20170207 TommyEmmanuel 00Als die für November geplanten Termine des Ausnahmegitarristen kurzfristig abgesagt werden mussten, nahmen es die Fans mit Fassung. Denn im Gegensatz zu manch anderen Künstlern wurden umgehend Ersatztermine bekannt gegeben. An einem nicht mehr ganz so kühlen siebten Februar ist es dann endlich soweit, TOMMY EMMANUEL beehrt die saarländische Hauptstadt in der ehrwürdigen Congresshalle.

Bereits vor Beginn des Konzertes ist die Vorfreude im Vorraum des großen Saales der Congresshalle deutlich zu spüren. Das letzte Konzert des australischen Ausnahmegitarristen liegt schon ein paar Jahre zurück, und seither hörte ich nur lobende Worte über seine Musik, sein Charisma und seine außergewöhnlichen Konzerte. Bis zuletzt war ich jedoch kritisch, ob mich reine Akustikmusik ein gesamtes Konzert lang begeistern kann. Nun kann ich alle Aussagen über diesen Mann auch persönlich bestätigen, es ist schlichtweg unglaublich, was er auf die Bühne bringt. Nicht nur das "Was", auch das "Wie" spielt hier eine sehr große Rolle, doch eins nach dem Anderen.

Pünktlich um 20 Uhr, nachdem ziemlich alle Plätze der Congresshalle belegt sind, kommt der Australier mit Begleitung auf die Bühne. Denn TOMMY EMMANUEL hat mit dem gerade mal zwölfjährigen Frano Zivkovic dieses mal einen "Special Guest" mit dabei. Diese Bezeichnung trifft in dem Fall tatsächlich den Nagel auf den Kopf. Der junge Gitarrist, der bereits mehrere Auszeichnungen erhalten hat, gilt in Kennerkreisen bereits als absolutes Ausnahmetalent. An diesem Abend kann er mit seinem großen Vorbild selbst die Bühne teilen; wie er im weiteren Verlauf noch betonen wird, fühlt sich das für ihn immer noch wie ein Traum an. TOMMY EMMANUEL stellt den Jungen mit den einleitenden Worten vor, dass dieser bereits mit seinen zwölf Jahren besser Gitarre spielt als Emmanuel selbst in dem Alter. Und das ist genau das was sich eingangs mit dem "Wie" meinte, Emmanuel ist grundsympathisch, bodenständig und zeigt keinerlei Starallüren. Es ist einfach schön zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit er Frano vorstellt und mit ihm ein paar Nummern gemeinsam auf der Bühne spielt. Dabei ist den beiden die Freude ins Gesicht geschrieben, und man kann gar nicht anders als selbst über beide Backen zu strahlen, wäre Musik doch immer so unbeschwert. Danach verschwindet Emmanuel und überlässt Frano für ein paar Songs alleine die Bühne.

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Frano zieht das Publikum bereits von der ersten Minute an in seinen Bann. Böse Zungen würden ihm hier vermutlich eine Art "Kinderbonus" nachsagen, doch das ist hier wirklich mehr als unpassend. Was dieser Wunderknabe aus seiner Gitarre rausholt ist einfach unfassbar. Noch dazu erzählt er ausführlich von der Inspiration für einige der gespielten Stücke ("The Lone Dragon"), was die ganze Angelegenheit noch mal zusätzlich interessant gestaltet. Ich hätte nicht wirklich damit gerechnet, dass mich der Special Guest für ein solches Konzert derart begeistern könnte. Diese Begeisterung teilen auch die anderen Konzertbesucher und applaudieren, was das Zeug hält. Ich bin gespannt, wohin die Karriere von Frano noch führen wird.

