20161112 kadavar wucanIch bin dieses Jahr schon durch halb Europa gereist um WUCAN zu erleben, spüren und sogar im Auftrag zu filmen. Eigentlich sollte das letzte Konzert der Herbsttour für mich in der Schweiz im Böröm-Pöm-Pöm (geiler Name) stattfinden, jedoch sagt mir der Geldbeutel was anderes, weil Schweiz halt. Der nächste machbare Termin wäre also Münster. Ich war so fixiert auf WUCAN! Mir war doch tatsächlich entgangen, dass dort in der Sputnikhalle KADAVAR Headliner sind.
Cool, KADAVAR hatte ich auf dem Rock Hard-Festival das letzte Mal am helllichten Tage erleben können. Da wird es Mal wieder Zeit für einen schwitzigen Gig in einem schummrigen Klub.

Also ganz entspannt an einem ruhigen Samstag Morgen mal in vier Stunden nach Münster fahren, sollte ja kein Ding sein. Aber wie immer vergesse ich die anderen Autofahrer auf der Strecke und so werden es ein „paar Minuten“ mehr.
Nach dem Einchecken in einem netten Landhotel außerhalb (hallo, die ist echt ganz schön die Gegend hier!) und einer Runde Ausspannen, machen wir uns auf den Weg zur Sputnikhalle. Natürlich verfahren wir uns trotz Navi in diesem Strassengewirr, jedoch führt der Weg zur Halle tatsächlich am zeitgleich stattfindenden Parteitag der Grünen in der Kongresshalle an der Ecke vorbei.
Also wenn wir das gewusst hätten. Schon lustig, dass KADAVAR optisch ja an die Anfänge der Grünen erinnern, was ist mit dieser Hoffnung auf eine Alternative nur passiert? Ach, lassen wir das!

An der Halle angekommen, lungern in der kühlen Luft schon einige Besucher vor dem Eingang herum. Es sind Anfangs wirklich nur wenige, sodass ich auf einen dürftig besuchten Abend tippe. Weit gefehlt, wie sich später zeigen wird. Der Einlass klappt hervorragend flott und unkompliziert, da das KADAVAR-Tourmanagement so freundlich war meine Akkreditierung am Eingang zu hinterlegen. Also erstmal orientieren.
In der Sputnikhalle selbst gibt es noch einen etwas größeren Nebenraum, in dem gerade alles mögliche an Technik und Equipment liegt. Außerdem hat STRAY TRAIN ihren Merchstand hier eingerichtet, der jedoch kaum Beachtung findet (dazu später mehr). Eine kleine Küche gibt es auch. WUCAN erzählten mir später, dass sie hier in dem Raum das erste Mal in Münster vor tollem (oder vollem? ;) ) Publikum gespielt hatten. Im Vorraum direkt nach dem Eingang ist der Merchbereich von KADAVAR aufgebaut, welcher im Vergleich zum Stehtisch von WUCAN, nach Galeria Kaufhof aussieht. Die Dame am Merch von KADAVAR ist übrigens die Freundin von „Tiger“, welche, wie ich später von Francis erfahre, auch seine Bühnenklamotten entwirft (meine Frage warum ihre Jacke aus grauem Fell besteht wird mit „das ist von alten Menschen“ beantwortet – ah ja) und auch die von Elin. Halt, welche Elin? Die Sängerin von den BLUES PILLS natürlich. Ach, bin ich so unwissend. Naja, jedenfalls bekommt Francis auch ein Kleid von ihr verpasst (was eigentlich für Elin gedacht war), dessen Anprobe ich vor lauter Fotomacherei in der Halle natürlich verpasse. Ich werde es sicher mal auf der Bühne in Action sehen.

So genug von Mode, ab in die Halle, in der im hinteren Bereich ein riesiger Hai von der Decke baumelt. Dafür ist die Bühne zum Zuschauerraum hin sehr eng und voll gestellt mit Monitoren. Na das kann ja lustig werden da zu fotografieren, ohne Leuten auf den Sack zu gehen. Vor der Bühne lauern schon ein paar hungrige Zuschauer und ich komme zufällig mit einem von ihnen ins Gespräch, welcher sich auch als beinharter WUCAN-Fan entpuppt. Aber nicht nur er, sondern eigentlich fast alle in der Ecke sind wegen WUCAN hier. Doch jetzt gehts erstmal los mit STRAY TRAIN.

