Brother Firetribe - Feel The Burn

brotherfiretribe feeltheburnAls die Finnen mit ihrem Hair Metal Mitte der Nullerjahre um die Ecke bogen und damit ein Feld besetzten, das eher von den schwedischen Nachbarn bestellt wird, war die Überraschung groß. Speziell die beiden ersten Scheiben konnten ungemein überzeugen und sich von der Konkurrenz absetzen. Dann wurde es aber lange ruhig um die Truppe, und auch die Qualität konnte nicht mehr ganz gehalten werden. Zwar kann man mit dem neuen Longplayer den Drei-Jahres-Rhythmus halten, muss aber mit Gitarrist Emppu Vuorinen den Abgang des prominentesten Mitglieds kompensieren. Dessen Nachfolger Roope Riihijärvi kommt nun auf "Feel The Burn" zum Einsatz, brennt es endlich wieder bei BROTHER FIRETRIBE?

Ein wenig auf Sparflamme lodert das schon, um es gleich vorweg zu nehmen. Schon der Vorgänger "Sunbound" schielte deutlich in Richtung allzu poppiger Tendenzen, was einiges an Ecken und Kanten kostete. Dabei darf man nicht vergessen, dass ihr Melodic Rock im Fahrwasser von SURVIVOR und LOVERBOY davon ohnehin nur bedingt hatte und nun noch weniger die Zähne zeigt. Das macht alleine der Opener "I Salute You" deutlich, der zwar alles auffährt, was ein Song des Genres braucht, aber nicht so aus dem Quark kommt. Der Refrain ist hymnisch, die Steigerung zu Beginn nimmt den Hörer mit, mit Melodien wird weiter um sich geworfen, doch irgendwie ist der Drive etwas abhanden gekommen.

Das könnte eben an der Hinwendung zu noch mehr Pop, oder soll ich sagen Eurodance liegen, denn stur durchexerzierte Beats haben noch immer die Stimmung und Dynamik eines Liedes gen Nirgendwo gedrückt. Natürlich muss man den Jungs zu Gute halten, dass sie sich damit von den früheren Vorbildern emanzipiert haben, doch auch diese Herangehensweise ist nicht neu, auf der Wiese spielen AMARANTHE und BEAST IN BLACK schon länger.
Das kann durchaus funktionieren wie man im abschließenden "Rock In The City" nachhören kann, rockige Attitüde, kitschige "OhOh"-Chöre und Fanfaren treffen auf Beat-Unterfütterung, die Spaß macht. Leider hätte bei zwei der besten Kompositionen die konventionellere Gangart mehr Wirkung entfalten können, was besonders auf die bluesigen Licks zu Beginn von "Candle In The Window" zutrifft. Doch auch die ansatzweise Epik von "Battle Ground" scheitert, nicht nur vom Titel her kommen TEN-Vergleiche auf.

Jedoch trifft das Verbleiben in den Eighties auch nicht immer ins Ziel, wie das etwas steife "Arianne" beweist, welches am tiefsten im AOR-Jahrzehnt fußt. Besserung bringt das rockige "Ticking Away" mit mehrstimmigen Shouts und knalligen Arrangements. Und dann natürlich "Chariots Of Fire", in dem der Bass über die typisch zurückgenommene Strophe tänzelt, bevor der Chorus alle Hände in den Stadionhimmel befördert, Hüpfalarm inklusive. Endlich mal ein Stücke, das auf den beiden ersten Alben nicht aufgefallen wäre. So geht es auch in der obligatorischen Ballade "Love Is A Beautiful Lie" weiter, dessen Strophe vom Piano getragen wird und erwachsener tönt, also eher dem Ende der angesprochenen Dekade zugeht.

Ein bisschen aus dem Schema brechen BROTHER FIRETRIBE bei "Bring On The Rain" und der Single "Night Drive" aus, was der Scheibe gut tut. Ersteres fügt BON JOVIs "Living On A Prayer" noch mehr New Wave-Klangwelten bei und vermengt sie mit zeitgemäßem Chorus. Noch sphärischer gibt sich zweitgenannter Titel, fast schon ein Stück weit düster, dann mit sich steigernden Beats. So konnte der Sprung in die Jetztzeit vollzogen worden, den "Feel The Burn" nicht ganz schafft. Aber die Finnen sind auf einem guten Weg, das traditionelle Genre für die heutige Jugend aufzubereiten. So interessant das klingen mag, ich persönlich mag es dann doch lieber herrlich altmodisch wie es einem THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA servieren. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,0 7 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 40:33 min
Label: Odyssey Music Network/Rough Trade
Veröffentlichungstermin: 18.09.2020

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