magnum tourplakatEin mittelschweres Erdbeben, für die Verhältnisse der Briten gerechnet, schockte die Anhänger vor gut einem Jahr. Nach fast vierzig Jahren verließ Keyboarder Mark Stanway die Truppe und zugleich verabschiedete sich Drummer Harry James eher leise. Der hatte wieder verstärkt bei THUNDER zu tun, während man über die Gründe von Stanway nur rätseln kann. Doch aus der Not wurde eine Tugend gemacht, denn zuletzt schlich sich allzu viel Routine bei MAGNUM ein und nach mehreren „Nummer Sicher“-Treffern wollte das letzte Studiowerk „Sacred Blood „Divine“ Lies“ nicht so richtig zünden. So hatte man die Chance mit Schlagzeuger Lee Morris und Rick Benton an den Tasten frisches Blut in die Band zu holen, was sich auf „Lost On The Road To Eternity“ direkt auszahlen sollte. Damit hat man das beste Album seit langem auf den Markt gebracht, es rockt wieder und die Ideen zeugen von Mut. Nun stand die Livefeuertaufe bei einer ganze Reihe Deutschlandkonzerten an, bei denen sie von den russischen Hard Rockern RED´S COOL begleitet wurden. NECKBREAKER nutzte die Gelegenheit, um im legendären Colos-Saal in Aschaffenburg dabei zu sein.

RED´S COOL
Bislang habe ich nur wenig von der Formation mitbekommen, außer dass es sich hierbei um ein jüngeres Signing von Steamhammer/SPV, dem Label des Hauptacts handelt. Ich erfuhr auch erst kurz vor Showbeginn sowohl von deren Auftritt wie auch deren Herkunft. Hard Rock aus Russland, da gab es mal, ganz lange her, in der Post-Wende-Ära GORKY PARK, die sich aber trotz einigen Hypes nicht durchsetzen konnten. Die verlegten sich ihrerzeit auf poppige Arrangements und dicke Chöre, so weit weg war der Opener an dem Abend da nicht. Nur fiel mir sofort auf, dass außer Frontmann Slava Spark ein Mikrofon hatte und auch einen Keyboarder konnte ich bei all den zu hörenden Synths nicht ausmachen. Da verbuchte die Truppe direkt mal einen dicken Minuspunkt, denn so viel Material sollte man nicht vom Band spielen, ihr seid ja keine Symphonic Rocker.

So brauchte ich erst einmal eine gewisse Einarbeitungsphase in den Vortrag, denn so punktgenau konnten RED´S COOL den Vorgaben vom DAT nicht folgen, was sich beim nicht ganz optimalen Sound ebenfalls negativ auswirkte. Versuchte man sich aber in die Songs hinein zu finden, stellte man fest, dass die Herren einen der westlichsten Stile überhaupt, den Hair Metal recht überzeugend komponieren konnten. Lieder wie "Strangers Eyes" oder "My Way" vom aktuellen Output "Press Hard" hatten Schmiss und Power, konnten dazu mit knalligen Arrangements punkten. Dazu boten vor allem Spark und Bassist Dmitry Pronin eine sehr engagierte Leistung, ihnen war anzusehen, dass der für sie der Platz vor der MAGNUM-Backline bei weitem nicht ausreichte.
Vor allem der Sänger ging direkt auf Tuchfühlung mit den vorderen Reihen und warf sich in alle erdenklichen Posen. Darüber hinaus waren beide optisch eindeutig im Rockstar-Modus, was das ganze etwas authentisch machte. Betont cool gab sich Bandgründer Sergey Fedotov am rechten Bühnenrand, der mit Sonnenbrille und entsprechender Gitarrenlackierung eher den Achtziger-Sportwagenfreak gab. Er überließ Ilya "LU" Smimov viele Solospots, der dieser mit viel Freude zockte, obwohl er mit seinem bunten Neunziger-Hemd nicht ganz so ins Bild passte. Von hinten trieb Andrey Kruglov seine Mitstreiter mit seinen kraftvollen Schlägen immer wieder an, und zeigte dabei das ein oder andere Kunststück.

Durch die sehr ansprechende Performance gewann man so langsam die Menge für sich, auch wenn man kaum mehr als Achtungsapplaus verbuchen konnte. Doch die Stücke waren griffig, so dass sie sich zumindest etwas im Ohr festsetzen konnten, dazu fielen die Refrains meist hymnisch aus. So gelang es der Formation zu "Bad Story" aus dem gleichnamigen Debüt ein paar Leute zum Mitsingen zu animieren, was auch bei den Muckern wohlwollend aufgenommen wurde. Mit so viel knackigen Songs im Gepäck hätte da mehr gehen können, doch die angeführten Kritikpunkte verhinderten größere Weihen. Mit vollem Liveaufgebot auf einer größeren Bühne, könnte das durchaus überzeugend rüberkommen, leider kaschierten sich die Fünf aus dem früheren Leningrad in der Hinsicht selbst.

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MAGNUM
Als nach einer halben Stunde die Lichter endlich ausgingen, war der Lautstärkepegel im Publikum schon höher als beim kompletten Gig der Vorband. Man kennt sich, im Classic Rock ist der Colos-Saal eine Vorzeigeadresse, weswegen der Headliner dieses Venue kaum auf einer Tournee auslässt. Zu Beginn gab es etwas überraschend kein Stück des starken neuen Longplayers, sondern eines aus den ersten Outputs nach der Reunion. Das ließ die Stimmung natürlich trotzdem hochschnellen, denn auch jene Titel werden mittlerweile wie Klassiker begrüßt. Sofort fiel auch der bessere Klang als beim Support auf, wobei das auch daran gelegen haben könnte, dass hier alles ohne Netz und doppelten Boden, dafür sauberer gespielt wurde.

