Sólstafir - Endless Twilight Of Codependent Love

solstafir endlesstwilightofcodependentloveIch muss zugeben, als ich zum ersten Mal den Titel des neuen SÓLSTAFIR-Albums gehört und das Cover dazu gesehen habe, dachte ich: „Da fuck happened to SÓLSTAFIR?“ Was ein Monstrum von Titel, insbesondere vor dem Hintergrund der letzten Albumtitel, die allesamt nur aus maximal 2 Worten bestanden. Und dazu dieses bonbonfarbene Kitschcover. Gruselig. Tatsächlich ist das Cover dann aber dennoch recht bedeutsam, handelt es sich doch um die personifizierte Darstellung Islands in einem Gemälde des deutschen Malers Johann Baptist Zwecker von 1864, das lange verschollen war und erst vor kurzem in einem Lager eines Museums wieder aufgetaucht ist. Es gibt also durchaus einen berechtigten Grund für die Verwendung dieses Covers. Ich find’s dennoch gruselig. Die Romantik ist einfach nicht meine Epoche.

Aber sei’s drum. In erster Linie geht es hier ja um die Musik. Der englische Titel lässt einen erst mal befürchten, dass das Album nur englischsprachige Songs enthalten könnte. Was ja nun grundsätzlich auch nichts neues für die Band wäre – aber ich mag die isländischen Texte einfach lieber. Doch auch hier kann Entwarnung gegeben werden – es gibt letztendlich nur einen einzigen Song mit englischem Text auf dem Album.

Und musikalisch? Wenn SÓLSTAFIR drauf steht ist auch SÓLSTAFIR drin. Damit könnte man das Review im Grunde schon beschließen. Ob man selbst das nun eher gut oder eher schlecht findet, das muss ja jeder für sich entscheiden. Mir persönlich fehlt seit ein paar Alben die Entwicklung der Band. Sicher, was die Isländer hier abliefern ist gut und es gibt auch eigentlich nichts zu meckern. Aber irgendwo wiederholen sie sich auch, was es auf die Dauer – auf hohem Niveau – etwas langweilig macht.

Schon beim Opener „Akkeri“ ist sofort bei den ersten Tönen zu erkennen, wen man hier vor sich hat. Der Song beginnt so dermaßen typisch für SÓLSTAFIR – und ist vielleicht gerade deshalb ein guter Song geworden. Hier weiß man, was man bekommt. Der Song geht dank dem typischen SÓLSTAFIR-Drive sofort ins Ohr und wird trotz über 10 Minuten Spielzeit einfach nie langweilig.

Besser gefallen mir persönlich jedoch Songs wie „Drýsill“. Dieser ist nach einem vielversprechenden Anfang zunächst über weite Strecken ruhig, um dann gegen Ende mit galoppierenden Drums deutlich Fahrt aufzunehmen. Diesen galoppierenden Rhythmus verwendet man auf dem Album auch noch öfter, z.B. in „Dionysus“, dem wohl härtesten Song des Albums. Das ist einerseits nett, weil der Rhythmus halt einfach mitreißt, andererseits dann auch wieder zu viel Wiederholung.

„Rökkur“ ist dagegen mal was anderes. Streicher und Synths leiten den Song ein, der ansonsten über weite Strecken ruhig dahingleitet, Aðalbjörn Tryggvason spricht oft mehr als dass er singt, kann sich aber bis zur puren Verzweiflung steigern und viele Emotionen darstellen. Der einzige englischsprachige Titel, „Her Fall From Grace“ kann mich dagegen trotz der an sich guten Thematik nicht überzeugen, der Song ist mir insgesamt einfach zu poppig geraten. Da ist „Dionysus“ doch eine ganz andere Hausnummer. Hier steigert sich der Sänger bis hin zu angedeuteten Growls, auch instrumental wird der Song immer intensiver und härter, bis er leider ein viel zu frühes und plötzliches Ende findet. Ganz klar einer meiner Favoriten auf dem Album, der etwas an die Anfangstage der Band erinnert.

Da ist „Til Moldar“ danach ein starker Gegensatz. Ruhig und sanft, mit zartem Gesang und nur spärlich instrumentiert wird hier der Stille viel Raum gewährt. Ein wirklich schöner Song zum Augen schließen und Träumen. Und anschließend gibt es wieder so ziemlich genau das, was man erwartet, wenn SÓLSTAFIR draufsteht. Das ist gut, das ist nett, aber eben auch wenig überraschend und irgendwie – ja, zu vorhersehbar.

Gut gefällt mir dagegen „Or“, dieser ruhig vor sich hin rockende Song, der stellenweise schon Richtung Swing geht und schon mit seinem leicht an Westernsaloons erinnernden Klavierintro begeistert und gegen Ende dann nochmal richtig Fahrt aufnimmt. Auch eines der Highlights dieses Albums, das ansonsten doch eher vorhersehbar ist. Ja, es ist nicht schlecht, tatsächlich sogar richtig gut und SÓLSTAFIR-Fans werden dieses Album sicher lieben und das ist es ja, worauf es letztendlich ankommt. Aber mich kann es dann doch nicht so ganz überzeugen. (Anne)


Bewertung:

Anne7,0 7 / 10

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 62:57 min
Label: Seasons Of Mist
Veröffentlichungstermin: 06.11.2020

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