judaspriest turboIm Hause JUDAS PRIEST grenzt es mittlerweile fast schon an Tradition. Nach den Jubiläumsversionen von "Screaming For Vengeance" und "Defenders Of The Faith" feiert das umstrittenste Album der Bandgeschichte seinen Dreißigsten. Die Rede ist natürlich von „Turbo“.

Man kann „Turbo“ als Priest-Fan ausblenden, man kann es ignorieren, als Ausrutscher bezeichnen oder schlichtweg schlecht sprechen. Oder man setzt sich damit auseinander und findet für sich selbst einen Weg damit zurechtzukommen. Fakt ist, dass JUDAS PRIEST noch nie den typischen Weg genommen haben; eine derartige Wende wie einst bei „Turbo“ sollte sich so schnell allerdings nicht wiederholen. Damit entsteht nun wohl der Eindruck, ich wäre kein großer Fan dieses Albums, und das gebe ich ungeniert zu, dennoch stellt „Turbo“ einen ganz besonderen Punkt in der Diskografie der Band dar. Mit diesem Album gingen JUDAS PRIEST in den Staaten durch die Decke, füllten Arenen, und der Drogenkonsum von Sänger Rob Halford kannte keine Grenzen mehr (so zumindest laut einem kürzlich veröffentlichten Interview). Wäre damals bereits offiziell gewesen, dass Halford in anderen Gewässern fischt, wäre der Titelsong „Turbo Lover“ von vielen Fans sicherlich anders betrachtet worden. So gesehen eine eigentlich fast schon lustige Sache, dass das Offensichtliche niemand sehen konnte, an Halfords Stelle hätte ich mich rund gelacht. Fakt ist für mich jedenfalls, dass „Turbo“ nicht so schlecht ist wie sein Ruf. Ähnlich, aber auf andere Weise wie IRON MAIDEN („Somewhere in Time“), arbeiten JUDAS PRIEST auch mit Synthesizern, das funktioniert mal gut („Locked In“, „Private Property“, „Parental Guidance“) und mal schlecht („Hot For Love“). Letzten Endes sollte jeder für sich entscheiden, was er von der Platte hält und ob er damit zurechtkommt. 1987 wurden die Fans vor den Kopf gestoßen, denn der typische Priest-Sound ist fast nicht mehr vorhanden. Das dürfte mitunter auch der größte Kritikpunkt an dieser Platte sein, die Songs hingegen haben auf ihre Art eine ganz eigene Klasse. Doch von „Hell Bent For Leather“ zu „Wild Nights, Hot & Crazy Days“ ist es, gerade als Fan, eben ein schwieriger Schritt.

Doch hier soll es nicht um das Album an sich gehen, sondern in gewisser Weise um die Wertigkeit der Neuauflage. Denn dies stellt mittlerweile, nicht nur für die Musikindustrie, ein ernst zu nehmendes und beliebtes Geschäft dar. Die bisherigen Jubiäums-Editionen boten den Fans ein Rundum-Paket. So sieht es auch diesmal aus, neben dem routinemäßigen Remastered-Album gibt es eine Doppel-Live-CD von einer Show der „Fuel For Life“-Tour aus Kansas City. Und dieser Doppeldecker hat es in sich, als Fan frage ich mich dabei jedes Mal, warum solche Schätze im Archiv liegen bleiben. Die Soundqualität ist top, ebenso wie Halford gesanglich, die Setlist ist grandios („Desert Plains“, „Victim Of Changes“, „Some Heads Are Gonna Roll“, „The Sentinel“) und zu jeder Minute ist die grandiose Live-Energie dieser Band zum Greifen nahe. Allein wegen dieser Doppel-CD lohnt sich die Anschaffung bereits, natürlich wäre eine DVD in gewisser Weise noch wertiger gewesen, aber auch mit der CD hat man als Fan seinen Spaß.

Die Aufmachung der 3-CD-Version in einem Digipak, das als Klapp-Cover gestaltet ist, wirkt auf den ersten Blick gut, aber das Verstauen der CDs ist nicht optimale gelöst - doch damit lässt sich leben. Das Booklet fällt zwar nicht besonders dick aus, bietet aber mit einem Vorwort der Band und Fotos der Tour ein paar interessante Einblicke in die sonst so versteckte Welt der Band.

Für JUDAS PRIEST-Fans ist dieser Release ein klarer Pflichtkauf. Jeder der mit „Turbo“ nie so ganz zurechtgekommen ist, kann es hier nochmal versuchen. Wenn es nicht klappt, legt man eben die Live-CDs auf und fährt mit der Harley durchs Wohnzimmer. Nein, natürlich nicht, man erfreut sich schlichtweg an einer Band auf einem ihrer vielen Livehöhepunkte. (Pascal)


Bewertung:

Pascal9,0 9 / 10


Anzahl der Songs: 9 (CD1) / 11 (CD2) / 9 (CD3)
Spielzeit: 41:05 min (CD1) /52:29 min (CD2) / 49:06 min (CD3)
Label: Sony Music
Veröffentlichungstermin: 03.02.2017

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airbournes Avatar
airbourne antwortete auf das Thema: #20499 4 Monate 2 Wochen her
Es war in der damaligen Zeit ein regelrechter Bruch. Mit den Synthesizern im Metal musste ich mich auch "anfreunden", machte aber meinen Frieden mit den von Pascal genannten Titeln.
Pfaelzers Avatar
Pfaelzer antwortete auf das Thema: #20498 4 Monate 2 Wochen her
Ich liebe diese Platte! Ich liebe auch "Somewhere In Time"! Nur selten gelingt etwas, wenn man etwas anders versucht, JUDAS PRIEST zeigten, dasss sie auch das können!

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