TOMMY EMMANUEL kehrt auf die Bühne zurück und beginnt sein Konzert mit einem Paukenschlag, bereits nach wenigen Minuten und Gitarrengriffen hat mich der Australier fest in seinem Bann. Die Zeit verfliegt, und der minimalistische Bühnenaufbau lässt auf das Wichtigste konzentrieren, die Musik. Diese ist derart besonders, dass man alles um sich herum vergisst. Minimalistisch ist für den Bühnenaufbau eventuell nicht das richtige Wort, viel eher ist es ein stark reduzierter Aufbau - die Gitarren, ein Stuhl, das Mikro, Monitorboxen und kleinere von Tommy benötigte Gitarrenutensilien. Viel mehr wird hier aber auch nicht benötigt, die Beleuchtung im Hintergrund trägt perfekt zur Stimmung bei; dass hier keine hydraulischen Bühnenelemente zum Einsatz kommen ist mehr als logisch und würde bloß ablenken. Viele der Anwesenden versinken in einer Art Trance, geben sich ganz der Musik hin und schließen dabei die Augen, ein für mich eher seltenes Schauspiel. Dann gibt es noch die Gitarrenfraktion, die ganz gespannt und zuckend dem Meister des Fingerpickings dabei zusehen, wie er Dinge auf seinem Instrument anstellt, von denen manch einer nicht zu träumen wagt.

Abwechslung bringen die lustigen Anekdoten aus der Karriere des Musikers "Mein Manager meinte, ich sollte mir eine Band suchen. Einen Sologitarristen schaut sich niemand an; meinen Manager habe ich daraufhin gefeuert, nun stehe ich hier". Dabei erzählt er die Geschichten in etwa so, als würde er sich mit einem guten Kumpel auf ein Bier treffen, immerzu mit einem Lächeln auf den Lippen. Nach einer kurzen "Pinkel"-Pause, wie Tommy sie selbst betitelt ("Ja, ich lerne ein bisschen Deutsch."), bekommt das Publikum noch einmal die volle Bandbreite. Tommy nimmt sich sogar die Zeit, das Stück "The Green Fiddler" für die Gitarrenfraktion in einer Art Master-Class ganz genau vorzustellen ("Ich bin kein Meister, aber ich hab Klasse" kommentiert er). Dies macht er derart genial, dass die Nicht-Gitarrenfraktion viel zu schmunzeln hat und die Gitarrenfraktion ganz genau hinhört. Hier wird tatsächlich jedes technische Detail erklärt, sogar ein Metronom imitiert er, wie zu erwarten in einer unglaublichen Leichtigkeit und mit viel Humor ("Wenn ich nächstes Mal hier bin kontrolliere ich, ob ihr alle geübt habt").

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Bevor er zu einer ausladenden Jam-Session ansetzt, spielt er, wie er selbst ausführlich erzählt, noch den letzten Song, den CHET ATKINS selbst mit ihm auf der Gitarre aufgenommen hat (Anm. d. R.: CHET ATKINS erlag 2001 einem langjährigen Krebsleiden) – ein wunderschönes Stück. Bei dem anschließenden Jam-Teil lässt Emmanuel seiner Kreativität freien Lauf, mischt Bekanntes mit Unbekanntem und zeigt, dass es auch auf der Akustik-Gitarre keine Grenzen gibt. Dies beweist er anschließend noch einmal mit einem Percussion-Solo auf der Akustikgitarre (!) "Macht das bloß nicht mit eurer Gitarre!" sind zu Beginn seine warnenden Worte. Auch die JOHNNY CASH-Nummer "Hurt" wird brillant präsentiert und begeistert. Für den Zugabenteil wird auch Frano noch mal auf die Bühne gebeten, und die beiden setzen dem Abend den perfekten Schlusspunkt. Etwas schade finde ich, dass Tommy seine grandiose Stimme leider nur selten zum Singen verwendet. Natürlich lebt seine Musik von den Instrumental-Stücken, aber der Gitarrist ist mit einem wahnsinnig guten Gesangsorgan gesegnet.

Ein unfassbares Erlebnis, das sicherlich jeden der Konzertbesucher begeistert hat. Eingangs wurde vom Ansager erwähnt, man solle doch bitte nicht während des Konzerts mit dem Handy filmen, das stört sowohl die Hintermänner als auch das Konzert-Feeling. Wahre Worte, die vom Publikum applaudierend angenommen werden. Überraschenderweise klappt dies sogar das gesamte Konzert über hervorragend. Abschließend mein Rat an alle, die bis jetzt nur namentlich mit TOMMY EMMANUEL etwas anfangen konnten: Schaut euch diesen Gitarristen bei der nächsten Gelegenheit live an! (Pascal)

(Fotos: Pascal, Titelfoto:Simone Cecchetti)

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