mikeoldfield returntoommadawnEigentlich hatte sich der Superstar der Avantgarde schon im Rentnerdasein auf den Bahamas eingerichtet und der Popwelt Lebewohl gesagt. Umso überraschender erschien vor drei Jahren mit „Man On The Rocks“ ein neues Studioalbum, noch überraschender das dies zurück zur Pop Rock-Phase der Achtziger ging. Nachdem er sein erfolgreichstes Album „Tubular Bells“ bis zum Abwinken rezitiert hatte, erinnerte sich MIKE OLDFIELD nun an seinen zweiten ganz großen Siebzigerstreich „Ommadawn“. Dieses weitere Werk in seiner Historie weckt nun sogar Begehrlichkeiten bei den Fans, die insgeheim sogar mit Liveauftritten liebäugeln, wovon der scheue Musiker aber nichts wissen will. Beschäftigen wir uns also mit dem erneut völlig unangekündigten „Return To Ommadwan“ und harren der Dinge, die da kommen mögen.

Dabei nimmt er das Konzept wieder auf, welches ihn in der großen Dekade progressiver Tonkunst zu einem so unvergleichlichen Komponisten machte. Zwei Longtracks von mehr als zwanzig Minuten auf je eine LP-Seite verteilt, wobei Oldfield jedes Instrument selbst einspielte und alles mit seiner berühmten Patchworktechnik zu einem Ganzen zusammen fügte. Zwar spielte er in den letzten zwanzig Jahren viele rein instrumentale Alben ein, doch die bestanden aus mehreren für sich stehenden Tracks.
Bei der Produktion in seinem Heimstudio legte der Klangarchitekt mit seiner gewohnten Akribie viel Wert auf einen authentischen Sound. So wollte er all das Instrumentarium wie Bodhran und Bagpipes haben, welches er schon auf der legendären Vorlage benutzte. Lediglich ein echtes Mellotron war nicht auf die Bahamas zu schaffen, so dass sich der Herr der tausend Overdubs mit einem Nachbau begnügen musste, beim Glockenspiel bestand er aber auf ein echtes.

Die Flöte direkt zu Beginn deutet direkt in die sehr folkige Richtung, die man schon von jenem 75er Album kennt. Die melancholische Atmosphäre bleibt bestehen, wenn die Melodie von der Akustikgitarre übernommen wird. Nach dem Einsatz des angesprochenen Glockenspiel drückt ein warmer Bass die Nummer mehr nach vorne, bevor sich all diese bisherigen Elemente in einer tollen Harmonie vereinen.
Ein Indiz für sein Händchen für geniale Arrangierkunst, mit dem er die vielen Teile zu einem homogen Ganzen zusammen fügt. Dabei bedient er sich der Taktik, verschiedene Themen im Laufe der zwanzig Minuten immer wieder auftauchen zu lassen, um die Stücke nicht zu zerfasern. Da reicht ein kleiner Schlenker in der Repetition, um neue Pfade zu eröffnen, völlig unscheinbar schleicht sich eine Mandoline ein, nachdem die Dynamik kurz zurück gefahren wurde.

In der Folge wechselt der Meister zwischen klassischer Gitarre und seinem wohlbekannten Leadgitarrenklang. Hier macht sich die wieder gewonnene Spielfreude bemerkbar, puzzelte Oldfield jahrelang nur viele Synthesizer- und Fairlightspuren zusammen, so legt er nun wieder sehr viel Herzblut in die fein ausgearbeiteten Beiträge. Auch an den Tasten brilliert er, Orgel und Mellotron geben den vorhandenen Linien neue Farben.
Nach einem erneuten kleinen Bruch geben die Percussions den nächsten Minuten ein paar rhythmische Aspekte, ein gutes Fundament für die Vocoder-Spielereien. Wenn MIKE OLDFIELD dann zu elektrifizierten Gitarrensolo ansetzt, ist endgültig der Brückenschlag zu der glorreichen Vergangenheit vollzogen. Hier nimmt er das zuvor angehobene Tempo allmählich wieder heraus, um die Flöte zum Ausgangspunkt zurück leiten zu lassen.

Im flirrenden, bombastischeren zweiten Part verhält es sich ähnlich, die einzelnen Elemente werden geschickt miteinander verwoben, hier sticht die jubilierende Gitarre zum wuchtigen Finale besonders heraus. Mit der Rückbesinnung auf seine ganz alten Tugenden zeigt der Meister, dass er nichts verlernt hat, niemand erschafft so meisterliche Epen, die von einem Thema zum anderen mäandern. Es ist immer wieder verwunderlich, wie brillant er einzelne Themen unterschwellig einfließen lässt, um sie dann wieder abebben oder nach und nach die Führung übernehmen zu lassen. So hält er den Hörer trotz der Mammutlänge der beiden Titel immer bei der Stange, ständig kommen neue Eindrücke hinzu, ohne durch zu harsche Wechsel zu überfordern.

Das funktioniert sogar besser als in der Aufteilung in mehrere Einzelsongs, weil die Atmosphäre noch mehr verdichtet wird. Allerdings darf man nicht verhehlen, dass er die ganze tiefe Magie seines Frühwerkes nicht ganz erreicht, es fehlt die ganz tiefe Eindringlichkeit, die düstere, beklemmende Stimmung von „Ommadawn“. Bei der Rückkehr geht er ein bisschen mit der Leichtigkeit seines Achtzigeroutputs zu Werke, suhlt sich streckenweise im Wohlklang.
Das stellt insofern keinen Werteverlust dar, weil MIKE OLDFIELD auch damals mit „Taurus II“ große Longtracks schuf. Die Scheibe verhält sich in ihrer lyrischen Melodiefülle zum in der der Ära angesagten Neo Prog wie die Siebziger-Geniestreiche zum Symphonic Prog jener Tage. Das macht es für die heutigen Hörgewohnheiten etwas nachvollziehbarer, ohne an Klasse einzubüßen. Somit dürfte „Return To Ommadawn“ als stärkste Aufnahme seit „Amarok“ durchgehen. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 2
Spielzeit: 42:10 min
Label: Virgin/Universal
Veröffentlichungstermin: 20.01.2017

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