samael hegemonySo eine lange Pause zwischen zwei Studioalben gab es bei den Eidgenossen schon einmal. Nachdem die erste große Erfolgswelle Ende der Neunziger abflaute, suchten die Locher-Brüder ihr Heil in elektronischen Projekten. Nun haben SAMAEL die Pause eher genutzt, um die Kunst des Livespielens verstärkt wieder zu entdecken. Dabei sollte man ausgedehnte Touren heutzutage eher als Geschäftsmodell ansehen, denn der Unterhalt wird auf der Straße verdient. Und so standen zwei Tourneen jeweils im Zeichen ihrer Klassiker "Ceremony Of Opposites" sowie "Passage", wobei ich leider letztere nicht erwischen konnte. Sechs Jahre nach "Lux Mundi" ist es aber wieder an der Zeit für neues Material, was beschert uns "Hegemony"?

Wenn sie wollen, können sie auch heute noch überraschen, wie 2009 auf "Above" bewiesen, als sie zurück zu den schwarzmetallischen Ursprüngen gingen. Auf der Scheibe beschreiten die Schweizer aber wieder den Weg, den sie seinerzeit auf "Passage" eingeschlagen haben, und nur selten verließen. Um es vorweg zu nehmen, an jenes Referenzwerk kommt die Truppe ebenso wenig heran wie an die Hitdichte von "Reign Of Light", geschmeidiger als auf "Lux Mundi" tönt das Ergebnis dennoch aus den Boxen.
Ja, da ist nicht viel Neues, auf der anderen Seite haben sie aber auch ihren unverwechselbaren Stil gefunden und sind dadurch immer zu identifizieren. Da prallen nach wie vor Industrial-Pfeiler auf schroffe metallische Klippen, die sich mal verbinden, mal abstoßen. Über all dem thront die Stimme von Vorph, einer Mischung aus manischem Prediger und bedeutungsschwerer Propaganda. Damit erzeugen sie diese typische Atmosphäre, die sich in den verhältnismäßig kurzen Stücken breit macht.
Um diese zu unterstützen hat man sich wieder an Waldemar Sorychta gewandt, unter dessen Ägide die seinerzeit großen Alben entstanden, für den Mix war Stefan Glaumann zuständig, der eher von RAMMSTEIN her bekannt sein dürfte. Hier kommt der berüchtigte Woodhouse-Sound der Neunziger perfekt zur Geltung, den sonst nur noch MOONSPELL in die heutige Zeit transportieren. Trotz aller Kälte, welche Synthesizer, industrielles Getöse und mechanische Riffs verströmen, lässt dieser eine gewisse Wärme durchscheinen.

Schon im titelgebenden Opener wogen und stampfen die Harmonien aus Tasten und Gitarren konsequent nach vorne, nicht ohne ein bisschen Melodie auf dem Weg mitzunehmen. Von ähnlicher Charakteristik präsentieren sich das fast schon symphonische "Land Of The Living" oder "Red Planet", welches mit Pianoeinsätzen den mitunter stärksten Bogen zur Hochphase spannt. Richtig deutlich wird die eigene Vergangenheit in "Murder Or Suicide", welches nach dem rifflastigen Einstieg das Tempo heraus nimmt, um dem Bass von Drop auf seinem ersten Studioeinsatz Raum zu geben. Auch die getragenen Stimmung und der melodischste Chorus der Scheibe lassen an "Passage" denken.

Es dauert allerdings seine Zeit, bis sich die Feinheiten unter der massiven Wucht heraus schälen, speziell die ruhigeren Stücke sind für den Hörer schwer abzugrenzen. Dennoch können Anhänger der Band hier wenig falsch machen, servieren die Vier ein dichtes Menü. "Against All Enemies" kommt eher flächig daher, während "Angel Of Wrath" den typischen Spirit von SAMAEL einfängt. Trotz seiner eher schwebenden Struktur besitzt die Nummer einen Drive, dem man sich nur schwer entziehen kann, beschwörende Vocals treffen auf Grunts. Und fast am Ende packt man mit "Dictate Of Transparency" die epischste Nummer aus.
Dem steht eher hartes Material bei der angethrashten späten Bandhymne "Samael" gegenüber, dessen Kraft durch viel Hall noch verstärkt wird. Im Anschluss gibt sich die Truppe auf "Rite Of Renewal" vertrackt, während "Black Supremacy" mit Blastbeats am meisten fordert. In "This World" herrscht das Stacatto vor, was für alle Belange von Saiten, Drums, Synthesizern und selbst dem Gesang gilt. Am Ende beweist das BEATLES-Cover "Helter Skelter" dass sie songwriterisch schon mal besser unterwegs waren, denn es sticht heraus und funktioniert auch in dem Kontext. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 47:40 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 13.10.2017

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Anmelden

Neckbreaker präsentiert

Neckbreaker auf Facebook

nb recruiting 2015

nb forum 2015

nb gallery 2015