tankard onefootinthegraveNachdem TANKARD 2012 ein Mädchen namens Cerveza trafen und 2014 in Bier ruhten, wähnen sich die Hessen nun also bereits mit einem Bein im Grab. Zumindest wenn man vom Titel ihres am 02.06. erschienenen - man mag es kaum glauben - bereits siebzehnten Studioalbum „One Foot In The Grave“ ausgeht. Wer nun aber denkt, die Frankfurter wären im fünfunddreißigsten Jahr ihres Bestehens altersmilde geworden und böten ihrer Anhängerschaft nunmehr lahmarschigen Metal mit Einschlafgarantie, der kennt die Truppe verdammt schlecht. Da die anderen drei großen deutschen Thrash Metal Kapellen, namentlich KREATOR, SODOM und DESTRUCTION alle bereits entsprechend vorgelegt haben, durfte man gespannt sein mit was TANKARD letztendlich aufwarten würden.

Und eins sei schon mal vorab gesagt: Das Warten hat sich definitiv gelohnt. Schon der Opener „Pay To Pray“, in dem Sänger Gerre sich über bigotte Fernsehprediger auslässt, macht klar, dass die Gruppe hier alles andere als ruhig zu Werke geht. Stattdessen gehen Andreas „Gerre“ Geremia (Gesang), Andi Gutjahr (Gitarre), Frank Thorwarth (Bass) und Olaf Zissel (Schlagzeug) sofort in die Vollen. Besonders Schlagzeuger Olaf prügelt hier einige recht moderne Töne aus seinem Instrument. Aber auch Gerre klingt aggressiv und kraftvoll wie lange nicht mehr.

Das bereits vorab veröffentlichte „Arena Of The True Lies“, in dem man die immer mehr um sich greifenden „Fakenews“ anprangert, kann da zwar musikalisch nicht ganz mithalten, überzeugt dafür jedoch textlich auf ganzer Linie. Mit „Don’t Bullshit Us!“ zeigen sich TANKARD dann einmal mehr von ihrer punkigen Seite und wettern gekonnt gegen das heutige Radioprogramm. Der Titelsong nimmt dann mit der typischen Selbstironie das Altern auf die Schippe. Alleine schon der Satz „Senile With Style“ lässt den Hörer schmunzeln. Doch gleich darauf wird es bitterernst. Mit „Syrian Nightmare“ greifen Gerre & Co. ein brandaktuelles Thema auf und vor allem die Worte „The World Is Just Watching In Passive Lethargy“ treffen den Nagel auf den Kopf. Nicht umsonst ist die Nummer die aggressivste des Albums. Für mich ist „Syrian Nightmare“ nicht nur aber auch aufgrund seiner Aussage das stärkste Stück der Scheibe.

Da den Übergang zu einer weniger ernsten Nummer zu finden ist schwierig. Doch mit „Northern Crown (Lament Of The Undead King)" kriegen TANKARD das recht gut hin und ziehen ganz nebenbei noch die gerade unglaublich angesagte Viking Metal Schiene durch den Kakao. Mit „Lock'Em Up!“ kriegen dann auch noch Populisten wie Trump ihr Fett weg. Überhaupt fällt auf, dass die Band auf „One Foot In The Grave“ den Spaß über weite Strecken beiseitelässt. So ist zwar mit „Secret Order 1516“ die obligatorische Biernummer vertreten, da es jedoch um das Thema Fracking geht, ist diese auch ungewöhnlich ernst. Zum Schluss der Scheibe gibt es dann doch noch etwas zu lachen. Beschreibt doch „Sole Grinder“ leicht überspitzt den Charakter und das Verhalten des legendären Bandmanagers „Buffo“.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass TANKARD mit „One Foot In The Grave“ ihr bestes Werk seit Jahren vorgelegt haben. Auch die Entscheidung für Martin Buchwalter (DESTRUCTION, SUIDAKRA) als Produzent war genau die richtige, hat er den Hessen doch einen enorm druckvollen und frischen Sound hingezaubert. In der Form gibt es für TANKARD mal absolut keinen Grund sich aufs Altenteil zurückzuziehen. (Matthias)


Bewertung:

Matthias9,0 9 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 47:23
Label: Nuclear Blast Records
Veröffentlichungstermin: 02.06.2017

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