STRAY TRAIN

Die Burschen aus Ljubljana, Slowenien, unterstützen KADAVAR und BLUES PILLS auf deren Europatournee. Und sie wirken so Schwiegermutti-gerecht brav. Ich denke, die spielen Rockmusik? Kommen nicht aus der Hüfte und besitzen keinen Wiedererkennungswert, sind selten einständig oder herausragend und die rauhe Atmosphäre des im Sommer erschienen Debütalbums „Just ‘cause you got the monkey off your back doesn’t mean the circus has left town” ( was soll dieser Albumtitel überhaupt, wer hat den längsten?) ist nur ansatzweise vorhanden. Ja gut, STRAY TRAIN können gut posen, jedoch bleibt es für mich Staubsaugervertreter-Bluesrock, der gut zu Stadtfesten passt und keinem wehtun will.
Das einzig gute Lied „Can't buy Happiness (...not even in December)“, welches so herrlich nach ALICE IN CHAINS klingt, haben sie natürlich nicht gespielt. Naja zum Warmschießen hat es gereicht und die Vorfreude auf WUCAN wächst mit jeder Minute. (Andreas)

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WUCAN

Da BLUES PILLS heute am Weissenhäuser Strand beim Metal Hammer Paradise gastieren, rutschten wohl WUCAN in die engere Auswahl. Was zum einen mich total freut und zum anderen sich auch der Cheffe Maik im letzten Review beim KADAVAR-Gig in der Garage Saarbrücken gewünscht hatte.
Die immer zahlreicher werdenden Besucher haben es sich wohl auch gewünscht und schnell wird es sehr eng vor der Bühne.
Die Band steigt in einem Sound-Wirrwar aus Kabelbruch und Wackelkontakt wie so oft in „King Korea“ ein. Ich mag das immer wieder genau so, denn ein WUCAN Konzert schwillt im Verlauf kraftvoll mal bis zur Ekstase an, klingt dann wieder kurz ab, entspannt sich in psychedelischen Spähren bewegend, um dann gegen Ende mit „Wandersmann“ nochmal so richtig zum Höhepunkt zu kommen. Musikalischer Sex sozusagen und geblasen wird auch noch – in die Flöte! Zwischendrin ein unbekannter neuer Song der so vielschichtig ist, dass man nicht so recht hinein findet. Die Band ist mittlerweile so gut aufeinander eingespielt, dass der Gig immer wie aus einem Guss wirkt. Das Publikum belohnt das mit heftigem Jubel und Applaus, was Francis zu weiteren orientalisch anmutenden Hüftbewegungen animiert, während sie mit ausladenden Handbewegungen das Energiefeld zwischen den Polen des Theremins durchschneidet.

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Während die Saitenfraktion, bestehend aus Gitarrist Tim und Basser Patrik, sich wie in Trance wiegt, hält Schlagzeuger Phil mit präzisen Taktschlägen von hinten ins Genick die Band davon ab völlig auseinander zu driften. Zwischendrin ein paar Züge Kräuterschnaps und die Stimme ist geölt und der Pegel wieder im Lot.
Dass die Band auch verdammt heavy drauflos rocken kann, beweisen sie mit den Songs „Owl Eyes“ und Father Storm“ bei denen das Publikum, von hinten gesehen, als eine Masse aus Armen und Köpfen im Takt wabert. Für ein Zugabe ist heute leider keine Zeit. Hätte sicher dem ein oder anderen gut gefallen, wenn die Dresdner noch ein paar Songs mehr gezockt hätten. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Ich war dieses Jahr schon bei einigen Auftritten und kann WUCAN attestieren, trotz den kräftezehrenden Touren, ein unvergleichliches Liveerlebnis für jeden Musikfan zu bieten.
Der Sound hätte heute besser sein können, aber vermutlich gibt die, bis auf Bühne und Theke, ansonsten kahle Sputnikhalle nicht mehr her.(Andreas)

