Vain - On The Line

Kaum zu glauben, aber "On The Line" ist mitnichten ein Output einer frischen Newcomer-Band, sondern vielmehr ein weiteres Werk eines gewissen Davy Vain – dieser Sänger ist immerhin bereits seit Ende der 80er Jahre aktiv und konnte sich seinerzeit nicht zuletzt aufgrund seiner charismatischen Ausstrahlung eine gewisse Reputation erarbeiten.
Zugegeben – angepriesen werden VAIN als "Sleaze Rock" - und dessen Hochzeiten sind mittlerweile doch schon etwas vorbei... aber jeder, der die Herren bereits live erleben durfte, weiß zu berichten, dass Vain & Co. immer noch hinreichend Power aufbieten und zu begeistern wissen – insofern wird auch "On The Line" fast fieberhaft erwartet.

Zu Beginn lassen es insbesondere die beiden Gitarristen Davy West und Jamie Scott ordentlich rumpeln – der Opener "Running On Empty" rockt und rumpelt erstklassig vor sich hin und Davy Vain persönlich klingt derart frisch und unverbraucht, dass man sich ohne Weiteres knapp 20 Jahre zurückversetzt fühlt.
Vom Riffing her könnte "So Free Now" glatt ein unveröffentlichter AC/DC-Track sein, die charakteristische Stimme Vains macht diesen Eindruck zwar alsbald zunichte, passt aber optimal zum flotten Material. Leider etwas unpassender gibt sich "Drag Me" – eine recht ruhige Nummer bei der das zeitweise etwas dünn geratene Stimmchen voll durchschlägt. Und zum allgemeinen Unmut schaltet "Last Sin" noch einige Gänge weiter zurück - zumal sich auch Davy Vain sich in diesen balladesken Passagen doch eher für Rockigeres empfiehlt.
Das liefern VAIN dann aber glücklicherweise mit dem Titeltrack "On The Line" prompt hinterher – und schon ist die Welt wieder in Ordnung – hervorragend abwechslungsreiches Songwriting gepaart mit flotten Riffs und passenden – wenngleich leicht typisch näselnden – Vocals: Das geht ins Ohr, das gefällt.
Ebenfalls sehr knackig lassen es die Jungs mit "Lie For Love" angehen, wenngleich Davy auch hier wieder haarscharf neben der Spur liegt.
Dass die Band auch ruhige Songs passabel abliefern kann, beweist man mit "Turn To Sand" - ok, je ruhiger und sanfter die Songs, desto dünner wird Davy Vains Stimme, das ändert in diesem Fall aber nichts am gelungenen Gesamteindruck, denn hier passt es einfach dazu.
Auch "Cover Me" gehört eher zu den ruhigeren Vertretern, kann aber zumindest mit einigen frischen Riffs im Mittelteil aufwarten und geht so angenehm leicht durch den Gehörgang.
Ungewöhnlich glatt beschreitet "Slave" völliges VAIN-Neuland - dieser Track kann mehr, als man ihm beim ersten Hören abnimmt.
Zum Abschluss liefert der Fünfer mit "Keep Shining On" noch einen leichtgängigen Rocker ab, der mit seinem zwar straighten und risikolosen Sound keinen Innovationsaward einstreicht, aber dennoch versöhnlich stimmen kann.

VAIN liegen voll auf der Höhe der Zeit – der Sound passt derzeit genau zum vielfach verkauften Trends auch von Deutschen "Größen" wie JULI oder ähnlichem und ist damit weniger "Sleazy" als "seicht poppig". Damit werden die Jungs sich zwar sicher eine Menge Freunde schaffen, von einem qualitativ hochwertigen ROCK-Album erwartet man aber einiges mehr.

Anspieltipps: "Running On Empty", "Lie For Love", "Slave" (Naglagor)

Bewertung: 7,0 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 49:51 min
Label: Locomotive Music
Veröffentlichungstermin: 17.02.2006

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