unisonic liveinwackenNicht nur, aber auch in der so genannten „Plattenindustrie“ spricht man gerne von Sommerloch, wenn es um den Veröffentlichungszyklus von Alben geht. Man kennt das, wichtige Veröffentlichungen gibt es in den Sommermonaten kaum, über wenig Arbeit kann man sich als Musikjournalist aber auch nicht beklagen, denn es gibt ja noch Compilations, Best-Ofs, Re-Releases und Livealben, die man auf den Markt werfen kann.

Einer dieser Füller für das Sommerloch nennt sich „Live In Wacken“, womit bereits viel gesagt ist, und kommt von der Band UNISONIC aus Deutschland, diesem 2009 gegründeten Projekt, das mit seinen ersten beiden Alben „Unisonic“ (2012) und „Light Of Dawn“ (2014) vor allem damit Aufmerksamkeit gewinnen konnte, dass die beiden ehemaligen HELLOWEEN Mitglieder Kai Hansen und Michael Kiske wieder in einer Band zusammen spielten, die weitere Besetzung mit Dennis Ward und Kosta Zafiriou (von PINK CREAM 69) und Mandy Meyer (Ex-GOTTHARD) macht natürlich auch was daher.

Es steht außer Frage, UNISONIC sind für sich genommen eine starke Band und auch die beiden ersten Alben waren mehr als ordentlich, das Debüt sicherlich etwas stärker einzuschätzen als sein Nachfolger, aber trotzdem steht die Band inzwischen an einer Art Scheideweg. Kosta Zafiriou ist nach dem hier zu Grunde liegenden Wacken-Gig aus der Band ausgestiegen und Kai Hansen und Michael Kiske gehen jetzt erst einmal eine ganze Zeit lange auf „Pumpkins United“ Welttour, von daher steht aktuell in den Sternen, wie es mit UNISONIC weiter gehen wird.

Gehen wir thematisch zurück zu vorliegendem Live-Album, dann muss man schon mit der Lupe suchen, um einen oder mehrere triftige Gründe für diesen Konzertmitschnitt zu finden, der so ein wenig wie nichts Halbes und nichts Ganzes wirkt. Man hört sich „Live In Wacken“ an oder schaut sich die beiliegende DVD an, man findet die Songs stark, man wird eine Stunde lang super unterhalten, man findet aber echt nichts Besonderes oder Außergewöhnliches an dieser Show und damit natürlich auch an dieser Veröffentlichung.

Werfen wir einen Blick auf die DVD, dann fällt zu aller erst einmal auf, dass nur die Hälfte der Show darauf enthalten ist. Das ist insofern rätselhaft, dass sicherlich das komplette Konzert von der Crew vor Ort gefilmt worden ist, also warum nicht auch komplett veröffentlichen? Wie gesagt nichts Halbes und nichts Ganzes. Der Gig selber fand im letzten Jahr zu später Stunde statt, die Lichtverhältnisse sind folglich nicht ganz optimal, das Wetter war an diesem Abend auch recht bescheiden gewesen, von Stimmung ist selbst bei den HELLOWEEN Klassikern „A Little Time“ (nur CD) und „March Of Time“ kaum etwas zu spüren oder zu hören, das ist nicht gerade das, was man sich so vorstellt. Alles weitere wie Kameraführung und Schnitt ist "wackentypisch" und im Grunde genommen ein guter Kompromiss.

Weniger schwach ist die Performance der Band, die ist sogar richtig stark, Michael Kiske singt souverän, Kosta Zafiriou hat vermutlich noch nie so viel Doublebass gespielt wie an diesem Abend, die Setlist mit 10 UNISONIC Nummern und 2 HELLOWEEN Songs passt auch. Mehr als eine Stunde durfte man anscheinend nicht spielen, auf Gastmusiker wird verzichtet, ist vermutlich auch besser so.
Wenn man ehrlich ist, sind UNISONIC bei einem Festival wie dem Wacken Open Air auch nur eine kleine Nummer, wenn ich das damit vergleiche, was beispielsweise ARCH ENEMY vom gleichen Festival auf DVD gebrannt haben, dann liegen da Welten dazwischen, da traf es der Titel „As The Stages Burn“ perfekt, das hier ist wirklich nicht mehr als nur „Live In Wacken“.

Man kann es nun kurz machen und sagen, kann man haben, muss man aber nicht. Ich habe die beiliegende CD sogar recht häufig in letzter Zeit gehört, weil man das Ding halt gut hören kann, wenn man diese Art des melodischen Metals mag, ich hätte da ehrlicherweise aber auch dann gleich die beiden Studioalben wieder aus der Versenkung hervor kramen können, da braucht man wirklich nicht dieses Livedokument dafür. Was ich im Falle des Debüts sogar gemacht habe und dabei ist mir dann aufgefallen, dass man überraschenderweise den Song „Souls Alive“ gar nicht gespielt hat.

Für den Moment ist „Live In Wacken“ einfach nur ein Livealbum, das eher aus Marketinggründen als aufgrund musikalischer Relevanz veröffentlicht wurde, vielleicht wird sich diese Ansicht irgendwann einmal ändern, sollte die Band aufgrund anderer Prioritäten der beteiligten Musiker vielleicht früher oder später ihre Existenz aufgeben. (Maik)


Bewertung: 

Maik 20167,0 7 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 59:00 min
Label: earmusic/Edel
Veröffentlichungstermin: 21.07.2017

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