icedearth incorrubtiblenb mehrfachwertung„Plagues of Babylon“ konnte mich seinerzeit nicht wirklich vom Hocker reißen, obwohl ich das Album eigentlich noch ganz gut bewertet habe. Auch live konnten mich ICED EARTH im Anschluss nicht so richtig überzeugen und so habe ich die Band in den letzten Jahren zugegebenermaßen etwas vernachlässigt. Aber jetzt kommt ein neues Album, und da muss man ja doch mal reinhören, oder?

Zuerst aber mal schauen, was sich im Besetzungskarussell so getan hat. Das dreht sich bei den Amerikanern ja immer sehr munter. Wie ich schon vor Jahren vorausgesagt habe, ist Brent Smedley zur Band zurückgekehrt. Das freut mich, aber mal sehen, wie lange es diesmal hält (hoffentlich lange, ich mag den Mann). Nachdem Troy Seele die Band verlassen hat, brauchte es auch einen neuen Gitarristen, den man mit Jake Dreyer gefunden hat. Wie schon Luke Appleton hat man diesen auf der Dystopia-Tour kennengelernt, als dieser mit seiner Band WHITE WIZZARD als Support von ICED EARTH unterwegs war.

Also nun mal schauen, was die Truppe, allen voran Jon Schaffer so produziert hat. Der Opener „Great Heathen Army“ beginnt nach einem Chor-Intro, das eher an Mönche, denn an Heiden erinnert mit - Überraschung! – einem Schrei. Wie schon „Dystopia“. Irgendwie wird’s mir langweilig. Aber sonst eigentlich ein ziemlich guter Song. Auch wenn mir persönlich die Schreie oft zu hoch sind.

Leider driftet man dann irgendwann ins Midtempo ab. Und dieses Midtempo verfolgt einen fast über die ganze Scheibe. Das ist meiner Meinung nach das größte Manko des Albums. Fast alle Songs sind im Midtempo, fast alle beginnen ruhig und bauen dann Tempo und Stimmung auf. Bei jedem einzelnen Song klingt das toll. Aber beim Album in seiner Gesamtheit finde ich das dann doch eher langweilig und wenig innovativ. Etwas nervig ist dann „The Veil“, mit absolut vorhersehbaren Backe-backe-Kuchen-Reimen im Refrain, die man schon vor dem ersten Hören mitsingen kann, weil sie so offensichtlich sind.

Deutlich heftiger geht es bei „Seven Headed Whore“ zu und man fragt sich schon, ob aus the one and only jetzt die whore wurde und die Emotionen raus müssen. Nichtsdestotrotz ein wirklich guter Song, zur Abwechslung mal herrlich aggressiv mit schönen typischen ICED EARTH-Gitarrenläufen. Nur leider ist der Song etwas kurz geraten. Davon hätte ich gerne mehr.

Mehr gibt es wohl in Zukunft von „The Relic“, denn auf „Incorrubtible“ findet sich nur Part 1. Von „Ghost Dance“ bin ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Bei dem Titel hätte ich mir schon mehr erhofft als ein paar angedeutete halbverhungerte indianische Gesänge. Das haben ja NIGHTWISH besser rübergebracht. Und höre ich da Panflöten? Nee, das ist nicht mein Geschmack. Aber immerhin bricht man mal etwas aus dem Midtempoeinheitstrott aus.

Dafür gibt es mit „Brothers“ im Anschluss meinen persönlichen Favoriten auf dem Album. Der beginnt zwar auch sehr ruhig, enthält aber die typischen ICED EARTH-Gesangslinien und –melodien, entwickelt sich dann zu einem richtig schön rockenden Song mit Ohrwurmrefrain. Musikalisch nicht unbedingt der anspruchsvollste Song, aber das muss er ja auch gar nicht sein. Davon gerne mehr!

Ein Faible für lange, dramatische und epische Songs hat Jon Schaffer ja schon immer. Und so hat es mit „Clear The Way“ mal wieder ein Song, der an der 10-Minuten-Marke kratzt, auf das Album geschafft. Dieser bedient auch ein weiteres Faible von Jon Schaffer, den Amerikanischen Bürgerkrieg. Und – dieses Stück hat es in sich. Richtig geile Gitarren treffen auf richtig genialen Gesang von Stu Block. Ein richtig schön harter Song. Wären da nicht immer wieder die militärisch angehauchten, marschartigen oder auch ruhigen Einschübe. Die passen thematisch natürlich ganz wunderbar, ziehen den Song aber auch ganz schön in die Länge und ohne diese Teile, oder wären sie etwas pointierter eingesetzt worden, hätte ich zumindest den Song noch besser gefunden.

Ich muss zugeben, beim ersten Hören war ich von diesem Album enttäuscht. Laaangweilig! Aber man kann es sich schönhören. Ob das jetzt ein Qualitätsmerkmal ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber in der Tat entdeckt man zwischen dem ganzen Midtempokram doch so einige Perlen, und seien es nur Parts von Songs. „Clear The Way“ schrammt an einem richtig geilen Song knapp vorbei, „Brothers“ gefällt mir richtig gut und ansonsten finde ich eigentlich nur „The Veil“ nervig. Davon abgesehen ist „Incorruptible“ ein grundsolides ICED EARTH-Album geworden, dass die meisten Fans zufrieden stellen sollte. Auf die nächste Überscheibe, wie „Dystopia“ eine war, müssen wir uns wohl noch eine Weile gedulden. Aber bis dahin fährt man auch mit „Incorrubtible“ nicht schlecht. (Anne)

 


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 54:33 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 16.06.2017

Bewertung:

Anne7,0 7 / 10

 


Andreas 8,0 8 / 10

Jochen7,0 7 / 10

Klaus7,0 7 / 10

Maik8,0 8 / 10

Matthias8,0 8 / 10

Pascal7,0 7 / 10

Pfaelzer6,5 6,5 / 10

 


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