littlesteven soulfireMultitalent ist bei dem Mann noch untertrieben, denn die Beschäftigung in der E-STREET BAND sollte normalerweise zu genug Anerkennung gereichen. Doch wie seine Kollegen sucht sich Steve Van Zandt weitere Beschäftigungsfelder als Songschreiber oder Produzent. Und als das nicht reichte, versuchte er sich mit fast 50 Jahren noch als Schauspieler, nur um in den Serien "Sopranos" und "Lilyhammer" Erfolge und Kritikerlob einzufahren. Nun besinnt sich LITTLE STEVEN auf seine Wurzeln und veröffentlicht nach achtzehn Jahren wieder ein Soloalbum. Auf "Soulfire" bekommt er Unterstützung von den DISCIPLES OF SOUL, mit denen er auch im Sommer in Europa touren wird. Es soll eine sehr persönliche Einspielung werden, bei denen er spezielle Titel restauriert hat, die er einst für andere Künstler wie SOUTHSIDE JOHNNY komponiert hat.

Die Frage, welche sich die potentiellen Anhänger natürlich stellen, ist wie weit er sich von seinem Kumpel BRUCE SPRINGSTEEN emanzipieren kann. Zugegeben mit der rauen Bluesrock auf seinen letzten Einspielungen war er weiter weg, doch die starke Soulschlagseite verleiht den Titeln einen eigenständigen Charme. Da dürfen natürlich haufenweise Bläsersätze nicht fehlen, denn wenn Van Zandt so etwas angeht, dann mit der nötigen Tiefe, fernab jeglicher zeitgemäßen R´n´B-Anklängen. Natürlich darf man nicht vergessen, dass sich auch der "Boss" souligen Einflüssen bediente, wie beispielsweise beim legendären "Tenth Avenue Freeze-Out". Insofern geht man auf dem Werk schon auf Spurensuche, nach dem, das nicht allzu klar im Heartland Rockzu verorten ist, der typische Ashbury Park-Sound ist doch untrennbar in der DNA verankert.

Da fiele zu aller Erst einmal das programmatisch betitelte "Blues Is my Business" auf, der als erstes von ETTA JAMES performt wurde. Hier verlässt man die heimatlichen Staden in New Jersey und fährt direkt ins Herz von Chicago und füllt es mit neuem Blut. Dicke Bläsersätze dürfen auch hier ebenso wenig fehlen wie weibliche Gospelchöre, das Honky Tonk-Piano klimpert, dazu kommt noch die Orgel von Andy Burton und viele Blueslicks aus der Hand des Meisters, ganz stark und authentisch. Noch weiter auf der Suche nach jazzigeren Gefilden, macht man bei "Down And Out In New York City" Halt, einem Cover von JAMES BROWN. Neben den vielen Blechbläsern kann sich auch eine Flöte behaupten, die eigene Klangfarben einbringt, die Percussions rücken das Stück ein bisschen in die Nähe der damals populären SANTANA, bevor es im Chorus dann groß anschwillt.

Ebenso aus der Reihe tanzt das ruhige, melancholische "Standing In The Line Of Fire", welches Van Zandt einst mit "GARY U.S. BONDS verfasste und ihn für das Album umarrangierte. Hier baute er noch ein paar Elemente ein, die ursprünglich für den Soundtrack von "Lilyhammer" gedacht waren, wobei er sich da von Ennio Morricone, dem Meister aller Filmscores beeinflussen ließ. Auch da gelingt es, diese Herangehensweise in die homogene Scheibe mit einzubetten. Noch wesentlich sanfter kommt "The City Weepes Tonight", den LITTLE STEVEN schon auf seinem ersten Soloalbum bringen wollte. Der klassische Doo Wop mit seinen typischen Gesängen geht ganz tief zurück in die frühen Sechziger, in Zeiten als die PLATTERS die Charts dominierten. Rockhörern dürften die Streicher und Melodien zu schmalzig sein, aber der Titel ist eine Herzensangelegenheit.

An dem Punkt drängt sich die Frage auf, ob der Rest nur ein Rip-Off seines Freundes ist, mit dem er schon so viele Jahre zusammen arbeitet. Lieder wie der von Springsteen mitgeschriebene Stampfer "Love On The Wrong Side Of Town" retten ihn vor dem Vorwurf, da sie sich perfekt in den Kontext von "Soulfire" einfügen. Selbiges gilt für "Some Things Don´t Change", welches eine Neuaufnahme von "Backstreets" oder "My City Of Ruins" auf einem von dessen letzten Alben sein könnte. Vielmehr wird die Stimmung transportiert, welches das Werk des letzten echten Rockstars ausstrahlt, nur eben mit den Stilmitteln des Steven Van Zandt. Jene Euphorie, jene Liebe zur Musik kommt am besten bei "St. Valentine´s Day" am besten zum Vorschein, einer weiteren Filmmusik, die hier adaptiert wurde. Die Strophe rockt verhalten und opulent instrumentiert, bevor sich dann diese Harmonie aus Tasten und Bläsern Bahn bricht, welche die Faust unweigerlich im offenen Cabrio nach oben katapultiert.

So richtig rocken lässt es LITTLE STEVEN im lockeren "I´m Coming Back", dem flotten Gospel "I Saw The Light" oder dem Rausschmeißer "Ride The Night Away" mit seinem Slidesolo. Sein Meisterstück liefert er aber mit "I Don´t Want To Go Home", dem ersten Song, den er je schrieb ab, eine Ode an das Leben auf der Bühne. Zu Beginn leiten die Trompeten traurig ein, doch schnell bringen Klampfe, Orgel und "UhUh"-Chöre die Sonne herein. Die Chorarrangements sind sowohl in Strophe als auch Refrain perfekt ausgearbeitet, hier zeigt sich das ganze urwüchsige Musikgefühl des Steven Van Zandt, der keinen Hehl daraus macht, furchtbar altmodisch zu sein.
Dennoch scheut er sich nicht davor, neue Künstler in seiner Radioshow zu entdecken wie die Dänen THE BREAKERS, mit denen er den Titeltrack komponiert hat. "Soulfire" verharrt musikalisch komplett in der aufregendsten Zeit der Rockgeschichte und bringt diese lebendig in die Gegenwart. Natürlich ist man nie ganz frei von den Zwängen des modernen Masterings, doch seine alten Kumpels Bob Clearmountain und Bob Ludwig haben da beste Arbeit geleistet und dem Sound seinen Charme erhalten. In einer Zeit des Retrotrends bringt diesen Sound keiner besser, als jemand, der damals schon dabei gewesen war, mit seiner Spielfreude vielleicht sogar das Album, auf das man vom "Boss" schon zehn Jahre wartet. (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer8,5 8,5 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 57:18 min
Label: Wicked Cool Records/Universal
Veröffentlichungstermin:19.05.2017

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