live 20170323 MySleepingKarma 00Es gibt Konzerte, bei denen man bereits vorher weiß, dass es fast unmöglich ist enttäuscht zu werden. Genau so fühlt es sich an, wenn ein Konzert von MY SLEEPING KARMA ansteht. Die Aschaffenburger sind gemeinsam mit den aus München stammenden COLOUR HAZE auf Double-Headliner-Tour, was könnte da schief gehen?

MY SLEEPING KARMA

Zwar kann hier nicht von „Schief gehen“ die Rede sein, doch war ich persönlich etwas überrascht, als MY SLEEPING KARMA als erstes die Bühne betraten. Pünktlich um 20 Uhr startete die Band mit ihrer atmosphärischen Musik, die jeden Zuhörer sofort aus dem Alltag zieht und abtauchen lässt. Ganz ähnlich dürfte es der Band ergehen, die bei ihrem 75-minütigen Set sichtlich Spaß hat. Besonders Bassist Matte kann sich zwischendrin nicht zurückhalten, lauthals ins Publikum zu rufen und lobende Worte für die mitgehende Menge zu finden.

Gitarrist Seppi ist ganz in seinem Element und setzt jeden der deutlich zu hörenden Gitarrentöne zielgenau, so und nur so hat derartige Musik zu klingen. Wenn es eine Band schafft ohne Gesang für 75 Minuten einen Konzertsaal im Griff zu haben, dann macht sie alles richtig. Und da gibt es überhaupt keine Widerrede, denn etwas Derartiges können nur wenige Bands von sich behaupten. Natürlich kann ich es dennoch nachvollziehen, wenn einigen der Gesang bei den Nummern fehlt. Für mich macht es jedoch diesen einzigartigen Psychedelic-Rock aus, der vollständig instrumental daher kommt.

Die Band bildet auf der Bühne deutlich sichtbar eine eng verschmolzene Einheit. So grinst sich Schlagzeuger Steffen durchgehend einen ab, und Norman an den Keys/Soundboard ist völlig vertieft, blickt aber dennoch hin und wieder in die Menge. Dabei ist ihm anzusehen, dass er sich über die Reaktionen tierisch freut. Generell ist das Saarbrücker Publikum sehr erfreut über den Besuch der Aschaffenburger und feiert jeden Song. Als nach 75 Minuten Schluss ist, gibt es entsprechend lange Zugaben-Chöre. Diese muss Basser Matte leider abwehren, da es das Konzept der Tour nicht erlaubt Zugaben zu spielen. Damit es fair bleibt, steht jeder Band ein volles Set zu. Gute Ansage, der es nichts zu entgegnen gibt, schön zu sehen dass sich die beiden Bands fair behandeln und das Publikum nicht einfach stehen gelassen sondern darüber informiert wird. Sonst wäre später geschrien worden „MY SLEEPING KARMA spielen keine Zugaben!“.

 

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COLOUR HAZE

Nach der Umbaupause haben es COLOUR HAZE zunächst schwer, die Menge für sich zu gewinnen. Zwar gibt es in den ersten Reihen viele Fans, die jeden Song mitfeiern, dennoch haben sich die Reihen deutlich gelichtet. Eventuell wäre es hier wirklich besser gelaufen, wenn COLOUR HAZE zuerst auf die Bretter gestiegen wären. Wobei ich damit keinesfalls eine schlechte Wertung über die Band abgeben möchte.

Das Trio, bestehend aus Gitarrist Stefan Koglek, Bassist Philipp Rashofer und Schlagzeuger Manfred Merwald, hat sichtlich Spaß auf der Bühne und gibt von der ersten Sekunde an alles. Dennoch fällt auf, dass die Band eine ganz andere Live-Aura freisetzt wie zuvor MY SLEEPING KARMA. Die Band ist eher zurückgezogen und agiert weniger mit dem Publikum. So abwesend und ernst wie Gitarrist und Sänger Stefan während der Songs wirkt, so nett und aufgeschlossen klingen seine Ansagen. Zunächst erscheint das etwas merkwürdig, doch letzten Endes überzeugt die Band schließlich mit ihrer Musik, und die ist bei COLOUR HAZE absolut außergewöhnlich. Man muss dazu allerdings offen sein, denn die einzelnen Songs bieten wenige Hooklines und zum Teil längere Passagen, in denen sich Stefan dem einen oder anderen Solo hingibt.

Diese klingen immerzu genial und passen perfekt zum Psychedelic-Rock der Münchner. Ich würde einige Songs fast schon Jazz-ähnlich bezeichnen, und eventuell liegt da auch mein Problem mit der Band, denn ein großer Jazz-Fan war ich noch nie. Doch das ist meine persönliche Sache, die Band spielte ein sehr gutes Konzert, und die Fans in den ersten Reihen freuten sich einen Ast ab. Besonders hervorzuheben ist noch der wahnwitzige Sound, wenn ich es nicht anders wüsste, würde ich diesen tatsächlich als eine kleine „Wall Of Sound“ bezeichnen. Die Amps und Boxen von Gitarrist Stefan und Basser Philipp machen bereits optisch einiges daher, der Gitarrensound ist dafür umso umwerfender. Ich habe selten etwas derart Direktes und Rohes gehört. Wirklich sehr cool und absolut außergewöhnlich. Schade nur, dass sich die Halle bereits merklich geleert hatte.

Ein sehr gelungenes Konzertpaket, das sicherlich jeden Fan zufriedengestellt hat. Über die Reihenfolge der Bands lässt sich gewiss streiten, letzten Endes hat das aber überhaupt nichts mit dem großartigen Gesamtpaket zu tun. Ein sehr gelungener Abend. (Pascal)

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(Fotos: Andreas)

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