Endlich konnten auch mal die Keyboards live Akzente setzen, wenngleich Benton sich optisch merklich zurück nahm im Bandgefüge. Seine Mitstreiter hingegen hielten immer den Kontakt zu ihm, während er zufrieden hinter seinen Tasten grinste. Sein wuchtiger, fast orchestraler Korg-Sound ist genau das richtige um den bombastischen Kompositionen die Erhabenheit zu verleihen. Dem zweiten neuen Mann konnte man etwas skeptischer begegnen, immerhin hat er mit PARADISE LOST etwas andere musikalische Wurzeln.
Doch es ist eben jener Metalbackground, der seinem Spiel den Punch gibt, um aus der zuletzt ein wenig eingerosteten Truppe wieder mehr heraus zu holen. Vor allem ist es sein Enthusiasmus, der die übrigen noch mehr mitreißt als der wie immer agile Bassist Al Barrow. Das Rhythmusgespann hatte die ganze Zeit den Spaß in den Backen und selbst der neue Mann suchte hinter den Kesseln den Kontakt zum Publikum. Etwas das bei seinem früheren Arbeitgeber undenkbar gewesen wäre, ebenso wie das Wirbeln mit den Stöcken, aber die Freude daran war ihm anzusehen.
Mit ihm hat Mainman Tony Clarkin einen guten Fang gemacht, denn er bringt genau die Power ein, die zuletzt zu schwinden schien. Der Gitarrist verübte seinen Job wie immer etwas stoischer, doch die Zufriedenheit über den Gig blitzte immer wieder aus seinen Augen. Doch er war eher damit beschäftigt aus seinen sechs Saiten jene großartigen Atmosphären zu zaubern, mit denen er seine Anhänger seit Jahrzehnten verwöhnt. Vom Bartwuchs her nähert er sich auch wieder den Achtzigern an, am Kinn darf es wieder mächtig sprießen, zum Glück versteckt er nicht wieder jede Mimik hinter einer Hutkrempe wie seinerzeit.

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Die größte Freude hatte aber wie immer der mittlerweile vollständig ergraute Frontmann, der trotz seiner siebzig Lenze immer noch bestens bei Stimme ist. So wackelig wie er auch manchmal wirkt, für sein Alter ist er immer noch topfit und zelebrierte jede Phrasierung. Man konnte sehen, wie er für die Bühne lebt, wie er seine Fans liebt, so etwas hält ewig jung- Überraschenderweise hatte sich vorne sehr viel jüngeres Volk eingefunden, um dem Mann zu huldigen, der mit seinen, wie immer eigenwilligen Gesten über die Bühne turnte.
Und es gefiel ihm, ihnen ganz nahe zu sein, immer wieder nahm er fast zärtlich die Hand eines Zuschauers und hielt sie ein paar Sekunden. Dann wiederum ließ er einen Schellenkranz durch die Frontreihe wandern, wobei er darauf achtete, dass jeder Mal in den Genuss des Instrumentes kam. Ich glaube, er kann ohne gar nicht leben, das hält ihn im Alter noch so fit, deswegen tritt er auch nur allzu gerne mit AVANTASIA auf.

Wo wir gerade bei dem Rockoper-Projekt sind, leider hat sich die Kollaboration mit deren Mastermind nicht ergeben, immerhin ist Tobias Sammet schon öfter im Colos-Saal gesichtet worden. So wurde der Titelsong eben komplett von Catley gesungen, welcher als erster vom neuen Album kam. Zu Beginn wechselte man zwischen diesem und seinem Vorgänger hin und her, was mir persönlich etwas viel von dem eher schwachen Werk war. Da hätte man lieber auf „Escape From The Shadow Garden“ oder „On the 13th Day“ zurückgegriffen.
Noch mehr Stimmung kam dann natürlich bei den Beiträgen vom Klassiker „On A Storytellers Night“ auf, bei denen das Publikum die Band fast übertönte. Man musste echt genau nachschauen, ob da wirklich nur 500 Leute anwesend waren, aber mehr gibt das Gemäuer nicht her. Doch das war eben nur typisch für diesen Club, der jedem Act einen besonders warmen Empfang bereitet. Auch dadurch, dass hier stets die Musiker nach der Show für Autogramme zur Verfügung stehen, entsteht hier eine besondere Bindung zwischen Künstler und Fan.

Am Ende gab es bei den Zugaben noch ein paar Überraschungen, die alle wohlwollend aufgenommen wurden, wobei das Fehlen von „KIngdom Of Madness“ zu keiner Zeit beklagt wurde. Abwechslung tut auch bei den größten Hits immer mal wieder gut, so gab es zum Abschluss des regulären Sets ein Wiedersehen mit dem großartigen Epos des „Wings Of Heaven“-Albums. Auch die frühe Bandhymne, welche 1991 den Titel für das Livealbum gab, ist seit einiger Zeit wieder fester Bestandteil des Sets. Für das letzte große Singalong sorgte dann die sicher etwas kitschige Ballade aus „Vigilante“-Zeiten, doch es war genau der Stoff, bei dem Band und Publikum nach einhundert Minuten noch einmal alles geben konnten, um einen tollen Abend ausklingen zu lassen. (Pfälzer)

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Setlist MAGNUM:
When We Were Younger
Sacred Blood „Divine“ Lies
Lost On The Road To Eternity
Crazy Old Mothers
Without Love
Your Dreams Won´t Die
Peaches And Cream
How Far Jerusalem
Les Morts Dansant
Show Me Your Hands
All England Eyes
Vigilante
Don´t Wake The Lion (Too Old To Die Young)
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The Spirit
When The World Comes Down

Alle Photos von Anna

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