eisleygoldy bloodgutsandgamesGene Simmons nutzte ja seit jeher jede Gelegenheit Geld zu scheffeln, Ende der Achtziger verdingte er sich sogar als Labelboss, als damit noch etwas zu holen war. Sein erstes Signing waren GIUFFRIA, die sich unter seiner Ägide in HOUSE OF LORDS umbenannten. Auch bei der Demission von Sänger David Glen Eisley durch James Christian soll er seine Hände im Spiel gehabt haben. Ein Jahr vorher war bereits Craig Goldy in Richtung DIO abgewandert, so dass die Truppe ohnehin runderneuert wurde. Nun haben sich die beiden, die nach "Silk And Steel" die Band verließen zusammen getan um unter ihren Namen als "EISLEY/GOLDY" gemeinsame Sache zu machen. Natürlich waren es die italienischen Melodic Rockspezialisten von Frontiers Records, welche das Projekt unter Vertrag nahmen und ihr Debüt "Blood, Guts And Games" veröffentlichten, während sich Simmons nur noch selbst vermarktet.

Dabei lässt der Titel schon an etwas anders denken, als in der Verpackung drin ist, denn ein so genanntes Werk könnte auch von einer deutlich härteren Formation durchgehen. Man muss aber auch bedenken, dass bereits das Cover von "Silk And Steel" und ein paar von HOUSE OF LORDS mit Rittern in scheinender Rüstung kokettierten, hier auf dem Artwork aber im Rittersaal die Waffen durch Instrumente ersetzt wurden. Oder erinnerte man sich an ein, zu der Zeit, als sich die beiden von GIUFFRIA trennten, populäres Computerspiel ähnlichen Namens. Wie dem auch sei, musikalisch machen die Zwei eigentlich genau da weiter, wo sie 1987 aufgehört haben, fast ein wenig zu genau.

Die perlenden Synths zu Beginn tönen heutzutage wie aus der Zeit gefallen, wenn auch in angenehmer Weise. Es ist nicht das einzige Mal, dass diese auf dem Werk der beiden auftauchen, vor allem im sphärischen, verhältnismäßig düsteren "Lies I Can Live With" haben die Tasten deutlich Oberwasser. Diese werden von den zwei Protagonisten selbst eingespielt, wie fast alles außer den Drums von Ron Wisko, und haben in besagtem Song eine deutliche New Wave-Schlagseite.
Im Opener übernimmt erstmal die Gitarre die Führung und haut dem Hörer ein kraftvolles Riff um die Ohren. Glücklicherweise folgt man nicht der Direktive anderer AOR-Bands und hält die Strophe im Anschluss komplett ruhig, sondern sorgt mit dem Rezitieren des Grundriffs für einen schönen Kontrast. Natürlich sind die sich steigernde Strophe und der weite Refrain im Anschluss schulbuchmäßiger Melodic Rock, doch EISLEY/GOLDY haben durchaus ihre eigene Note.

Dazu gehört, dass sie den sehr hohen Keyboard-Anteil immer wieder mit Metal-affinen Attacken aus den sechs Saiten würzen wie im kraftvollen "I Don´t Belong Here Anymore", in welchem David Glen Eisley zeigt, dass er es auch heute noch mit James Christian aufnehmen kann. Überhaupt klingt diese Mischung aus Synthesizerflächen und kantigen Riffs mehr nach HOUSE OF LORDS als jene Formation heutzutage, denn die früheren Mitglieder gehen deutlich traditioneller zu Werke. Gerade das schmissige "Love Of The Game" könnte mit seinen knalligen Arrangements auch auf dem seinerzeit selbstbetitelten Debüt gestanden haben.

Dabei geht Goldy bei seiner Gitarrenarbeit ähnlich wie damals Lanny Cordola nicht immer geradlinig zu Werke, sondern baut in seine Läufe ein paar Schnörkel und Widerhaken ein. Nicht selten erinnert das an seinen anderen Arbeitgeber DIO, wie im sakralen "No More Prayers In The Night" oder dem Up-Tempo-Rocker "Wings Of A Hurricane". Letzterer kommt mit seinen arabesken Orgelverzierungen und der dezent modernen Attitüde dem Stil der anderen Auflage von HOUSE OF LORDS am nächsten.
"Track Thirteen" schert mit seiner Riff Rock-Attitüde und seinen Gangshouts als einziges weiteres Stück ein wenig aus dem üblichen Schema aus, hält sich aber ebenso angenehm traditionell. Ansonsten regieren die typischen weiten Melodien wie in der Halbballade "Life, "Only A Memory" oder das Spannungsfeld zwischen anspruchsvollem Riffing und Keyboardflächen wie in "Souls Of Madness". Die Drums sind a eher nur Beiwerk, können beim Unterstützen der Atmosphäre noch die meisten Akzente setzen.

Man muss fast Angst haben, dass sich dieses Duo demnächst noch umbenennt und unter HOUSE OF LORDS E/G agiert, selbst ein Rückruf von Gregg Giuffria vom Altenteil scheint nicht unmöglich. Einziger Nachteil von "Blood, Guts And Games" ist, dass sich die Songlänge an der Länger der Songtitel orientiert, und nicht nur beim abschließenden Kitschbrocken "Believe In One Another" weniger mehr gewesen wäre. Ein paar Synthspielereien hätte man ebenso sein lassen können wie die "July Morning"-Referenz am Ende von "No More Prayers In The Night" oder ein paar andere Outros sowie Refrainwiederholungen. Alles ist gut durchdacht, klingt aber streckenweise überladen und überproduziert, doch auch das war ja vor dreißig Jahren normal. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 61:25 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 01.12.2017

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