Ozzy Osbourne - Last Rites

Als ich erfuhr, dass ein zweites Buch von Ozzy auf dem Weg ist, war ich überrascht, gespannt und auch etwas ängstlich. Was würde mich als Fan erwarten? Würde er vieles von seinem erstklassigen ersten Buch wiederholen? Würde man nur über seine dunklen Jahre lesen, in denen er schwer geplagt durch seine gesundheitlichen Probleme war? Oder wäre es eine lose Aneinanderreihung von Geschichten, die so wirken sollen, als hätte der Prince Of Darkness noch ein weiteres Buch geschrieben, obwohl er dazu gar nicht mehr die Kraft hatte? All das ist so weit entfernt von dem, was “Last Rites” ist.

Als uns Ozzy am 22.07.2025 verlassen hat, erfuhr ich von seinem Tod, als ich bei einem guten Freund auf ein Kaltgetränk verabredet war. Wir waren beide schockiert, doch relativ schnell setzte der Reflex ein, dass ich irgendwie froh für Ozzy war. Er war nun erlöst und sein Leid hatte ein Ende. Denn alles, was man zuvor von seinem Gesundheitszustand und seinen Schmerzen wusste, klang extrem übel. Jetzt im Nachgang ist bekannt, dass es auch genau so gewesen ist und er eben alles tat, um sich bei dem finalen Konzert “Back To The Beginning” von allen zu verabschieden. Auch wenn ich anfangs viel Kritik an diesem Konzert äußerte, hatte ich diese Veranstaltung völlig falsch eingeschätzt, vor allem welchen Stellenwert sie für Ozzy selbst hatte, und so hatte ich mich einmal mehr geirrt. Doch was hat das alles mit dem Buch “Last Rites” zu tun?

Es ist sehr selten, dass sich jemand, der derart in der Öffentlichkeit steht und einen so hohen musikalischen Stellenwert hat, sich auf diese Weise von seinen Fans verabschieden kann. Wir haben nur noch sehr wenige lebende musikalische Originale, und die meisten verschwinden am Ende auf traurige und zum Teil auch sehr plötzliche Art und Weise aus unserem Leben. Natürlich ist man “nur Fan” und kennt die Person nicht persönlich, aber sie und ihre Musik begleitet einen unter Umständen das ganze Leben. Und ich kann gar nicht oft genug betonen, wie Musik Wunden heilt, schwere Zeiten überstehen lässt oder auch einfach nur einen beschissenen Montag vergessen lässt. Schlussendlich sind aber alle Musiker auch nur Menschen, und zutiefst menschlich ist auch Ozzys finales Buch “Last Rites”. Bei dem Konzert konnte er ein letztes Mal auf der Bühne sein und sich musikalisch verabschieden, mit “Last Rites” nimmt er jetzt auf noch persönlicherer Ebene Abschied von seinen Fans. So tief der Kloß am Ende auch im Hals stecken mag, wenn man auf den letzten Seiten angelangt ist, so erfüllend ist es irgendwie auch. Es fühlt sich an, als hätte man von John Michael Osbourne in gewisser Weise persönlich Abschied nehmen können, zumindest geht es mir so.

“Last Rites” ist dabei keineswegs ein Trauerspiel. Ozzy erzählt mit dem typischen britischen Humor von seinem Leiden und biegt immer wieder in interessante und lesenswerte Anekdoten ab. Der Stil ähnelt dem seines ersten Buchs,und somit ist auch “Last Rites” extrem gut zu lesen. Überschneidungen gibt es wenige, aber zumindest ein paar, was aber nicht schlimm ist und nicht ins Gewicht fällt. Eine Sache, die dabei besonders im Fokus steht, ist hingegen, wie sehr Ozzy Sharon liebte und welche einzigartige Beziehung die beiden hatten. Darüber hinaus wird auch einmal mehr deutlich, wie wichtig ihm die Fans und seine Konzerte waren, und umso mehr, wie wichtig für ihn nach all den Absagen (No More Tours II) und Verschiebungen dieses letzte Konzert in Birmingham war. Es leuchtet plötzlich ein, aus welchen Gründen er sich für die zwei Konzerte davor, bei denen er zum Teil festgebunden war, noch auf die Bühne begeben hatte. In seinem Erstlingswerk lernt man viel über den Clown Ozzy Osbourne, in “Last Rites” blickt man tief in seine Seele, ein zutiefst persönliches Buch und ein Abschied von allen. Ich bin nicht sicher, wann er die letzten Seiten für das Buch geschrieben hat, aber es kann nicht lange vor seinem Tod gewesen sein, denn die Story endet kurz nach “Back To The Beginning” und bekannterweise ist er zwei Wochen danach gestorben.

Es spielt keine Rolle, ob man das erste Buch schon gelesen hat oder nicht, im Grunde ist “Last Rites” eine eigene Geschichte oder nennen wir es eher den Abschluss seiner Geschichte, der Geschichte von Ozzy Osbourne, dem Prince Of Darkness. Danke Ozzy, Ruhe in Frieden. Auch wenn du “I Don't Wanna Change The World” gesungen hast, hast du die Welt verändert. Du hast sie mit deiner Musik und deiner unvergleichlichen Art und Weise zu einem besseren Ort gemacht und das wird auf ewig so bleiben. Danke dafür, du bist nun nicht mehr bei uns, aber deine Musik wird es immer sein. (Pascal)

Bewertung:

Pascal10,0 10 / 10


Anzahl der Seiten: 352
ISBN:‎  978-3-453-21918-2
Verlag: Heyne
Erscheinungstermin: 15.10.2025