ten gothicaDer Weg des italienischen Vorzeigelabels Frontiers ist eng mit den britischen Melodicrockern verbunden. Schließlich waren es Liveaufnahmen, die Serafino Perugio seinerzeit unbedingt veröffentlichen wollte, so dass „Never Say Goodbye“ heute die Katalognummer Eins ziert. Während die Plattenfirma seitdem von Erfolg zu Erfolg eilt, stagnierte die Karriere von TEN zunehmend. Ein paar Mal trennten sich die Wege, die letzten drei Veröffentlichungen erschienen beim kleinen Rocktopia Records, doch nun ist die Formation zurück im Heimathafen. Bei allen geschäftlichen Veränderungen gelang es dieses Mal die Besetzung zusammen zu halten. Was hat sie zwei Jahre nach der letzten EP „Dragon And Saint George“ mit „Gothica“ als Geschenk zur Wiedervereinigung mitgebracht?

Dem Anlass entsprechend gar kein so freudiges Werk, denn meist war man ja recht sonnige Klänge von Gary Hughes und seinen Mannen gewohnt. Doch wie der Titel schon andeutet, geht man ungewohnt düster zu Werke, zumindest für die eigenen Verhältnisse. Will heißen, dass man härtetechnisch nicht allzu sehr auffährt, nicht mal die Regionen von „Spellbound“ oder „Heresy And Creed“ erreicht. Dabei nimmt man sich textlich diverse literarische Vorlagen zur Brust, obwohl man das Thema doch sehr streckt, Lara Croft ist ja eher von Funk und Fern bekannt.

Zum Einstand serviert man direkt ein paar gregorianische Chöre, welche recht gut zur Thematik passen. „The Grail“ übernimmt diese und leitet zu einem schweren, flächigen Riff über, bevor die Strophe das Tempo heraus nimmt. Das dort vorherrschende Piano tönt ebenfalls schwermütig und hat weit mehr Einsätze als man von der Band bisher gewohnt ist. Zum Refrain hin steigt die Dynamik wieder an, die Gitarren erinnern nun an die letzten HOUSE OF LORDS-Scheibe ebenso wie die angeproggten, arabesken Skalen im anschließenden „Jeckyll And Hyde“.

Was mir etwas fehlt auf der Scheibe ist die romantische Grundstimmung, welche mit so manchem Thema konform geht. Am ehesten findet man diese im hymnischen „Man For All Seasons“ mit seinem folkigen Intro. Der locker rockende Song eröffnet ein paar Räume, in dem Langzeitbassist Steve McKenna schön grooven kann. Dazu hat er noch beim THIN LIZZY-affinen „Welcome To The Freak Show“ weitere Gelegenheit.
Ebenfalls schön melancholisch kommt „The Wild King Of Winter“ daher, wenn auch etwas metallischer legiert. Hier treffen knackige Riffs auf dezent moderne Nuancen und kollidieren mit tollen Chorarrangements, was die Nummer zur stärksten von „Gothica“ macht. Da will auch „La Luna Dra-Cu-La“ hin, die treibenden Gitarren der drei Axtmänner bringen das Stück auch auf einen guten Weg, doch dann stolpert es über den allzu cheesigen Chorus.

Ich bin ja durchaus ein Freund von kitschigen Tönen, doch hier haben TEN zu tief in den Schmalztopf gegriffen. Doch nicht nur hier, auch bei „In My Dreams“ erweist sich die durchaus flüssige Melodieführung als zu klebrig und die abschließende Ballade „Into Darkness“ können die eingebauten Axtattacken auch nicht mehr retten. Dabei hat man im ruhigen Segment einiges zu bieten, wie schon die Synthiestreicher im vom Piano getragenen „Paragon“ deutlich machen.
Mit einem ebenso weiten Refrain ist „Travellers“ ausgestattet, in welchem Darrel Treece-Birch ein paar interessante Tastenspielerein am Start hat. Die intelligenten Arrangements setzen sich fort, wenn die aufbauende Dynamik kurz vorm Chorus noch einmal abschwillt. Und mit dem schönen, warmen, fast Neo Prog-ähnlichen Solo bringt man eine noch britischere Note herein als ohnehin vorhanden. Wobei man sagen muss, dass die drei Herren gerade im Leadbereich wieder gute Arbeit abliefern.

Doch die Schattenseiten sind dieses Mal wieder mehr als beim letzten Longplayer, der ein schmissigeres Songwriting hatte. Das ist natürlich auch der neuen Herangehensweise geschuldet, die aber nicht konsequent genug durchgezogen wurde. Auf der anderen Seite fällt es TEN sicher schwer, die angestammte Nische zu verlassen, immerhin hat man sich diese sehr plüschig eingerichtet. Somit ist „Gothica“ nicht das erhoffte Wiederbegrüßungsgeschenk. Vielleicht sollte Hughes sine Kompositionen mal wieder etwas länger reifen lassen, was sich schon vor „Stormwarning“ als Volltreffer entpuppte. Wenn ihm langweilig ist, kann er sich ja überlegen, ob die Erde wirklich nur aus Südeuropa und Japan besteht. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer style=6,5 6,5 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 58:02 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 07.07.2017

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