danzig blackladencrown200nb mehrfachwertungDer Schinkengott war ja schon immer ein recht eigenwilliger Zeitgenosse, das betraf zuletzt auch seine Veröffentlichungsstrategie. Über ein Jahr hielt er seine Fans mit einem neuen Album hin, dann entpuppte sich "Skeletons" als halbgares Coveralbum. Nun endlich nach sieben Jahren gibt es neues Material von Glenn Danzig, der mit Tommy Victor und Johnny Kelly ein All-Star-Ensemble um sich geschart hat, während sich die Welt auch noch eine MISFITS-Reunion herbei sehnt. Können DANZIG mit "Black Laden Crown" an die großen Zeiten Anfang der Neunziger anknüpfen?

Leicht gemacht hat es der gute Glenn ja noch niemanden, weder Fans, noch seinem Umfeld, was diverse Anekdoten beleuchten. Zugegeben, stilistisch so aus dem Rahmen wie seinerzeit mit "5-Blackacidevil" fällt er dieses Mal nicht, doch wirklich den Weg von "Deth Red Sabaoth" beschreitet er auch nicht weiter. Vielmehr eröffnet er mit dem Titelsong, nachdem das Album ja kurz vor Veröffentlichung noch umbenannt wurde, und der klingt so gar nicht wie ein typischer Opener. So doomig klang die Formation noch nie, alles schleppt sich schwer durch ein Spalier von Leadgitarren und Drumfills, die an TIAMATs "The Sleeping Beauty erinnern.

Knackige Riffs findet man auf dem kompletten Werk selten, auch wenn der erste Song zum Ende hin etwas anzieht. Die Atmosphäre und die Langsamkeit stehen eindeutig im Vordergrund, die sechs Saiten können im Leadbereich weit mehr Akzente setzen. Völlig verschwunden sind die rockigen Anleihen wie an den Anfangstagen der Band. Noch karger präsentiert sich "But A Nightmare", bei welchem auch die Schlagzeugattacken zurückhaltender eingesetzt werden.
Überhaupt scheinen DANZIG mit wenig Mitteln viel erreichen zu wollen, auch der Sound ist weiterhin sehr spröde, wenn auch nicht ganz so schrammelig wie auf dem klar an den Neunzigern orientierten Vorgänger. Doch das wird als Stilelement genutzt, Glenn gibt auch hier nichts auf Erwartungshaltung. So scheppern die Drums von Kelly, die Klangfarben leuchten ein wenig wie auf "Manic Frustration" von TROUBLE, wenn auch bei weitem nicht so differenziert abgemischt wurde.

Statt auf klare Songstrukturen setzt man eher auf repetives Wiederholen der einzelnen Themen, was die sphärische Seite betonen soll. Das gelingt dann, wenn Victor die Saiten flirren lässt oder viel mit Effekten spielt, gelegentlich rutscht der Fuß auch mal über das WahWah-Pedal. Zum Auftakt von "The Witching Hour" packt er auch mal kurzerhand die Akustische aus. Am tiefsten kann man bei "Last Ride" eintauchen, wenn der verhallte Bass die Linie vorgibt und es vor allem der Gesang des Meisters die Dynamik variiert. Der klingt natürlich unverwechselbar wie eh und je, streckenweise lässt er noch ein bisschen mehr Verzweiflung durchscheinen.

Nur selten geht es zur Sache wie einst bei "Am I Demon" oder zuletzt "Hammer Of The Gods", am kraftstrotzendsten biegt noch "Devil On Hwy 9" um die Ecke und durchschneidet die Tristesse. "Skulls & Daisies" wartet mit einem prägnanten Riff auf, welches die ganze Zeit stoisch durchexerziert wird. Und in "Eyes Ripping Fire" sowie "Blackness Falls" wechseln sich zentnerschwere Passagen und treibende Momente ab. Schwermut macht sich aber überall breit, teils wird in den Strophen deftiger gezockt als in den Refrains.
Am Ende wollen DANZIG mit "Pull The Sun" noch die Urväter dieses und eigentlich aller Genres zitieren, an die majestätische Erhabenheit von BLACK SABBATH kommen sie trotz Tony Iommi - Gedächtnisriff nicht heran. Dass es zwischendurch wieder ziemlich ruhig wird, gibt Glenn Danzig weitere Möglichkeiten, sein schauriges Organ zu präsentieren, nur selten zuvor stand er so im Mittelpunkt. Ob das nun ein absichtlicher Egotrip ist oder dem spartanischen Arrangements geschuldet, lasse ich mal dahin gestellt. (Pfälzer)

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 46:12 min
Label: AFM Records
Veröffentlichungstermin: 26.05.2017

Bewertung:

Pfaelzer6,5 6,5 / 10


David7,5 7,5 / 10

Jochen7,0 7 / 10

Klaus 5,0 5/ 10

Maik5,0 5 / 10

Matthias7,5 7,5 / 10

Pascal7,0 7 / 10

Alex2 7,07 / 10


danzig blackladencrown700

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