen und schaute man dann auf die Bühne stellte man fest, dass sich die Band in Sachen Bühnendekoration recht spartanisch, um nicht zu sagen, geizig präsentierte. Und um das Fazit vorwegzunehmen und ohne diese Band jetzt allzu sehr kritisieren zu wollen, es wird in allen Belangen und von Mal zu Mal deutlicher, an den Punkten, wo AVANTASIA etwas wirklich großartiges und bombastisches auf die Bühnen bringen, da sind EDGUY irgendwie lediglich nett.

Dass man als Fan der Band trotzdem einigermaßen zufrieden nach Hause geht, liegt dann eben vor allem daran, dass EDGUY Shows einfach gute Laune machen, auch weil Tobias Sammet im Laufe eines Abends eine Menge dummes Zeug labert, sich dabei aber nicht zu schade ist, auch mal in die Fettnäppchen zu treten und Buße zu tun, zum Beispiel darüber, dass er augenscheinlich bei der diesjährigen Wacken Open Air Show mit AVANTASIA das Publikum in Saarbrücken vor laufenden Fernsehkameras pauschal „gedisst“ hat. Der genaue Wortlaut entzieht sich meiner Kenntnis, da ich mir keine Livestreams von Festivals anschaue, jedenfalls war Tobias Sammet sichtlich bemüht, so oft es ging, klar zu machen, wie geil es denn gerade in Saarbrücken ist.
Dazu passt dann, dass Tobias Sammet, authentisch und symphatisch wie er ist, es sich nicht nehmen ließ, während der Show kurz ins Publikum zu gehen, um einem jungen Bub ein Plektron in die Hand zu drücken. Schon etwas seltsam, wenn man in die Musik versunken ist und man sich plötzlich fragt, warum da gerade einer mit völlig verschwitzten Haaren an einem vorbeigehuscht ist, um dann festzustellen, dass das der Tobi war, dessen Bühnenoutfit einmal mehr den Eindruck erweckte, als würden EDGUY gerade ein Open Air in Sibirien spielen.

Zurück zur eigentlichen Show, muss man als Fan der Band und als Zuschauer anerkennen, dass EDGUY genau das geliefert haben, was sie angekündigt haben, eine „Best Of“-Show, nicht mehr und nicht weniger. Ich meine, dass kann man jetzt zugleich positiv und negativ sehen, einerseits war die Show zu keiner Sekunde langweilig und erreichte auch mit knapp 100 Minuten die normale EDGUY Länge, andererseits bot die komplette Setlist aber auch so überhaupt keine Überraschung, man hat noch nicht einmal einen der neuen Songs der „Monuments“ Best-Of Scheibe gespielt, geschweige denn irgendetwas spezielles von „Savage Poetry“ oder „Kingdom Of Madness“. Also irgendetwas, wo der Insider der Band sagen kann, wow, damit hatte man nicht gerechnet.

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Man kann auch sagen, in dieser Hinsicht war diese aktuelle Tour der EDGUY Jungs in etwa so vorhersehbar, angepasst und langweilig wie der gerade zu Ende gegangene Wahlkampf in der Bundesrepublik Deutschland. Die 14 gespielten Songs waren am Ende ein klassisches Nummer-Sicher-Programm. Das ist natürlich nicht falsch, denn ich kann jetzt auch nicht sagen, auf welche der gespielten Songs die Band hätte verzichten sollen, ganz im Gegenteil, dass man mit dem Longtrack „The Piper Never Dies“, das Beste IRON MAIDEN Stück der letzten 15 Jahre, nicht aus dem Programm gestrichen hat, war eine Wohltat für die Ohren. Die Lösung kann hier nur in dem eingangs getroffenen Vergleich mit AVANTASIA liegen. Wenn EDGUY zukünftig parallel zu AVANTASIA noch richtig ernst genommen werden wollen, dann müssen sie eigentlich mehr liefern und das können sie, wenn sie es denn wollten. Warum nicht das Motto „25 Years – 25 Songs“?

Nach diesem kleinen Exkurs in Sachen Kritik, bleibt trotzdem festzuhalten, dass die Band vieles auch richtig gemacht, ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, dass bei einer EDGUY Show in Saarbrücken vorher einmal eine bessere Stimmung vorherrschte als bei dieser, eben weil die kleinen Anekdoten und die Selbstironie das Geschehen auf der Bühne enorm auflockerte und wenn es sich die Band leisten kann mit „Vain Glory Opera“ eine der ultimativen Bandhymnen gleich als zweite Nummer zu bringen, dann sagt das auch schon viel über das Selbstverständnis und das Selbstvertrauen der Band aus.

Da bleibt zu hoffen, dass EDGUY und AVANTASIA auch in Zukunft weiter das Saarland beehren werden, wenngleich der Zuschauerschnitt in Saarbrücken erneut eher unter dem Durchschnitt liegen dürfte, im Gegensatz zu den meisten anderen „Monuments“ Shows war diese hier nicht ausverkauft, für den Zuschauer definitiv ein Vorteil, denn so hatte man stets genügend Platz das Konzert zu genießen und ein Sonderlob gibt es dann auch abschließend noch für den Sound bei EDGUY, nicht zu laut, nicht zu leise, so stellt man sich das vor. (Maik)

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