Surrender The Crown - Travails

Bereits im August des letzten Jahres (2025) war für mich klar gewesen, dass ich meine mehrmonatige Schreibpause bei meinem/unserem Magazin mit einem Text zu dem neuen Album der saarländischen Band SURRENDER THE CROWN beenden werde. Ganz einfach deshalb, weil mich in den letzten 15 Jahren kaum eine andere Band mehr begeistern konnte als die, um die es hier geht, und weil deshalb natürlich auch die Erwartungen an das inzwischen fünfte Studioalbum „Travails“ (veröffentlicht am 19.09.2025) im Vorfelde nicht gerade gering waren, um es einmal maximal vorsichtig zu formulieren. Dass dieser Text dann schlussendlich bis zum 01. Januar 2026 wird warten müssen, das war im August natürlich noch nicht abzusehen, genauso wenig wie die Tatsache, dass die Band mit „Travails“ das unangefochten beste Album des Jahres 2025 abgeliefert hat.

Das ist insofern schon ein klein wenig erstaunlich, da man eigentlich davon ausgehen müsste, dass sich das typische SURRENDER THE CROWN Songkonzept, das man, meiner Meunung nach, 2018 bei „The Neverending Now“ perfektioniert hat, im Laufe der Zeit etwas abnutzen müsste. Der Nachfolger „IV – The Healing“ tanzte dann insofern etwas aus der Reihe, weil die Band verstärkt darum bemüht war, an Härte zuzulegen und die Songs generell kompakter und kürzer zu gestalten. Dadurch wirkte besagtes Album oberfächlich betrachtet insgesamt etwas unspektakulärer. Bei „Travails“ geht man, meiner Beobachtung nach, wieder einen kleinen Schritt zurück, und präsentiert wieder etwas sperrigere Songs, wenngleich man die Härte von „IV – The Healing“ beibehalten hat, so dass man ohne Übertreibung sagen darf, dass „Travails“ das bis dato ultimative SURRENDER THE CROWN Album ist.

In der Vergangenheit hatte ich bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass man diesen einerseits stark rifflastigen und andererseits auch stark melodiebetonten modernen Alternative Rock/Metal nicht besser umsetzen kann als das, was SURRENDER THE CROWN hier wieder bieten. Das komplette „Travails“ Album klingt so, als würde man die besten Momente von DISTURBED mit den besten Momenten von ALTER BRIDGE kombinieren. Und das schaffen die Jungs nicht nur bei ein paar Songs, sondern erneut von „alpha bis omega“, also vom Opener „Stand In Defiance“, der von allen Songs am ehesten an den harten Vorgänger erinnert, bis zum Schlusstrack „Guiding Lights“, das vielleicht progressivste Stück, das SURRENDER THE CROWN bislang aufgenommen haben.

Dazwischen finden sich dann mit „Belong“ und „Limitless Blue Sky“ zwei hochemotionale Halbballaden, vermutlich ist genau das sogar die ganz besondere Stärke von SURRENDER THE CROWN, solche Songs zu schreiben, die am Ende kein bisschen peinlich wirken. In der Art und Weise haben das sonst vor allem nur SAVATAGE hinbekommen. Weitere herausragende Songs sind natürlich das Titelstück „Travails“ sowie gegen Ende hin „Toe The Line“, die beide für die harte Version der Band stehen.
Sucht man den einen Hit des Albums, dann findet man diesen ebenfalls erst kurz vor der Zielgeraden, „We Need You Here“ ist eine Hymne mit so genanntem Mainstreampotential, die als Besonderheit mitbringt, dass man zur Überraschung mehr oder weniger mit einem Gitarrensolo startet. Grandios gemacht.

Neben den beiden Balladen ist vermutlich das abschließende „Guiding Lights“ mein Lieblingssong des Albums, weil diese Nummer wie bereits erwähnt etwas verspielter daherkommt und trotzdem alle Stärken der Band in knapp fünf Minuten bündelt.

Auch wegen der erneut formidablen Produktion von Phill Hillen, ist „Travails“ ein Manifest geworden für zeitgemäßen, mitreißenden und emotionalen Heavy Rock/Metal und für mich persönlich das Album des Jahres 2025, was umso mehr wiegt, weil ich im letzten Jahr weit mehr als 120 verschiedene Alben „intensiv“ gehört habe.

Die Fragen, die zum Schluss erneut offen bleiben, sind: Wohin soll die Reise für SURRENDER THE CROWN in der Zukunft weitergehen, denn nach „Travails“ steht man erneut an dem Punkt, an dem man sich kaum mehr verbessern wird können. Und natürlich stellt sich einige Monate nach der Veröffentlichung des Albums ebenso die Frage, wann endlich mal die breite Masse von dieser Ausnahmeband Notiz nimmt. Für viele scheint es immer noch so zu sein, dass erstklassiger Alternative Rock/Metal nur von Bands aus den USA kommen kann. Dafür finde ich keine rationale Erklärung. Vielleicht sollten SURRENDER THE CROWN mal eine gemeinsame Tour mit den EMIL BULLS starten oder, kleiner Tipp, wenn auch das nichts hilft, sich in SURRENDER THE WOLF umbenennen, sich die Gesichter anmalen und sich coole Künstlernamen geben. (Maik)

Bewertung: 

Maik 20167,0 10 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 53:48 min
Label: F.A.M.E. Artist Recordings/Sony Music
Veröffentlichungstermin: 19.09.2025