JudasPriest_ScreamingNach dem Ausstieg von Gründungsmitglied K.K. Downing vor der angekündigten „Epitpath"-Abschiedstournee 2010 hatten Priest bereits mit so einiger Kritik kämpfen müssen. Die Tour wurde anschließend mit Neuzugang Richie Faulkner allerdings souverän gemeistert und auch die Stimme von Rob Halford war um einiges besser als auf der vorherigen Tour zum etwas langatmig geratenen "Nostradamus"-Album. Mittlerweile haben JUDAS PRIEST in diversen Interviews bereits bekannt gegeben, dass noch mit einer weiteren Platte zu rechnen ist und dass sich die Band lediglich vom Touren zurückziehen möchte, ähnlich also wie bei den SCORPIONS. Allerdings bleibt bei JUDAS PRIEST zu hoffen, dass sie durch den Neuzugang wieder etwas an Fahrt aufgenommen haben und sich eventuell die Rente noch einmal überlegen.

Nachdem nun in den letzten Monaten unter anderem mehrere Compilations wie z.B. „The Chosen Few" oder auch „Single Cuts" erschienen, zum Teil auch in Deluxe-Versionen zu teilweise fast unerschwinglichen Preisen, hat sich so mancher Fan mit Sicherheit schon ein klein wenig betrogen gefühlt. Den krönenden Abschluss fand der Veröffentlichungswahnsinn dann in der kompletten Neuauflage des Halford-Backkatalogs (Die Ripper-Jahre wurden ignoriert) unter dem Titel „The Complete Albums Collection", wo doch bereits 2001 alle Studioalben neu erschienen sind. Eine kleine Daseinsberechtigung hat die Kollektion dennoch, da nun auch alle Halford-Alben nach Painkiller enthalten sind, an der Zahl sind das jedoch gerade mal drei.
Nun steht bereits die nächste Veröffentlichung im Regal, wieder ist es ein Re-Release geworden, dieses Mal allerdings ähnlich dem Re-Release der British-Steel von 2010, was bedeutet, dass es einmal das Studioalbum gibt mit einigen Bonustracks die bisher unveröffentlicht blieben und dann eine Live-DVD des Auftritts von JUDAS PRIEST auf dem US Festival 83. Da diese DVD und auch die Live-Tracks bisher fast nicht zu bekommen waren, sollte man die Veröffentlichungspolitik von JUDAS PRIEST vorerst nicht weiter diskutieren und sich stattdessen darauf konzentrieren was man vorliegen hat, nämlich ein interessantes Komplettpaket.

Da das Album für die Veröffentlichung nicht neu gemastert wurde, ist der Sound so beibehalten wie bei der Wiederveröffentlichung aus dem Jahre 2001, lediglich das Cover wurde von Coverdesigner Mark Wilkinson (für das Cover von "British Steel" verantwortlich) ein wenig aufgepeppt. Das instrumentale Intro „The Hellion" mit perfekter Überleitung zu "Electric Eye", bei welchem dann Rob Halfords Stimme mehr als deutlich zeigt wer der wahre Metalgott ist, wurde sehr lange Zeit als Intro jeder JUDAS PRIEST Show verwendet und hat auch nach so vielen Jahren noch nichts von seiner Magie verloren.
Mit einem Drumintro wird „Riding on the Wind" im Anschluss eingeleitet, ein etwas unterbewerteter Song der im Liveset aber immer sehr gut ankam. Bei „Bloodstone" wird das Duallead-Markenzeichen von Glenn Tipton und K.K. Downing perfekt umgesetzt, wohingegen mit „Take These Chains" erste Fäden in Richtung Turbo und Defenders-Phase gespannt werden. Auch „Pain And Pleasure" schlägt eher untypische Töne an, weiß aber durch die markant eingesetzten Effekte sehr zu gefallen und entpuppt sich als großartige Nummer.
Das anschließende „Screaming For Vengeance" enthält wieder alle typischen Priest-Trademarks und zählt zu einem der besten Songs, die von JUDAS PRIEST je geschrieben wurden; live kommt der Song aufgrund der extremen stimmlichen Anforderungen wohl in Zukunft nicht mehr zum Zug. Mit „You´ve Got Another Thing Comin'" landeten Priest ähnlich wie mit „Living after Midnight" von British Steel einen Riesenhit und feierten damals große Erfolge in den USA. Mit „Fever" gibt es einen weiteren eher ruhigen und unauffälligen Song, der aber gerade in den Details sehr interessant ist. „Devil´s Child" kam bereits oft live zum Zug und ist ein guter Mid-Tempo Rocker mit Ohrwurmcharakter, der das Album gelungen abschließt.