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KADAVAR

„Habt ihr Bock?“ ist wohl mittlerweile DER einleitende Spruch von „Lupus“ bevor mit „Come Back To Life“ die Band losdonnert. Der Laden ist nun krachend voll mit Publikum!
Hatte ich Anfangs erwähnt, dass nur wenig Leute vor der Halle standen und ich einen lauen Abend befürchtete? Ich bin zeitweise ziemlich eingequetscht und dank der netten Leute in der ersten Reihe konnte ich überhaupt ein paar Fotos machen. Als ich mich dann zum Verschnaufen nach draußen schlängle, werde ich unsanft drauf hingewiesen, dass das jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist.
Wie beim Hindernisparcours gilt es Titten, Ellenbogen und Bierbechern auszuweichen.
Wenn ich bei KADAVAR keinen Platz habe, um mal angemessen die Haare zu schütteln, gucke ich mich halt um und höre die Musik.
Kurzer Blick zum Merchstand von WUCAN, der von Leuten umlagert wird. Marktfrau Francis versucht alle Wünsche aufmerksam und freundlich abzuwickeln.
Ich bin eigentlich froh, dass vor der Halle auch noch Leute stehen, denn sonst wäre drinnen wohl gar kein Platz mehr. Mehr als 400 Tickets sollen verkauft worden sein, aber gefühlt war die Halle ausverkauft.

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Ich versuche nochmal zur KADAVAR-Show vorzudringen, aber bleibe seitlich der Bühne kleben. Durch den Zaun, der die Bühne von tollpatschigen Fans fernhält, sehe ich Bassist Simon sich im Takt vor und zurück wiegen, während „Tiger“ in typischer Manier auf sein Drumkit eindrischt. Da fliegt ganz schön was an Haaren, sowohl vor als auch auf der Bühne.
Phil von WUCAN sitzt seitlich von der Bühne im „Backstage“ und schaut „Tiger“ beim Trommeln zu – was Drummer halt so machen. Mein Blick fällt auf den Tourplan von KADAVAR, der gut sichtbar an einer der Boxen klebt und da steht mehrmals fett „WUCCAN“ - ah ja.
Wie schon bei WUCAN, wabert die Menge im Takt der Musik. Weiter hinten sieht man zwar nicht so viel, aber da ist mal Platz zum Atmen und taugt auch gut um Bilder von der Masse an Leuten zu machen, die gerne mal die Pommesgabel in die Höhe recken um KADAVAR zu feiern.
Ich finde das ja schon fast unmenschlich, wie die Herren bei dem Tourpensum immer bis zum Ende der Show alles geben. Sie sind immer in Bewegung und spielen ihr heftiges Zeug nicht einfach so runter. Da könnte sich manch eine Deathmetal-Band mal eine Scheibe von abschneiden.
„Creature Of The Demon“ bildet den vorläufigen Schlusspunkt der Show, jedoch gibts noch die Zugabe „Helter Skelter“ auf die Ohren. Ein Rundum-sorglos-Paket für alle Fans von Livemusik.

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Leider treiben sich KADAVER nicht draussen zwischen den Leuten rum. Eigentlich ist das in dem Bereich der Rockmusik nicht wirklich problematisch. Man bekommt höchstens mal als Gefühlsausbruch ein wenig zu heftig auf die Schulter geklopft. Kreischende Fanscharen sind nicht zu erwarten. Bei WUCAN sieht es wegen Francis da ein wenig anderes aus, aber auch die Jungs kommen auf ihre Kosten und haben Gespräche mit Fans und beantworten geduldig alle Fragen oder es wird sich einfach nur mal zugeprostet.
Ach ja, der Merchstand von STRAY TRAIN war dann auch verschwunden. Die haben sicher selbst gemerkt, dass das so nix wird. Zuhause beim Bildersichern musste ich mich jedoch kaputt lachen, denn vor lauter lauter, hab ich gar nicht so drauf geachtet, was ich da knipse. Hauptsache ein paar Impressionen. Aber zwei Leute von STRAY TRAIN standen bei einem Bild in der Tür und hielten CD und Vinyl hoch als wären sie bei den Zeugen Jehovas. Die taten mir irgendwie leid.
Ein wirklich ereignisreicher Abend von dem man noch lange erzählen wird.(Andreas)

(Fotos: Andreas/Wucarin)

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