thehelldozers carnival200pxIch frage mich oft was das sein soll, der Underground. Ist es eine Bezeichnung für die Musiker und Bands die nicht eine Superstar-Karriere anstreben? Ist es vielleicht sogar der Bereich in der Musikszene, wo Musik noch nach Lust und Laune, frei von finanziellen Zwängen zelebriert wird? Also Amateure, was immer irgendwie nach Kaninchenzuchtverein klingt? Für mich klingt das immer ein wenig überheblich und auch muffig, so wie: heb den alten Teppich nicht hoch, da liegt nur Scheiße drunter, für die sich niemand verantwortlich fühlt.

Im Grunde mag ich diese Bezeichnungen und Schubladen nicht. Schubladen und Genres sind eh nur für einfach gestrickte Geister, die sich sonst nicht an Neues heran trauen.
Leute, wenn ihr diese Musik mögt, dann besucht einfach ein Konzert in einem kleinen Klub in euer Stadt, wo jemand nach unzähligen Stunden im Proberaum seine Version von dem präsentiert, was er gerne mag.

THE HELLDOZERS können auf eine ordentliche Fanbase stolz sein, welche sie sich in den letzten Jahren seit 2010 erspielt haben. Nach meinem ersten Genuss eines THE HELLDOZERS-Gigs im MTC in Köln war ich Feuer und Flamme für die Band. Diese Urgewalt, mit dem die Herren ans Werk gehen, sieht man selten. Wenn Frontmann Tony seine rauhe Stimme erhebt erschaudert man respektvoll. Die Riffs von Gitarrist Atha funktionieren jederzeit und bleiben gut im Ohr hängen. Das Fundament bilden Bassist Philipp und mit 16 Jahren ein sehr junger Schlagzeuger: das Energiebündel Alex. Alex ist zugleich auch der Sohn von Atha. Schon faszinierend, wie der Sohn den Vater live antreibt.
Zusammen haben sie ein neues Album namens „Carnival“ aus der Taufe gehoben, das zweite seit 2013. Vor „Hate Sweet Hate“ wurden zwei EPs veröffentlicht, die jedoch bereits die aktuelle Handschrift tragen. Ein paar Songs hat man in der aktuellen Besetzung auch neu aufgenommen und einen kernigeren Schliff verpasst. Ich hätte nicht gedacht, dass THE HELLDOZERS die Energie und die großartigen Faustschläge auf „Hate Sweet Hate“ noch steigern können. Die Mischung aus PANTERA, etwas Hardcore und Punk, sowie einer großen Portion MOTÖRHEAD hat es in sich. Tonys Stimme ist oft so dunkel und rau, dass es schon als Growlen durchgeht und auch als Death‘n‘Roll gelten könnte. Aber nein, sie machen ja Southern-Groove-Thrashmetal.
„What the fuck?“ raunzt Tony erstmal zu Beginn des neuen Albums bei „Burning Like A Flame“ ins Mikrofon und die Planierraupe walzt unaufhaltsam los.
Der Titelsong „Carnival“ grooved in epischer Breite aus den Lautsprechern. Man kann dabei hervorragend mit dem Kopf nickend, den Arm aus den Fenster baumelnd, mit dem Auto auf einer Landstrasse cruisen.
„Dark Water“ ist einer meiner Favoriten auf „Carnival“, sowie der abschliessende Song „Don‘t Be Like Me“

Die fette aber jederzeit transparente Produktion und der interessante Drumsound lassen den Kenner mit der Zunge schnalzen.
Mit der Veröffentlichung von vier neu eingespielten Songs, von zwölf nagelneuen, können THE HELLDOZERS verhindern, dass die neue Scheibe eine zu kurze Spielzeit aufweist, jedoch spricht auch nichts dagegen auf diese Art mal nach drei Jahren ein Lebenszeichen mit beeindruckendem Material von sich zu geben. Da die zweite Generation schon mit an Bord ist, kann man in Zukunft sicherlich mit weiterem, in Musik gegossenem Hass, rechnen. Gitarrist Atha erzählte mir am Rande des Gigs in Troisdorf, dass man Alex in der Probe immer mal bremsen muss. Wehe wenn er von der Kette gelassen wird!

Warum schreibe ich so ein Vorwort und was hat das mit einem Review zu tun?
Ganz einfach: weil ich will, dass ihr das nacherlebt was ich erlebe, wenn ich solche Konzerte besuche und neues entdecke, was ich als empfehlenswert erachte.
Es ist meine Meinung und ihr dürft mir gerne widersprechen, denn davon lebt die Szene schließlich. Wenn keiner was meint oder mag, funktioniert das nicht, dann kann die Band auch im Proberaum bleiben.
Die meisten machen wohl Musik, der Musik willen, und freuen sich über regen Zuspruch. (Andreas)

http://www.helldozers.com


Bewertung:

Andreas8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 47:14 min
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichungstermin: 11.11.2016

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