Mit "Screaming For Vengeance", welches damals in Florida mit Priests Hausproduzent Tom Allom aufgenommen wurde und nach wie vor das kommerziell erfolgreichste Album der Band ist, bewiesen JUDAS PRIEST nach "British Steel" und "Point Of Entry" erneut, dass es sich keinesfalls um eine Band handelt die stehen bleibt. Mit "Fever" und "Prisoner Of Your Eye" wurde gezeigt, dass die Band offen für Neues ist und nicht davor zurückschreckt ihren Sound zu verändern. Wesentlich früher übrigens als IRON MAIDEN, welche erst mit "Somewhere In Time" auf die Idee kamen, Synthesizer einzusetzen. Nach dem etwas schwächeren "Point Of Entry" hatten JUDAS PRIEST wieder ein Album vorliegen, welches große Erfolge feierte. Nach Veröffentlichung gingen JUDAS PRIEST auf die Screaming For Vengeance World Tour, ein Konzert davon wurde bereits auf DVD veröffentlicht und zeigt einen Auftritt in Detroit aus dem Jahre 1982.
Wie intensiv ein solches Konzert für die Fans damals gewesen sein muss, ist heute kaum vorstellbar, aber sowohl auf der "Live Vengeance"-DVD als auch auf der Bonus-DVD des hier besprochenen Packages wird dies deutlich. Trifft doch Rob Halford im Gegensatz zu heute noch alle hohen Töne perfekt und auch das Gitarrenduo Tipton/Downing arbeitet perfekt miteinander. Die CD enthält als Bonustracks neben der bereits bekannten Ballade "Prisoner Of Your Eyes" und der Liveaufnahme von "Devils Child" nun noch vier weitere Live-Songs, aufgenommen im San Antonio Civic Center im September 1982. Dabei handelt es sich zwar um gute Aufnahmen, wirklich viel über Bootleg-Niveau kommen diese aber nicht hinaus.

Die beiliegende einstündige DVD dokumentiertet eindrucksvoll, welch starke und außergewöhnliche Liveband JUDAS PRIEST einst waren. Zwar handelt es sich hierbei nicht um einen aufwendig restaurierten Live-Mitschnitt, wenn man aber bedenkt, dass es insgesamt nur sehr wenige Live-Mitschnitte aus den Frühtagen von JUDAS PRIEST gibt, dürfte der Stereosound und die simple TV-Aufnahme im 4:3 Format niemanden weiter stören. Das Konzert stammt vom 29. Mai 1983, als JUDAS PRIEST gemeinsam mit den SCORPIONS, VAN HALEN, MÖTLEY CRÜE, QUIET RIOT, TRIUMPH und OZZY OSBOURNE auf dem US Festival in Kalifornien am Heavy Metal Sunday spielten.
JUDAS PRIEST befanden sich zu der Zeit auf ihrer Screaming For Vengeance World Tour, auf der zum ersten Mal der ultimative Opener jeder Priest-Show „The Hellion / Electric Eye" das Set eröffnete. Die DVD beginnt mit einer kurzen Szene, bei welcher man sieht wie sich Glenn Tipton und Ian Hill auf den Weg zur Bühne machen. Die Band setzt mit "Electric Eye" ein und Rob Halford kommt imposant im Lederoutfit samt Peitsche auf die Bühne, auch der Rest der Band ist im damals typischen JUDAS PRIEST – Lederoutfit eingekleidet.

Was dann folgt ist der Auftritt einer dynamischen und super zusammenspielenden Band, immer wieder hat Rob Halford einen der Gitarristen im Arm, Glenn und K.K. stehen immer mal wieder für die typischen Dual-Lead Solos beieinander oder lassen im gleichen Rhythmus das Kopfhaar fliegen. Lediglich Ian Hill steht wie gewohnt mit seinem Bass zappelnd im hinteren Bereich der Bühne, damals wie heute also ein unverwüstlicher Bassist. Die Setlist enthält neben einigem damals aktuellem Material wie „Riding On The Wind", „Screaming For Vengeance" und „You´ve Got Another Thing Coming", alle Hits des British Steel-Klassikers „Metal Gods", "Breaking The Law", und "Living After Midnight"; auch bereits damalige Priest Klassiker aus den Frühtagen der Band wie „Diamonds and Rust" , „The Green Manalishi" und das unglaubliche „Victim Of Changes" bei dem Rob Halford stimmlich alles gibt (teilweise auch unterstützt von Glenn Tipton).
Mit "Hell Bent For Leather" findet das Konzert einen grandiosen Abschluss, bei dem Rob Halford mit einer Harley auf die Bühne fährt, etwas befremdlich ist hier nur, dass es noch taghell ist und daher der Showeffekt nicht so groß wie bei Nacht mit entsprechender Beleuchtung ist. Immer wieder schwenkt die Kamera auf die unglaubliche Menschenmenge und lässt damit erahnen wie groß dieses Festival mit 670.000 Besuchern gewesen sein muss. Zwar war die Bühnenshow von JUDAS PRIEST zum damaligen Zeitpunkt noch nicht so ausgereift wie später zu der "Fuel for Life"- oder "Painkiller"-Tour, doch dadurch konzentriert man sich auch mehr auf die Band und deren Musik und was man da geliefert bekommt ist wirklich sehenswert.

Fazit, zwar wieder ein Re-Release aus dem Hause JUDAS PRIEST, dank der beiliegenden DVD und den Bonus-Live Tracks aber ein durchaus lohnender. Bleibt zu hoffen, dass durch Neuzugang Richie Faulkner das nächste Album, welches mittlerweile genau genommen bestätigt ist, wieder etwas mehr den ursprünglichen Sound von JUDAS PRIEST trifft. Allen Vorzeichen nach wird dies aber der Fall sein. (Pascal)

Tracklist DVD:
1. Electric Eye
2. Riding On The Wind
3. Heading Out To The Highway
4. Metal Gods
5. Breaking The Law
6. Diamonds And Rust
7. Victim Of Changes
8. Living After Midnight
9. The Green Manalishi (With The Two Pronged Crown)
10. Screaming For Vengeance
11. You've Got Another Thing Comin'
12. Hell Bent For Leather

Bewertung: - / -

Anzahl der Songs (CD): 16
Spielzeit (CD): 70:21 min
Anzahl der Songs (DVD): 12
Spielzeit (DVD): 62:33 min
Label: Sony
Veröffentlichungstermin: 31.08.2012

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