Accept - Too Mean To Die

accept toomeantodienb mehrfachwertungNach der Reunion der Metallegende kamen die Outputs in immer größeren Abständen, für das neue Album benötigte sie dreieinhalb Jahre. Neben den allgemeinen Verzögerungen aufgrund der aktuellen Weltlage war die mittlerweile international aufgestellte Solinger Stahlschmiede alles andere als untätig, unter anderem wurde eine Tour mit Orchester absolviert. Da ersetzte Phil Shouse den zweiten Gitarristen Uwe Lullis, und als der wieder dazu stieß machte man einfach mit drei Axtmännern weiter. An den vier Saiten verließ Gründungsmitglied Peter Baltes die Band und wurde durch Martin Motnik ersetzt. Kann der viele frische Wind bei ACCEPT die Kreativität beflügeln oder macht sich auf "Too Mean To Die" die Routine breit, wie sich auf dem Vorgänger "The Rise Of Chaos" andeutete?

Zum Auftakt klingt das eher weniger nach den typischen Riffs, die würde ich bei "Zombie Apocalypse" eher bei JUDAS PRIEST verorten, ein Eindruck, den man später auch bei "Symphony Of Pain" gewinnen könnte. Natürlich ist das immer noch feiner Edelstahl und weit weg von der NWOBHM war man ohnehin nie, gerade die Hohepriester lugten schon früher, etwa bei "Flash Rocking Man" um die Ecke. Natürlich fällt es bei den gleichen Einflüssen und der gleichen Ära schwer sich da wirklich abzugrenzen, ein "You´ve Got Another Thing Coming" würde auf jedem ACCEPT-Album gemütlich seinen Platz finden.

Überhaupt wurde die etwas moderne Marschroute der letzten Scheibe etwas zurückgefahren, bis auf das zeitgemäß groovende "Sucks To Be You" gibt es keine Tendenzen in diese Richtung. Auch das Drumming von Christopher Williams hat mehr Variabilität, der Mann scheint sich erst jetzt akklimatisiert zu haben. Das zeigt er auch bei ein paar rockigeren Arrangements, welche die Songs flüssiger gestalten. Dieses gewollt Harte von "The Rise Of Chaos" ist mehr Melodie gewichen, auf der anderen Seite klingt aber der Sound von Andy Sneap nicht so messerscharf wie gewohnt, gerade die Solo haben nicht mehr diesen brillanten Schein.

Welche Ausführung von ACCEPT man nun lieber mag ist Geschmackssache, wichtig ist, dass sie nicht ständig das selbe Album noch einmal veröffentlichen. Eine gewisse Entwicklung tut gut, zumal sich die Truppe sich nie zu weit von ihren Wurzeln wegbewegt wie öfter in der Vergangenheit. Von der Linie auf "Too Mean To Die" profitiert vor allem der Riffrocker "Overnight Sensation", dessen Chöre absolut typisch klingen und somit in der Tradition von "Living For Tonite" stehen.
Jene maskulinen Chöre sind ebenfalls ein Trademark im Metal, welches von den Deutschen auf den Weg gebracht wurde, die ja auch immer einen tollen Kontrast zur rauen Stimme ihrer Sänger boten. Auch bei "The Undertaker" sind sie herzlich willkommen, wobei wir bei dem Stampfer mit dem pumpenden Bass gleich auf das nächste Erkennungsmerkmal treffen. Das ruhige, fast akustische Intro und das feine, warme Solo gestalten die erste Single noch interessanter.
Weitaus ruhiger fällt "The Best Is Yet To Come" aus, eine derart reinrassige Ballade hat es womöglich seit "Seawinds" auf dem Debüt nicht mehr gegeben. Man muss schon zweimal hinhören, um da wirklich Mark Tornillo als Vokalisten auszumachen. Ein weiteres Indiz der neuen Offenheit der Truppe, die auf dem neuen Album mehr als nur Heavy Metal machen will. Dazu transportiert die Nummer eine positive Botschaft, in unserer Zeit wichtiger denn je.

Wie man mit den Arrangements spielt beweist ja das bereits angesprochene "Symphony Of Pain", in dessen Refrain sich fast doomige Gitarren mit der DoubleBass duellieren. Williams fordernde Arbeit hinterm Kit wechselt sich in der Strophe von "Not My Problem" toll mit den knackigen Riffs ab, nach dem Chorus kontern noch zackigere Salven des Dreiergespanns die darin enthaltenen Chorgesänge. Und für das gesteigerte Tempo in "No Ones Master" kommt der Track erstaunlich locker daher und wird von melodischen Leads garniert. Mit einem etwas anderen Ansatz als auf dem Vorgänger schaffen es ACCEPT wieder einmal edlen Stahl zu schmieden, aber ebenso wie jener kann die jüngste Produktion nicht ganz an vergangene Großtaten anknüpfen. (Pfälzer)

 

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 51:31 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 29.01.2021

Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Maik8,0 8 / 10

Ral5,0 5 / 10

Alex29,0 9 / 10

Pascal 7,57,5 / 10

Ebi 8,58,5 / 10

Ral8,0 8 / 10


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