snakecharmer secondskinUnd ewig häutet sich die Schlange! Bekanntlich kann es von einer Band nur eine geben, doch nach ihrem Ausstieg wollten einige frühere WHITESNAKE-Recken weiter dem ursprünglichen Sound der Truppe frönen. Federführend war da immer das legendäre Gitarrengespann Micky Moody und Bernie Marsden, sowie Bassist Neil Murray. Doch David Coverdale war das ein Dorn im Auge, so dass er vielen Projekten wie THE SNAKES den Namen untersagte. Bei SNAKECHARMER dürfte er aber mit einem Prozess Probleme haben, schließlich hat man sich nun ein Song von RAINBOW benannt. Bernie Marsden hatte aber kein Interesse, machte lieber solo weiter und wurde vom langjährigen WISHBONE ASH-Klampfer Laurie Wisefield ersetzt. Auch im Rest der Besetzung wimmelt es von Namen, die schon bei YES und MAGNUM ihre Sporen verdienten. Im letzten Jahr stieg auch noch Moody aus, für ihn kam mit Simon McBride ein eher Unbekannter, der nun auf „Second Skin“ zu hören ist.

Auch mit nur einem ehemaligen „M“ der früheren WHITESNAKE rockt die Formation aber immer noch schön nach vorne, wie schon der Opener deutlich macht. „Sounds Like A Plan“ lässt sich in den ersten Takten noch zurückhaltend an, rockt dann aber ordentlich und mit angenehmen Druck nach vorne. Die treibenden Riffs werden von Orgeleinschüben und ein paar Slides garniert, und auch im Leadbereich können die Sechssaiter glänzen. Natürlich kommt man nicht ganz an das Gespann Moody/Marsden heran, das war eine Ausnahmekonstellation, doch gerade Wisefield hat bei „The Ash“ ja das Zusammenspiel perfekt gelernt.

In der Machart gehen nur noch der Riffrocker „Follow Me Under“ und „Dress It Up“ nach vorne, welches an den FREE-Klassiker „All Right Now“ denken lässt. Sogar dessen prägnanter Bass taucht dort auf, wenngleich auch der Refrain melodischer ausfällt. Schon hier fällt der feine, warme Sound auf, welcher eben auch an die ersten Scheiben der weißen Schlange angelehnt ist. Alle Instrumente bekommen ihren Raum, erstrahlen in tollen Klangfarben und ergänzen sich zu coolen Harmonien. Hier stehen eindeutig das Gefühl und der gute Ton im Vordergrund, der Blues schwebt über allem, den diese Könner alle in sich haben.

Ein gutes Beispiel hierfür ist „Are You Ready To Fly“, bei dem zuerst die Hammond die Führungsrolle übernimmt, bevor sich die Strophe etwas zurück nimmt, um dann in den hymnischsten Refrain zu münden. Nach einer weiteren ruhigen Passage biegen SNAKECHARMER mit dem stärksten Gitarrensolo der Platte um die Ecke und krönen so ein Musterbeispiel in Sachen Dynamik. Das gilt auch für „I´ll Take You As You Are“, das mit ein paar Folkanleihen und viel Akustiktönen aufwartet. Die Klampfe wird neben auch in „Punching Above My Weight“ ausgepackt und mitsamt geklatschter Rhythmusassistenz Singer/Songwriter-Charme versprüht.

Wirklich beseelt im wahrsten Sinne des Wortes wird es mit „That Kind Of Love“, einer eher lässigen Nummer mit prägnanter Leadmelodie. Im Chorus tauchen dezente soulige Chöre, welche die kraftvolle Rockstimme von Chris Ousey unterstützen. Ähnlich gelagert, nur noch mit Honky Tonk-Piano verfeinert kommt „Forgive & Forget“ daher. Noch weiter auf die Spitze treiben SNAKECHARMER die Soul-Einflüsse in „Fade Away“, dem balladeskesten Track von „Second Skin“.
Hier regiert Gefühl pur wie in den tiefsten Siebzigern und ein paar Damen dürfen im Refrain den Background hauchen, sehr schönes Stück. Das einzige, was der Scheibe fehlt ist vielleicht noch zwingenderes Songwriting und ein bisschen mehr Durchschlagskraft, sie benötigt schon ein paar Durchläufe. Lieder wie das angefunkte „Hell Of A Way To Live“ lassen aber herrlich an die besten Zeiten der Rockgeschichte denken, von derart urwüchsiger Musik gibt es heute zu wenig. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 50:13 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 12.05.2017

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