threshold legendsoftheshire200nb mehrfachwertungVor den Aufnahmen zum zehnten Album geriet das seit zehn Jahren stabile Line-Up gehörig ins Wanken. Die Prog Metaller trennten sich zum wiederholten Mal von Sänger Damian Wilson und der zweite Gitarrist Pete Morten wollte sich auf eigene Projekte konzentrieren. Während Karl Groom die sechs Saiten alle alleine einspielte, gab es auf der Frontmannposition eine weitere spektakuläre Rückholaktion. Glynn Morgan, der 1994 die zweite Scheibe „Psychedelicatessen“ einsang kehrte nach langer Zeit zu den Briten zurück.
Fans von THRESHOLD warten ja schon länger auf ein wirklich großes Werk, auch wenn selbst die beiden Wilson-Longplayer noch starke Statements waren. Doch seit dem Überflieger „Hypothetical“ geht es in ganz kleinen Schritten abwärts, so gering, dass selbst die beiden nachfolgenden „Critical Mass“ und „Subsurface“ noch als Klassiker durchgehen. Nun gehen sie mit dem Konzeptdoppeldecker „Legends Of The Shires“ und runderneuerter Besetzung an den Start und durchaus ein Risiko ein.

Doch man muss sich nicht sorgen, der neue Mann hat selbst nach einem Vierteljahrhundert nichts von seinen stimmlichen Fähigkeiten eingebüßt und bringt viel frischen Enthusiasmus mit rein. Bisher unterschied man ja zwischen den Wilson-Scheiben und der Mac-Phase, wobei es sicherlich Geschmackssache ist, wen man besser findet. Der gute Damian war ein typischer Progsänger, der jeden Ton wunderbar auszuschmücken verstand, aber vielleicht ein wenig das Tempo vergaß, während das am Hard Rock geschulte Organ von McDermott den Songs einen unverwechselbaren Drive verlieh.
Gerade das machte die Band auch in jenen Jahren aus, gerade in Zeiten, in denen viele DREAM THEATER-Epigonen das Handtuch warfen, setzte man sich damit gewinnbringend ab. Morgan stand da immer im Schatten und stilistisch auch etwa in der Mitte, was im Umkehrschluss heißt, dass die rockige Attitüde ein Stück weit zurück ist. Doch weniger der Hard Rock ist zurück als vielmehr der Prog Rock, endlich gibt es wieder mehr ausufernde Kompositionen und komplexere Arrangements, nachdem "To The Journey" recht kompakt war.

Um im Klanggebäude Platz für die größere Detailfülle zu schaffen, wurden die Gitarrenattacken ein wenig eingedämmt, welche nicht mehr so kernig hinein schneiden, ohne allerdings weichgespült worden zu sein. Aber man schaffte es, das moderne Aufdrängen ein wenig in den Griff zu bekommen und zum wärmeren Sound der eigenen Meilensteine zurück zu kommen. So wirken selbst Parts harmonisch, die bei anderen Bands dissonant rüber kommen würden, niemand versteht es, die wildesten Instrumentalabfahrten so im Fluss zu gestalten wie THRESHOLD.
Ebenfalls unglaublich flüssig sind auch wieder die Melodien, die sich endlich wieder ganz groß aufschwingen dürfen, weil sie den Raum dazu bekommen. Und zu welch gigantischen Melodiebogen die Formation fähig, ist, die alles mit sich nehmen, muss ich niemanden mehr erklären. Fast scheint es so, als ob das Cover, welches das Thema sehr schön abbildet, genau jenes stete Fließen symbolisieren soll. Wobei man angesichts des tollen Artworks und des Titels natürlich schon Anleihen an die Ästhetik einer gewissen Filmtrilogie findet, aber die Herren dürfen dass, erreichen sie doch fast die atmosphärische Tiefe jenes Geniestreichs.

Jene Harmonie und Melodieseligkeit sorgt auch dafür, dass die Stücke trotz aller Tempo – Takt - und sogar Tonartwechsel sehr eingängig wirken, „Stars And Satellites“ kann man schon beim ersten Hördurchgang mitsingen. Hier bauen sie auch einige ihrer bekannten Brüche ein, bei denen man nie was, ob das Lied endet, was die Aufmerksamkeit zusätzlich erhöht. Doch die beiden Hauptsongschreiber Richard West und Karl Groom haben ein geniales Händchen dafür, ob sie den Übergang nun sehr fließend oder harsch gestalten sollen. Dabei kommen sie immer sehr exakt auf den Punkt wie bei ihren Soloausflügen und Duellen, die ganze Scheibe ist unglaublich inspiriert eingespielt worden.

Ein weiteres Stilmittel, welches wieder verstärkt zum Einsatz kommt, sind diese wunderbar gefühlvollen Soli, die stark am Neo Prog geschult sind. Nur Briten verstehen es, ihren sechs Saiten solche weichen Töne zu entlocken, dazu entfalten diese sich in der zurück genommeneren Produktion besser. Neben bekannten Trademarks sorgen auch die sehr reduziert und feinfühlig arrangierten Akustik – und Pianoparts für offene Münder und wohlige Schauer, man nehme nur „The Shire (Part 2)“, dass den zweiten Silberling eröffnet. Und in „Subliminal Freeways“ bauen sie sogar New Wave-Keyboards so geschickt ein, dass sie sich völlig in den Kontext einbetten.

Die absolute Krönung von „The Legend Of The Shires“ haben sich die Truppe aber fast bis zum Schluss aufgehoben. Der Longtrack „Lost In Translation“ bietet alles, was man von einer THRESHOLD-Komposition erwartet. Ein wuchtiges Intro, eine düstere Strophe, in welcher der ohnehin auf dem Album sehr präsente Bass Akzente setzt, bevor dann in der Bridge angethrashte Riffs auf ausgefeilten Satzgesang treffen. Der weite Chorus öffnet dann alle Räume und lässt den Hörer zu neuen Horizonten aufbrechen, während im Solo- und Mittelteil den Proglegenden PINK FLOYD und GENESIS gehuldigt wird.
Solche Parts beherrscht die Formation wie sonst nur wenige, wo andere einen Tempowechsel und ein paar Zeilen einbauen, spendieren uns die Fünf einen kompletten Song mit Vers und Refrain. Jener wird so wunderbar integriert, dass er die Zugänglichkeit noch weiter steigert, ohne die Magie zu verwässern. Am Ende schwebt dann die wunderschöne Leadgitarre auf den Synthieschwaden Richtung Unendlichkeit davon. Mit ihrem nunmehr elften Album gelingt die perfekte Balance zwischen Power, Anspruch und Wohlklang. Ich hatte zwar gehofft, dass sie endlich mal wieder zulegen würden, doch mit so einem phantastischen Werk habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. So wurde die oft gebeutelte Band für ihren Mut verdient belohnt. (Pfälzer)


Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 82:44 min
Label:Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 08.09.2017

Bewertung:

Pfaelzer9,5 9,5 / 10


Andreas 7,0 7 / 10

Anne8,5 8,5 / 10

David8,5 8,5 / 10

Maik9,0 9 / 10

Matthias7,0 7 / 10

Alex28,0 8 / 10

Denise8,0 8 / 10


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