Night Ranger - ATBPO

nightranger atbpoDie Karriere von NIGHT RANGER lässt sich in drei Phasen einteilen, wobei natürlich die Stadionphase der Achtziger den meisten Eindruck hinterlassen hat und sogar in Hollywood sehr beliebt war. In den Neunzigern folgte eine schleppend anlaufende Reunion mit einem inoffiziellem Album und ein paar weiteren Releases, die aber kaum Beachtung fanden. Doch Frontiers haben wie so oft alte Helden zum Leben erweckt und seit etwa fünfzehn Jahren gibt es im Takt von drei vier Jahren neue Alben auf dem Markt. Das Line-Up scheint auch stabil, und von der Pandemie ließ man sich zumindest im Studio nicht aufhalten. "ATBPO" legt Zeugnis davon ab und beweist, dass man noch lange nicht aufs Altenteil will.

Das seltsame Kürzel steht für "And The Band Played On", also jene Attitüde, welche der Band durch die schwere Zeit half, indem man, wenn auch räumlich getrennt weiter spielte. Heraus gekommen ist erst einmal ein eher ungewöhnlicher Opener, denn die Riffs tönen doch recht zeitgemäß aus den Boxen. Der cheesy Refrain und ein ruhiger Mittelteil zeugen in "Coming For You" eher von den Urhebern. Das ist nicht das einzige Mal, dass sich die AOR-Helden im moderneren Fahrwasser bewegen, das dezent an das inoffizielle "Feeding Off The Mojo" erinnert. Speziell "Monkey" fährt die selbe Schiene, langt sogar noch etwas deftiger zu.

Leicht in die Richtung tendiert noch "Cold As December", dass wie der Opener ebenso vom ständigen Wechsel ins traditionelle Fach lebt. Schon der Piano-Einstieg lassen an klassische NIGHT RANGER-Tage denken, während die beschwingte Strophe etwas von RAINBOW´s "All Night Long" hat. So richtig zu ihren angestammten Präferenzen gehen sie aber nur in "Breakout" und "Tomorrow" zurück.
Wunderbar süffige Melodien, viele Leadfills und rockige Attitüde vereinen sich zu klassischem Melodic Rock, vor allem letztgenannte Nummer kommt mit dem sonnigen Anstrich ihrer kalifornischen Heimat daher. Ähnlich ist "Dance" gelagert, wobei hier die poppigen Elemente noch stärker zur Geltung kommen, ebenso die dominanten Drums. Mit dem hymnischen, mehrstimmigen Refrain wird daraus noch mehr eine Hommage an DEF LEPPARD.

Britische Facetten bringt dazu noch "Hard To Make It Easy" ein, welches mit THIN LIZZY-mäßigen Twin Lead-Gitarren startet. Jene locken zwar auf eine falsche Fährte, aber nicht beim geologischen Bezug. Denn die lässige Gangart, das Honky Tonk-Piano und der fast schon soulige Chorus tönen nach feinstem Pub Rock. Ebenso angehangen, aber wiederum amerikanischer kommen Stück wie "Bring It All Home" ums Eck. Simple Riffs, ein paar angeblueste Licks nähern sich der traditionellen Musik der Staaten. Speziell die Bläser aus der Konserve lassen an AEROSMITH Ende der Achtziger denken.

Noch tiefer in den Wurzeln wird mit den ruhigen Liedern geschürft, die einen leichten Country-Anstrich tragen. Hier beweisen die Herren ein Feeling, das sie so selten gezeigt haben, feine akustische Weisen und gefühlvolle Leadfills heben vor allem "Can´t Afford A Hero" auf eine andere Stufe. Spätestens bei den Gesangsarrangements kreist der Geist der guten, alten EAGLES über "ATBPO", so kriegen das nur wenige hin.
Auf dem Niveau agieren die Fünf aber nicht immer, manches klingt etwas zu routiniert. Wobei ihnen gerade diese Erfahrung ermöglicht, die Scheibe auch unter schwierigen Bedingungen so gekonnt und auf den Punkt einzuspielen. Allerdings hätte man bei Mix und Mastering etwas weniger komprimieren dürfen. Für NIGHT RANGER-Fans etwas ungewohnt, hat die stilistische Offenheit dafür viele Überraschungen parat und erhöht die Langzeitwirkung. (Pfälzer)

 

Pfaelzer7,0 7,0 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 53:43 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 06.08.2021

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