Au wei, Au wei! Bei dieser Scheibe schwante mir schon im Vorfeld Böses. Kollege Sebastian ließ am Projekt des Franzosen Sébastian Regnier bei der Vorgänger-Scheibe "Dazzling Dawn" bereits kein gutes Haar. Aber wenn im Falle von ECLECTIKA schon nicht aller guten Dinge "Drei" sind, hoffte ich, dass wenigstens Output Nummer Vier nicht allzu furchtbar werden würde.
Aber in diesen Tagen ist manche Hoffnung leider einfach nur vergebens...
Dabei dachte ich im ersten Augenblick noch, dass "Lure Of Ephemeral Beauty" ja gar nicht mal sooo verkehrt klingt - das Intro ist zumindest versucht, episch zu klingen - hat man in dieser Form zwar schon tausend Mal gehört, aber trotzdem hat man noch die Motivation, weiter zu lauschen. Auch den danach einsetzenden Titeltrack kann man anfangs noch unter die Kategorie "OK" einsortieren - der Frauengesang ist jedenfalls nicht so furchtbar wie offensichtlich beim Vorgänger; hochwertig klingt dennoch nach wie vor anders.
Kritischer wird´s dann beim nächsten Track, "Cyclic Anagnorisis": Hier wird der Drum-Computer aber mal so richtig schön vergewaltigt! Schepper-Schepper, Ding-Tik-Di-Tik, Klick-Da-Duff-Da-Dak. Horror! Und das Riffing verharrt ebenso auf Grundschul-Niveau, das Solo in der Mitte des Songs ist immerhin hörbar. Ok, nächster Track. Akustik-Klampfen, schleppender Beginn, immerhin mal was anderes. Aber jetzt gerät Madame Chanteuse aber mal richtig schräg! Hört dass Monsieur Regnier denn selbst nicht?! Ich schüttel mir kurz die Gänsehaut des Grauens vom Leib und wandere weiter zum nächsten Track "Sophist’s Death: Legacy And Bitter Tears". Bittere Tränen ist ein gutes Stichwort. Diese vergieße ich gerade ob des vergeudeten Zeitaufwands für diese Scheibe. Da hätte ich auch das alljährliche Hallenhalma-Tunier der Herren im Stehen, sitzend anschauen können!
Oh, ein atmosphärisches Zwischenstück namens "Trauma 835" - wieder "Nomen est Omen?". Nicht ganz: Kein Drumcomputer, kein schiefer Gesang - das sind auf dieser Scheibe schon Qualitätsmerkmale!
Next One: "Sweet Melancholia", eine Ballade. Oh Mann. Das treibt mich eher zum "Sweet Alkoholika". Flamenco-Gitarren, kitschige Streicher und Madame Heulboje machen die Nummer zum Graus. Wenn ihr mal ein Date zuhause schnell loswerden wollt, legt diesen Song auf! Furcht-bar, wirklich! Und ich hab echt gleich keine Lust mehr. Dabei sind es noch drei Songs! "Les Sept Vertus Capitales" und "Handicapped Sex In A Mental Orgy" (was für ein Songtitel!) gehen grad noch so in Ordnung.
Nur noch ein Song. Licht am Ende des Tunnels! Mist, "Aokigahara" hat zehn Minuten! Aber ok, das schaffe ich auch noch! Ah, offensichtlich ein Instrumental. Das schont immerhin die Gesangs-malträtierten Ohren ein wenig; und hier bewegt sich Regnier ein wenig in ALCEST´sche Sphären, allerdings ohne nur annähernd Neige´s Gespür für traumhafte Sequenzen zu entwickeln. Naja, wenigstens beförder ich somit diesen Silberdeckel nicht durch das offene Fenster.
Trotzdem: ECLECTIKA bereichern die Musik-Welt nach wie vor nicht - vielleicht sollte auch Regnier so langsam aber sicher seinen Drum-Computer und die Möchtegern-Opern-Trullern einpacken und Ruhe geben, das wird in diesem Leben wohl eher nix mehr! (Brix)
Bewertung: 3 / 10
Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 58:45 min
Label: Asylum Ruins Records
Veröffentlichungstermin: 08.11.2012
