Sylvaine - Nova

sylvaine novaVon SYLVAINE bin ich ja schon lange begeistert. Komponistin und Multiinstrumentalistin Kathrine Shepard, die Frau hinter SYLVAINE, kann einfach immer wieder mit wunderbaren Veröffentlichungen punkten. Ziemlich lange hat es nun gedauert, bis der Nachfolger zu „Atoms Aligned, Coming Undone“ endlich veröffentlicht wurde. Dass das Album sehr persönlich geworden ist, das erkennt man schon am Cover, auf dem die Sängerin gänzlich nackt zu sehen ist und auch die Texte stellen in gewisser Weise einen Striptease dar.

Eingeleitet wird „Nova“ von sphärischem, sanftem Gesang in einer Fantasiesprache, die diesem Stück einen ganz besonderen Zauber verleiht. Entfernt erinnert der Titeltrack an alte norwegische Gesänge, aber als Fan von „Herr der Ringe“ kommt man auch nicht umhin, das Bild von durch die Wälder gen Westen ziehende Elben vor Augen zu haben. Mit ihrer zarten Stimme entführt uns Sylvaine in andere Welten, bevor uns „Mono No Aware“, das bereits vorab veröffentlicht wurde, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Dabei hat man darauf geachtet, den Übergang harmonisch zu gestalten, so dass der Aufprall nicht ganz so hart wird.

Dass „Mono No Aware“ fast 10 Minuten lang ist, das merkt man beim Hören gar nicht. Das Stück, in dem man alle typischen SYLVAINE-Trademarks findet wird einfach nie langweilig, Kathrine demonstriert ihren gewaltigen Stimmumfang, der von engelsgleichem Gesang bis zu fiesen Screams reicht. Auch „Nowhere, Still Somewhere“ wurde bereits vorab veröffentlicht und enthält eigentlich keine Überraschungen, sondern ist ein typischer SYLVAINE-Song – was nur Gutes bedeutet.

„Fortapt“, der einzige Song auf Norwegisch und damit eine Referenz an ihrer Heimat, ist zugleich auch der längste Song des Albums. Sanft und akustisch beginnt das Stück und baut langsam Stimmung auf. Immer wieder gibt es heftige Parts, aber der sanfte Cleangesang überwiegt. Was jedoch nicht bedeutet, dass die Screams völlig fehlen. Sehr pointiert werden sie eingesetzt und unterstreichen die Atmosphäre des Songs, die sich immer wieder wandelt, lange Instrumentalparts laden zum Träumen ein – „Fortapt“ ist ein Song, um darin zu versinken.

„I Close My Eyes So I Can See“ beginnt schon verheißungsvoll und hat im weiteren Verlauf noch die ein oder andere Überraschung in petto. Immer weiter steigert man sich, das Stück wandelt sich zum härtesten des Albums, um dann doch noch einmal eine 180°-Wende hinzulegen. Und alles passiert dabei sehr harmonisch, aber niemals glattgebügelt.

„Everything Must Come To An End“ beendet das Album so, wie die meisten Songs der Band entstehen – akustisch auf der Gitarre. Über lange Zeit bleibt das Stück sehr ruhig, über allem liegt Kathrines glockenklarer Gesang, die langen Instrumentalparts laden zum Wegträumen ein und so endet das Album ähnlich atmosphärisch und ruhig, wie es begonnen hat.

Wäre da nicht noch der Bonussong „Dissolution“, der noch einmal etwas Fahrt aufnimmt und das Album schön atmosphärisch rockend endgültig beendet. Und wie immer gilt, dass SYLVAINE überhaupt nicht enttäuschen kann. Diese Frau ist einfach unglaublich begabt und erschafft immer wieder aufs Neue atemberaubend schöne Soundlandschaften, die fortwährend zwischen Sanftheit und Brutalität schwanken. Wie so oft gibt auch an dem neuesten Album nichts auszusetzen – SYLVAINE überzeugt wieder und wieder und es ist eine Schande, dass ihr nicht die Aufmerksamkeit zuteil wird, die sie verdient hätte. (Anne)

Bewertung:

Anne8,5 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 7
Spielzeit: 49:47 min
Label: Season Of Mist
Veröffentlichungstermin: 04.03.2022

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