themutegods tardigradesDa Steven Wilson und Steve Hackett in ihren Bands zumeist die kreativen Zügel in der Hand halten, taten sich drei ihrer Mitmusiker zusammen, um gemeinsam ihre Ideen zu verwirklichen. Immerhin waren Nick Beggs, Roger King und Marco Minnemann der Meinung, dass sie der Welt etwas mitzuteilen haben. Und in der Tat erwies sich das düstere Bild, welches das Trio auf ihrem Debüt „Do Nothing Until You Hear From Me“ von unserer Gesellschaft zeichnete, als durchaus prophetisch. Dabei suchten THE MUTE GODS musikalisch noch die Linie, was angesichts der ungewöhnlichen Bandkonstellation, bei dem sich Keyboarder, Bassist und Drummer die Gitarrenparts teilen, nicht verwunderte. Nur ein gutes Jahr später steht mit „Tardigrades Will Inherit The Earth“ der Nachfolger in den Startlöchern.

Auf dem beschäftigt sich das Trio erneut mit dem Zustand der Welt und der Menschheit. Hier wird die Frage aufgeworfen, ob nicht schon irgendwann wieder Mikroorganismen den Planeten bevölkern, nachdem wir uns selbst ausgerottet haben. Ja, die Herren sind so pessimistisch, dass sie noch nicht mal den Ratten eine Chance einräumen. Die galten ja lange als gegen einen Atomkrieg resistent, wie sonst nur noch Keith Richards, aber nach dem Ableben von Lemmy kann man sich da auch nicht mehr so sicher sein.

Schon die Synthiestreicher im Filmscore-Format des Intros „Saltatio Mortis“ verbreiten eine düstere Atmosphäre. Mit dem Eingangsriff von „Animal Army“ geht es genau dort weiter, bedrohlich, fast metallisch baut es sich auf. Dabei wurde da keineswegs eine Platte eingezockt, auf der die Wut kanalisiert wird, die vielen psychedelischen Einflüsse des Erstlings sind immer noch vorhanden. Zwischen all den heftigeren Attacken, die man auch beim folgenden postrockigen „We Can´t Carry On“ findet, wirkt der Gesang eher sanftmütig, aber dennoch eindringlich.
Vor allem in den flächigen Refrains, die mit mehrstimmigen Arrangements glänzen, kommt auch die Nähe zu PORCUPINE TREE durch. Am nähesten kommen THE MUTE GODS den New Art Rock-Helden dann, wenn sie sich weit ins psychedelische Fach vorwagen, aber auf einer Art wie man sie weniger erwartet hätte. Der sehr von den Tasten geprägte Titelsong könnte mit seinen spacigen Melodien problemlos auf deren Debüt „On The Sunday Of Life“ stehen. Und das der gute Nick im Wave Pop der Achtziger eine große Nummer war, lässt sich ebenfalls nicht leugnen.
Zwischen all die Riffs finden die Drei auch noch reichlich Platz für andere Gitarrenspielereien. Da trifft modernes Gitarrenheldengefiepe auf sphärische Soli, dann auf vertrackte Läufe, die dann in richtige Prog-Abfahrten münden. Das schwer groovende „The Dumping Of The Stupid“ und das Instrumental „The Andromeda Strain“ machen davon am meisten Gebrauch. Beggs hinterlässt auch am Chapman Stick eine gute Figur, wie er im ruhigen „Lament“ beweist.

In der zweiten Hälfte nimmt „Tardigrades Will Inherit The Earth“ ein wenig das Tempo heraus, das sphärische, fast akustische „Early Warning“ bildet hier den Auftakt. In „Window Onto The Sun“ kommen die Melodien klarer rüber, nicht so überdreht wie auf dem Rest der Scheibe. Ganz viel Atmosphäre serviert uns das schwelgerische "The Singing Fish Of Batticaloa" mit seinem ätherischen Mittelteil. Und am Ende gibt es wie schon bei „Do Nothing Until You Here From Me“ einen Hoffnungsschimmer in Form von „Stranger Than Fiction“. War der Schlusspunkt damals ein Duett mit Beggs Tochter, so hat der Viersaiter dieses Stück für seine Frau geschrieben. Damit runden THE MUTE GODS ein Album ab, das runder als der Vorgänger wirkt. Auch wenn sie die Grenzen mehr ausloten, haben sie ihren Stil deutlicher gefunden. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 52:20 min
Label: Inside Out
Veröffentlichungstermin: 24.02.2017

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